# taz.de -- Türkisches Nachrichtenportal gesperrt: Türkei immer abgehängter
       
       > Mit der Sperrung des Online-Nachrichtenportals T24 wird die
       > Öffentlichkeit weiter drangsaliert. Es geht um Inhalte mit angeblicher
       > „LGBT-Propaganda“.
       
 (IMG) Bild: Abgeschaltet und stumm: der Nachrichtensender T24
       
       In der Türkei ist das wichtigste Online-Nachrichtenportal T24 gesperrt
       worden. Das unabhängige Onlinemedium T24 betreibe LGBT-Propaganda,
       behauptete das Justizministerium als Grund für die Schließung des Portals.
       
       T24, das bislang täglich Dutzende neue Nachrichten versendet hat, hätte
       angeblich im vergangenen Jahr 118 Inhalte mit LGBTQI-Propaganda gesendet.
       Das sei im [1][Rahmen der Kampagne gegen Menschen, Vereine und
       Institutionen, die zur LGBTQI‑Community gehören,] festgestellt worden.
       
       Hunderte Personen waren in den letzten Wochen mit dem Vorwurf festgenommen
       worden, sie würden obszöne Inhalte oder Propaganda für LGBTQI‑Themen
       verbreiten. Da Homosexualität selbst nicht verboten ist, versucht die
       türkische Regierung im Rahmen ihrer sogenannten Kampagne „Meine Familie ist
       sicher“, auf diesem Weg die LGBTQI‑Community zu verunsichern und aus der
       Öffentlichkeit zu verbannen.
       
       Das wird auch zum Vorwand genommen, um etlichen kritischen JournalistInnen
       ihre X-Konten zu sperren und [2][die kritische Öffentlichkeit in der Türkei
       noch weiter zu kriminalisieren,] als es ohnehin schon der Fall ist.
       
       ## Erfolgreichste Neugründung
       
       Der radikalste Schritt dabei ist nun die Schließung von T24. Das
       Onlineportal wurde 2009 gegründet, als immer mehr Zeitungen verboten oder
       durch Eigentümerwechsel in das Regierungslager überführt wurden.
       Regierungskritische Journalisten verloren ihre Jobs.
       
       Das Gegenmittel dazu war, eigene Medien im Internet aufzubauen, deren
       Produktion und Vertrieb nicht so kostenintensiv sind wie gedruckte
       Zeitungen. T24 war eine der erfolgreichsten dieser Neugründungen.
       
       Rund 2 Millionen Leser schauten täglich auf die Website oder den X-Account
       von T24. Chefredakteur Gökçer Tahincioğlu sagte, die Sperrung sei das
       Ergebnis einer „Verleumdungskampagne“. Justizminister Akın Gürlek braucht
       allerdings kaum eine Verleumdungskampagne, um gegen Kritiker der Regierung
       vorzugehen. Sein Job, für den ihn Präsident Recep Tayyip Erdoğan im Februar
       dieses Jahres zum Justizminister ernannt hat, besteht ja gerade in der
       Verfolgung jeglicher Opposition.
       
       Insbesondere die frühere CHP und jetzige Yeni Parti ist das Objekt der
       Verfolgung durch den früheren Istanbuler Generalstaatsanwalt und jetzigen
       Justizminister Gürlek. Dazu gehören auch alle JournalistInnen, die
       womöglich die Opposition unterstützen könnten. Nach Angaben von
       „Engelliweb“, einer Initiative zur Überwachung von Internetzensur, wurden
       zeitgleich mit der Sperrung von T24 die X-Accounts von mindestens 147
       weiteren JournalistInnen gesperrt.
       
       Özgür Özel, Chef der Yeni Parti und gleichzeitig Oppositionsführer im
       Parlament, erklärte dazu: „In einem Land, in dessen Verfassung steht, die
       Presse ist frei, werden Medien, die täglich Millionen Menschen mit
       Nachrichten versorgen, wegen vorgeschobener Gründe die Türen verschlossen.
       Diese Sperren müssen sofort aufgehoben werden.“
       
       Auf der [3][Liste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen] steht die
       Türkei auf Platz 163 von 180 Staaten.
       
       2 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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