# taz.de -- Q&A zur Todesstrafe in den USA: Wie oft gehen Hinrichtungen schief?
       
       > Nach zwei Dosen der Giftspritze lebte die zum Tode verurteilte Christa
       > Pike noch. Nicht das erste Mal, dass in den USA Hinrichtungen misslingen.
       
 (IMG) Bild: Todesstrafe in den USA: Hinrichtungskammer in einem Gefängnis in Atlanta
       
       Im US-Bundesstaat Tennessee war Christa Pike die erste Frau, die seit 200
       Jahren hingerichtet werden sollte. [1][Ihr Hinrichtungsversuch mit einer
       Giftspritze scheiterte am 29. September 2026.] Nach zwei Versuchen wurde
       die Hinrichtung abgebrochen und Pike in ein Krankenhaus gebracht. Der
       US-Bundesstaat Tennessee kündigte an, weitere Hinrichtungen für den Rest
       des Jahres 2026 auszusetzen und ordnete eine Untersuchung an. Doch wie
       steht es in den USA im Allgemeinen um die Todesstrafe? Die wichtigsten
       Fragen und Antworten. 
       
       In welchen Ländern und US-Bundesstaaten werden Hinrichtungen noch
       durchgeführt?
       
       In 27 US-Bundesstaaten ist es per Gesetz noch möglich, die Todesstrafe zu
       verhängen. Im Jahr 2026 wurden Verurteilte in sechs Bundesstaaten
       hingerichtet: Alabama, Arizona, Florida, Oklahoma, Tennessee und Texas. In
       vier Bundesstaaten ist die Todesstrafe derzeit per Dekret ausgesetzt:
       Kalifornien, Oregon, Pennsylvania und Ohio.
       
       Weltweit werden laut [2][Amnesty International] noch in 17 Ländern
       Todesstrafen vollstreckt: Afghanistan, China, Ägypten, Iran, Irak, Japan,
       Kuwait, Nordkorea, Saudi-Arabien, Singapur, Somalia, Südsudan, Taiwan,
       Vereinigte Arabische Emirate, USA, Vietnam und Jemen.
       
       Wie viele Menschen sitzen in den USA im Todestrakt? Wie viele von ihnen
       sind Frauen?
       
       Anfang 2026 saßen in den USA 2.004 Menschen im Todestrakt. 47 von ihnen
       waren Frauen, also 2,3 Prozent der Verurteilten. Zwischen 1972 und 1976
       wurde darüber verhandelt, ob die Todesstrafe mit der US-Verfassung
       vereinbar ist. Seit 1976 wurden 18 Frauen hingerichtet, das sind etwa ein
       Prozent aller Hinrichtungen.
       
       Was hat sich in Sachen Todesstrafe unter Trump verändert?
       
       Der US-Präsident hat die Todesstrafe am Anfang seiner zweiten Amtszeit
       [3][per Dekret] zu einem „notwendigen“ Instrument der amerikanischen Justiz
       erklärt. Er bezeichnete sie als passende Antwort auf das „Böse“. Trumps
       Politik hat vor allem die Todesstrafe auf Bundesebene beeinflusst, denn in
       den USA kann man, je nach Straftat, entweder auf Bundesstaats- oder auf
       Bundesebene zum Tode verurteilt werden. Die Todesstrafe auf Bundesebene
       kann beispielsweise für Terrorismus, Mord an Bundesbeamten oder bestimmte
       schwere Drogendelikte verhängt werden. Während Trumps erster Amtszeit
       wurden nach 17 Jahren erstmals wieder Hinrichtungen auf Bundesebene
       durchgeführt. Auch in seiner zweiten Amtszeit setzte Trumps auf eine
       Ausweitung der Todesstrafe und eine schnellere Vollstreckung.
       
       Wie steht es um die Bewegung gegen die Todesstrafe in den USA?
       
       Im Jahr 2025 wurden in zwölf Bundesstaaten, in denen es die Todesstrafe
       gibt, Gesetzentwürfe zur Abschaffung eingebracht, jedoch wurde bisher
       keiner dieser Entwürfe verabschiedet. Es gibt zudem ein koordiniertes
       nationales Netzwerk aus mehr als 60 Organisationen, die sich politisch und
       juristisch gegen die Todesstrafe einsetzen. Gleichzeitig gab es in zehn
       Staaten ohne Todesstrafe erfolglose Versuche, dieses Strafmaß wieder
       einzuführen.
       
       Laut einer Umfrage [4][vom Oktober 2025] befürworteten 52 Prozent der
       US-Amerikaner die Todesstrafe, 44 Prozent waren dagegen. Damit lag die
       Zustimmung auf dem niedrigsten Stand seit 1972. 1994 hatten noch 80 Prozent
       die Todesstrafe befürwortet.
       
       In welchen Bundesstaaten werden Hinrichtungen mit der Giftspritze
       durchgeführt?
       
       In 28 Bundesstaaten ist die Giftspritze mindestens eine Option für
       Hinrichtungen, was die Methode zur am häufigsten eingesetzten macht.
       [5][Seit 1976] wurden so 1.492 Menschen hingerichtet, gefolgt von 163
       Hinrichtungen mit dem elektrischen Stuhl. Einzelne Bundesstaaten erlauben
       auch Gas oder ein Erschießungskommando. In einigen Staaten können
       Verurteilte zwischen Methoden wählen, in anderen kommen alternative
       Methoden nur zum Einsatz, wenn die Giftspritze nicht verfügbar oder
       rechtlich nicht zulässig ist.
       
       Wann wurde in den USA erstmals mit der Giftspritze hingerichtet?
       
       [6][Der Bundesstaat Texas] führte die Giftspritze im Jahr 1977 als
       Hinrichtungsmethode ein und vollstreckte am 7. Dezember 1982 die erste
       Hinrichtung mit dieser Methode.
       
       Was ist der Inhalt der Giftspritzen?
       
       Die Bundesstaaten verwenden unterschiedliche Protokolle, teilweise ein
       einziges Medikament, teilweise eine Kombination aus drei Wirkstoffen. Die
       Beschaffung der Wirkstoffe für Todesspritzen ist schwierig, weil viele
       Pharmakonzerne die Verwendung ihrer Produkte als Hinrichtungsmittel
       ablehnen.
       
       In Tennessee, wo Pike hingerichtet werden sollte, wird Pentobarbital
       verwendet, also ein einziges Medikament. Es wurde nicht explizit als
       Wirkstoff für Giftspritzen bei Hinrichtungen entwickelt. Als Arzneimittel
       kommt es als Beruhigungs- und Schlafmittel, zur Narkosevorbereitung und als
       krampflösendes Mittel zum Einsatz.
       
       Bei der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike verabreichten die
       Vollstrecker zwei Dosen des Medikaments. Die britische [7][Zeitung
       Independent] schrieb dazu, dass die Biden-Regierung Pentobarbital zuvor aus
       dem Bundesprotokoll für tödliche Injektionen mit einem einzigen Wirkstoff
       gestrichen hatte, da Bedenken hinsichtlich möglicher unnötiger Schmerzen
       und Leiden bestanden.
       
       In anderen Bundesstaaten gilt ein Protokoll mit drei Wirkstoffen. Dabei
       wird zunächst ein Narkose- oder Beruhigungsmittel verabreicht. Danach folgt
       ein Muskelrelaxans, das die Muskulatur einschließlich der Atemmuskulatur
       lähmt. Als drittes Mittel wird Kaliumchlorid verabreicht, das zum
       Herzstillstand führt.
       
       Wie häufig gehen Hinrichtungen in den USA schief?
       
       Schätzungen zufolge kam es zwischen 1890 und 2010 bei drei Prozent der
       Hinrichtungen in den USA zu Fehlern. [8][Austin Sarat, ein Professor für
       Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft], schrieb ein Buch über die
       Geschichte fehlerhafter Hinrichtungen. Darin berichtet er, dass in dem
       Zeitraum 8.776 Menschen hingerichtet wurden und bei 276 Hinrichtungen etwas
       schiefging. Bei der tödlichen Injektion war die Fehlerquote am höchsten.
       
       Im Mai 2026 wurde beispielsweise, auch in Tennessee, von [9][einem Fall]
       berichtet, bei dem es den Vollstreckern nicht gelang, eine Vene zu finden,
       um die tödlichen Medikamente zu injizieren. Nach mehreren gescheiterten
       Versuchen wurde der Verurteilte wieder in die Haftanstalt transportiert und
       die Vollstreckung seiner Todesstrafe um ein Jahr verschoben.
       
       Was passiert, wenn ein erster Hinrichtungsversuch nicht zum Tod führt?
       
       Das hängt vom Hinrichtungsprotokoll des jeweiligen Bundesstaates ab.
       [10][Laut ABC News] sieht das Hinrichtungsprotokoll des Bundesstaates
       Tennessee vor, dass ein zweiter Satz der Todesspritze verabreicht wird,
       „falls der Häftling nach dem ersten Satz noch nicht verstorben ist“. Es
       wird nicht näher erläutert, was geschieht, wenn der Häftling nach dem
       zweiten Satz noch am Leben ist. Aus diesem Grund wurde die Hinrichtung von
       Christa Pike abgebrochen und die zum Tode Verurteilte ins Krankenhaus
       gebracht.
       
       Anders läuft es im Bundesstaat Kentucky ab: Scheitert der zweite Versuch,
       wird die Hinrichtung ausgesetzt und medizinisches Personal leitet
       stabilisierende Maßnahmen ein. Dort müssen Krankenwagen, medizinisches
       Personal und ein Defibrillator bereits vor Beginn der Hinrichtung
       bereitstehen. Bei misslungenen Hinrichtungen mit der Giftspritze kam es in
       der Vergangenheit zu Verletzungen und erheblichem körperlichem Leiden. Ein
       weiterer Hinrichtungsversuch kann deshalb vor Gericht angefochten werden.
       
       Was sagen Befürworter der Todesspritze? Und was die Kritiker?
       
       Befürworter bezeichnen die Giftspritze als eine kontrollierte und
       vergleichsweise humane Hinrichtungsmethode. Kritiker legen begründete
       Zweifel daran vor, dass das Verfahren zuverlässig schmerzfrei ist und
       zuverlässig zum Tod führt. Sie verweisen auf misslungene Hinrichtungen,
       Probleme bei der Verabreichung der tödlichen Medikamente und die fehlende
       Beteiligung von Ärzten, die Hinrichtungen aus berufsethischen Gründen
       ablehnen.
       
       Wie gut ist erforscht, wie die bei Hinrichtungen eingesetzten Medikamente
       bei Frauen wirken?
       
       Die Wirkung der bei Hinrichtungen eingesetzten Medikamente ist nicht
       speziell für den Kontext der Todesstrafe erforscht. Denn Studien mit
       tödlichen Medikamentendosen sind nicht mit medizinischer Forschung
       vereinbar.
       
       Es gibt jedoch medizinische Studien zu einzelnen Wirkstoffen, die teilweise
       Unterschiede in ihrer Wirkung und ihrem Abbau bei Frauen und Männern
       zeigen. Für die bei Hinrichtungen verwendeten hohen Dosierungen und
       Kombinationen fehlen jedoch Daten. Wie stark solche Unterschiede den Ablauf
       einer Hinrichtung beeinflussen können, lässt sich deshalb nicht sagen.
       
       Welche Regeln gibt es für Angehörige, sowohl die der Verurteilten, als auch
       für die Opferfamilien? Dürfen sie bei der Hinrichtung zusehen?
       
       Jeder Bundesstaat regelt individuell, wie viele Zeugen, Angehörige der
       verurteilten Person und des Opfers anwesend sein dürfen. In Tennessee
       dürfen erwachsene Angehörige sowohl der verurteilten Person als auch des
       Opfers die Hinrichtung beobachten. Auch ein Geistlicher und ein Verteidiger
       der verurteilten Person dürfen anwesend sein. Für Familienangehörige der
       verurteilten Person gibt es in Tennessee keine Höchstzahl.
       
       Anders ist das beispielsweise in Alabama geregelt. Dort kann die
       verurteilte Person bis zu sechs Verwandte oder Freunde als Zeugen benennen.
       Auf Seiten der Opferfamilie dürfen bis zu acht unmittelbare Angehörige
       anwesend sein, sofern sie älter als 19 Jahre sind.
       
       1 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Hinrichtung-in-Tennessee-abgebrochen/!6217930
 (DIR) [2] https://www.amnesty.org/en/documents/act50/0778/2026/en/
 (DIR) [3] https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2025/01/restoring-the-death-penalty-and-protecting-public-safety/
 (DIR) [4] https://deathpenaltyinfo.org/research/analysis/reports/year-end-reports/the-death-penalty-in-2025/
 (DIR) [5] https://deathpenaltyinfo.org/executions/methods-of-execution?did=245&scid=8&
 (DIR) [6] https://tdcj.texas.gov/death_row/facts.html
 (DIR) [7] https://www.independent.co.uk/news/world/americas/pentobarbital-drug-christa-pike-injection-b3059459.html
 (DIR) [8] https://www.amherst.edu/people/facstaff/adsarat/research
 (DIR) [9] https://www.wsmv.com/2026/05/21/tennessee-convict-tony-carruthers-avoids-execution-due-complications-administering-lethal-injection/
 (DIR) [10] https://newschannel9.com/news/local/tennessee-governor-halts-executions-after-christa-gail-pike-survives-lethal-injection
       
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