# taz.de -- Wahlen in Israel: Arabische Parteien zur Wahl zugelassen
> Der Oberste Gerichtshof in Israel hat den arabischen Parteien erlaubt, an
> der Parlamentswahl Ende Oktober teilzunehmen. Bis auf einen Kandidaten.
(IMG) Bild: Die Abgeordneten der Knesset Ofer Cassif von der Hadash-Partei und Joint-List-Vorsitzender Youssef Jabaree vor dem Gerichtsgebäude
Es war zu erwarten und sorgt doch für Aufsehen: Der Oberste Gerichtshof in
Israel hat die arabischen Parteien zur nächsten [1][Parlamentswahl am 27.
Oktober] zugelassen. Rechtsreligiöse und konservative Parteien wie der
regierende Likud, dem Premierminister Benjamin Netanjahu angehört, und
Otzma Jehudit, die Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir vertritt, hatten ein
Verbot gefordert. Ihnen hatten sich Oppositionsparteien ebenfalls
angeschlossen.
Als Grund hatte der Likud unter anderem angegeben, „in der Knesset gibt es
keinen Platz für diejenigen, die versuchen, israelischen Soldat:innen zu
schaden, und nicht in der Lage sind, Hisbollah und die Hamas als
Terrororganisationen zu bezeichnen“. Betroffen waren die Joint List, auf
Deutsch: Vereinigte Liste, sowie Ra’am. Zur Liste gehören die Parteien
Hadash, Balad und Ta’al, die beschlossen haben, gemeinsam ins Rennen zu
gehen. Auch gab es die Forderung, die Politiker Sami Abu Shehadeh und Ofer
Cassif vom Wahlkampf auszuschließen.
Das Zentralkomitee für Wahlen hatte [2][daraufhin die Parteien
disqualifiziert]. Diese haben den Fall, wie erwartet, vor den Obersten
Gerichtshof gebracht und die Entscheidung angefochten. Mit Erfolg.
Allerdings empfahl der Gerichtshof Balad-Anführer Sami Abu Shehadeh, seine
Kandidatur zurückzuziehen – was er dann auch tat. Offenbar war eine
Mehrheit der Richter:innen dafür, die Entscheidung des Zentralkomitees
in seinem Fall aufrechtzuerhalten. „Das ist die schwierigste Entscheidung
meiner politischen Laufbahn gewesen“, sagte dazu Abu Shehadeh.
## Joint List: Parteienverbot ist rassistisch
Dem arabischen Politiker ist ein Artikel zum Verhängnis geworden, [3][den
er einen Tag nach dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023] veröffentlichte.
Darin nannte er die Attacke ein „militärisch, politisch und strategisch
bedeutendes historisches Ereignis“ und schrieb, dass „die eigentliche
Überraschung die Ausdauerfähigkeit des palästinensischen Volkes ist – bis
es den Punkt der Explosion erreichte“. Und dass der israelische
Nachrichtendienst „daran gehindert werden kann, in unsere Länder, Parteien
und politischen Bewegungen einzudringen (…) wenn wir uns richtig
organisieren“.
Das Komitee betrachtete die Aussagen als Unterstützung des bewaffneten
Kampfs. Abu Shehadeh hat im Nachhinein eine Passage des Artikels bedauert
und erklärt, sie sei mangelhaft formuliert worden. Er betonte aber, er habe
nie Gewalt geduldet oder befürwortet. Parlamentarier Ofer Cassif darf
hingegen weiter kandidieren.
Die Joint List hatte die Entscheidung des Komitees, ihre Parteien zu
verbieten, als „rassistisch“ bezeichnet. „Kein Versuch, uns zum Schweigen
zu bringen, wird funktionieren.“ Die jüdischen und säkularen Parteien
hätten Angst vor dem wachsenden Einfluss der arabischen Parteien und
wollten ihre Macht nicht abgeben. Etwa 17 Prozent aller Wähler:innen in
Israel haben palästinensische Wurzeln. Israel nennt sie arabische Israelis.
Sollten die aktuellen Wahlprognosen korrekt sein, könnten die kleineren
Parteien den Unterschied machen. Vorausgesetzt, dass sie und die anderen
bereit sind, zu koalieren.
2 Oct 2026
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