# taz.de -- Israel vor der Parlamentswahl: Wer antreten darf – und wer nicht
> Die israelische Wahlkommission stimmt für den Ausschluss arabischer
> Parteien. Das letzte Wort hat das Oberste Gericht. Auch gegen Rechte gibt
> es Ausschlussanträge.
(IMG) Bild: War an den Anträgen gegen arabische Parteien beteiligt: der rechtsextreme Minister Itamar Ben-Gvir
Die größten Parteien der arabischen Minderheit in Israel sollen nach
Entscheidung der Wahlkommission von der bevorstehenden Parlamentswahl
ausgeschlossen werden. Die Kommission votierte am Mittwoch auf Antrag der
Regierungskoalition dafür, Raam sowie die Vereinte Liste mit den Parteien
Balad, Hadash und Ta’al wie auch zwei Einzelkandidaten von dem Urnengang
auszuschließen.
Die Entscheidung muss noch vom Obersten Gericht bestätigt werden, das in
der Vergangenheit solche Ausschlüsse zumeist aufgehoben hatte. Es ist davon
auszugehen, dass das auch diesmal wieder der Fall sein wird.
Die Wahlkommission setzt sich aus Delegierten der im Parlament vertretenen
Parteien zusammen. Ihre Entscheidungen spiegeln die Mehrheitsverhältnisse
in der Knesset wider – also einen Überhang nach rechts. Die israelischen
Parteien versuchen regelmäßig vor Wahlen, die Kandidaturen ihrer
politischen Gegner durch die Wahlkommission für ungültig erklären zu
lassen. Petitionen für den Ausschluss von Parteien oder Einzelpersonen
müssen an die Wahlkommission gestellt werden.
Den Antrag zur Disqualifikation der Vereinten Liste stellte etwa Likud, die
Partei des regierenden Premierminister Benjamin Netanjahu; der Antrag gegen
Raam kam unter anderem von Likud und von der rechtsextremen Partei Otzma
Yehudit, der der Minister für innere Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, angehört.
## Wer die beiden ausgeschlossenen Einzelpersonen sind
Das Büro der Generalstaatsanwältin [1][Gali Baharav-Miara] ließ sogleich
erklären, dass man die Disqualifikation von Raam wie auch der Vereinten
Liste ablehne.
Eine Entscheidung der Wahlkommission wird allerdings von Baharav-Miara und
dem Richter des [2][Obersten Gerichtshofs Noam Sohlberg] unterstützt: der
Ausschluss des Balad-Politikers Sami Abu Shehadeh. Der hatte in einem
Artikel für das Portal Arab48 am 8. Oktober 2023 von dem Angriff
palästinensischer Milizen in Israel am Vortag als „strategisches Event“
gesprochen, dessen „Ergebnisse sich zeigen werden, sobald sich die Wogen
geglättet haben“. Er nannte die Massaker vom 7. Oktober außerdem
„Al-Aqsa-Flut“, im Duktus der Angreifer.
Die zweite Person, die von der Wahlkommission disqualifiziert wurde, ist
Ofer Cassif. Er tritt für die Vereinte Liste an, ist einer der bekanntesten
linken Politiker Israels und Kritiker des Kriegs im Gazastreifen. Er
erklärte, die Wahlkommission sei „politisch geprägt“, und er sei
„überzeugt, dass der Oberste Gerichtshof die Entscheidung aufheben wird“.
## Auch die Disqualifikation rechter Parteien wurde beantragt
Etwa 20 Prozent der israelischen Bevölkerung sprechen muttersprachlich
Arabisch; sie identifizieren sich oft selbst als Palästinenser. Bei der
Wahl am 27. Oktober könnte der gemäßigt islamistischen Partei Raam die
Rolle der Königsmacherin bei der Regierungsbildung zukommen. Umfragen
zufolge dürfte die Partei 5 bis 6 der 120 Sitze in der Knesset gewinnen.
Und damit dem Anti-Netanjahu-Lager zur Koalitionsmehrheit verhelfen.
Unlängst sorgte Parteichef Mansur Abbas für Aufsehen, als er mitteilte,
dass mit dem ehemaligen Abgeordneten und Vize-Polizeiminister Joav
Segalovitz erstmals ein jüdischer Israeli für Raam kandidieren werde.
[3][Raam hatte bereits 2021 Geschichte] geschrieben, als Abbas die Partei
in die breite Regierungskoalition von Naftali Bennett und Jair Lapid
führte. Erstmals beteiligte sich damit eine unabhängige arabische Partei an
einer israelischen Regierungsmehrheit. Die Zusammenarbeit war sowohl unter
arabischen als auch unter jüdischen Israelis umstritten.
Am Donnerstag gehen die Anhörungen der Wahlkommission in die nächste Runde.
Dann hört sie unter anderem Petitionen zum Ausschluss der rechtsextremen
Otzma Yehudit, der Partei des Ministers für innere Sicherheit Itamar
Ben-Gvir. (mit afp)
24 Sep 2026
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(DIR) Lisa Schneider
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