# taz.de -- Hinrichtung in Tennessee abgebrochen: Sie überlebte zwei Giftspritzen
> Zunächst stoppt ein Gericht die erste Hinrichtung einer Frau seit mehr
> als 200 Jahren in dem US‑Südstaat. Die Vollstreckung folgt – und
> scheitert.
(IMG) Bild: Die heute 50-jährige Christa Pike wurde 1996 für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt
dpa | Gerichtliches Tauziehen und Komplikationen bei der Vollstreckung
haben die erste Hinrichtung einer Frau seit mehr als 200 Jahren im
US-Bundesstaat Tennessee begleitet. Die wegen Mordes verurteilte Christa
Pike lebte laut Darstellung ihrer Verteidiger auch noch nach der
Verabreichung zweier Giftspritzen.
„Um 20.26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker
beide Spritzen mit den [1][tödlichen Chemikalien] injiziert hätten und Pike
noch am Leben sei und schnarche“, heißt es in einem Gerichtsdokument. Auch
nach Angaben des Richters Kyle Hixson habe der Staat die 50-Jährige
zunächst nicht für tot erklärt. Die Justizvollzugsbehörde habe die
medizinische Notfallversorgung und ihren Transport in ein Krankenhaus
angeordnet, teilte Hixson den Anwälten aller Beteiligten in einer
Telefonkonferenz mit.
## Erste Hinrichtung einer Frau seit 200 Jahren
Pike war nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee
die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des Bundesstaates im Südosten
der USA eine Strafe verbüßte. Laut der Forschungseinrichtung Cornell Center
on the Death Penalty Worldwide ist sie auch die erste Frau seit 1819, die
in Tennessee überhaupt [2][hingerichtet werden sollte].
Der Vollstreckung am Mittwochabend (Ortszeit) war ein juristisches
Tauziehen vorausgegangen. Zunächst war die Hinrichtung per Giftspritze kurz
vor dem Vollzug gestoppt worden. Dann gab der Supreme Court, das oberste
US-Gericht, einem Eilantrag der für die Gefängnisse zuständigen Behörde des
Bundesstaates statt und setzte damit den von einer unteren Instanz
verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft.
## Kritik von Richterinnen am Entscheid
Die drei liberalen Richterinnen am Supreme Court hatten die
Mehrheitsentscheidung des Gerichts kritisiert. In ihrer abweichenden
Meinung argumentierte Sonia Sotomayor, die Entscheidung ebne dem
Bundesstaat den Weg, Pike hinzurichten, bevor die Zweifel an der
Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäß geprüft werden
könnten. Die Richterinnen Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen
sich dem an.
Sotomayor schrieb weiter, sie sehe keinen Grund dafür, den üblichen Weg
dieser Überprüfung zu umgehen, „insbesondere angesichts der schwerwiegenden
Folgen einer fehlerhaften Entscheidung“. Sie bezeichnete das Vorgehen als
„außergewöhnlich“.
## Mord liegt mehr als 30 Jahre zurück
Die heute 50-jährige Christa Pike wurde 1996 für den Mord an einer damals
19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt. Pike war zum Tatzeitpunkt 18
Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet
nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.
Die [3][zum Tode verurteilte] Pike habe Zweifel an der Rechtmäßigkeit des
vorigen Verfahrens dargelegt, die nun geprüft werden müssten, hatte ein
Berufungsgericht am Mittwoch noch entschieden. Zentraler Punkt dabei war
die gerichtliche Würdigung von Traumata, die Pike eigenen Angaben zufolge
als Kind erlitten habe.
Die Verurteilte machte vor Gericht geltend, der Bundesstaat Tennessee habe
sie als Lügnerin abgetan und ihre Angaben zu erlittenem Missbrauch für
fabriziert gehalten. Dann habe der Bundesstaat den Missbrauch später jedoch
doch als solchen anerkannt.
## Eilantrag erfolgreich
In seinem Eilantrag an das Oberste US-Gericht warf der Staat Tennessee der
Verteidigung Pikes unter anderem eine bewusste Verzögerungstaktik in
letzter Minute vor, um die Vollstreckung zu verhindern. Zudem sahen die
Kläger geringe Erfolgsaussichten für die Verurteilte: Die Grausamkeit und
Schwere des Mordes wogen rechtlich so schwer, dass selbst das vor Gericht
geltend gemachte Kindheitstrauma die Todesstrafe nicht verhindert hätte.
Pike hingegen argumentierte in einer Antwort vor dem Supreme Court, dass
dem Bundesstaat kein irreparabler Schaden entstehe, wenn der Eilantrag
abgelehnt werde. Sollte ihm dagegen stattgegeben werden, würde Pike ihr
Leben verlieren.
1 Oct 2026
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