# taz.de -- Gescheiterte Hinrichtung in den USA: Chef von Strafvollzugsbehörde von Tennessee tritt zurück
> Im US-Bundesstaat Tennessee muss Behördenchef Frank Strada seinen Posten
> räumen. Grund sind die Fehler bei der Hinrichtung der Mörderin Christa
> Pike.
(IMG) Bild: Muss gehen: Frank Strada
afp | Das [1][beispiellose Scheitern der Hinrichtung der US-Todeskandidatin
Christa Pike] hat personelle Konsequenzen: Der Chef der
Strafvollzugsbehörde im Bundesstaat Tennessee reichte seinen Rücktritt ein.
Gouverneur Bill Lee teilte am Samstag (Ortszeit) mit, Behördenleiter Frank
Strada werde sein Amt noch in diesem Monat abgeben. Pike hatte am Mittwoch
zwei Injektionen mit dem normalerweise tödlichen Mittel Pentobarbital
überlebt.
Nach Angaben ihrer Anwälte war die 50-Jährige [2][bewusstlos und wurde in
einem Krankenhaus in einem lebensbedrohlichen Zustand künstlich beatmet].
Pike war 1995 wegen des Mordes an ihrer 19-jährigen Klassenkameradin
Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Der Fall erregte damals
landesweites Aufsehen, weil Slemmers Leiche mit einem Pentagramm auf der
Brust aufgefunden wurde, das als satanisches Zeichen gilt.
Gouverneur Lee dankte Behördenchef Strada für „seine Bereitschaft, in einem
schwierigen Augenblick die Interessen der Bewohner von Tennessee nach vorn
zu stellen“. Zugleich erklärte Lee: „Ich glaube weiterhin, dass die
Strafvollzugsbehörde ihre Verpflichtungen entsprechend den vorgesehenen
Abläufen erfüllt hat.“ Lee hatte am Donnerstag weitere Hinrichtungen in
Tennessee bis zum Jahresende ausgesetzt und eine unabhängige Untersuchung
angeordnet.
Auch Strada erklärte, er sei weiterhin überzeugt, dass seine Behörde ihre
Pflichten nach dem geltenden Hinrichtungsprotokoll erfüllt habe. Sein
Rücktritt liege während der Untersuchung jedoch im besten Interesse der
Bevölkerung Tennessees.
## Anwälte äußerten vorab Einwände
Pike sollte am Mittwochabend (Ortszeit) als erste Frau in dem Bundesstaat
seit mehr als 200 Jahren hingerichtet werden – doch dabei lief nichts wie
geplant. Wie mehrere Augenzeugen berichteten, atmete Pike nach dem
Verabreichen einer ersten Giftspritze weiter.
Danach wurde ihr eine zweite Spritze mit dem starken Schlafmittel
Pentobarbital verabreicht, welches das Atemzentrum lähmen soll und das in
Deutschland fast nur noch zum Einschläfern von Tieren verwendet wird. Im
Gefängnis anwesende Journalistinnen berichteten, es seien eine Stunde lang
starke Atem- und Schnarchgeräusche der Todeskandidatin zu hören gewesen.
Pikes Anwälte hatten schon im Vorfeld Einwände gegen das
Hinrichtungsprotokoll erhoben und angeführt, dass es aufgrund von Pikes
kleinen Venen und einer Bluterkrankung zu unnötigem Leiden führen würde.
Anwalt Randy Spivey sagte, er habe allein in Pikes linkem Arm sieben Nadeln
gesehen, während die Gefängnismitarbeiter versuchten, einen intravenösen
Zugang zu legen. Eine davon war seinen Angaben zufolge offenbar verbogen,
als sie nach einem gescheiterten Versuch wieder herausgezogen wurde.
Ein weiterer Anwalt, Stephen Ferrell, sagte, medizinische Fachleute hätten
davor gewarnt, dass Nadeln verrutschen oder die Venen durchstechen könnten
und so die tödlichen Gifte nicht in den Blutkreislauf, sondern in das
Armgewebe dringen könnten.
In einem Gerichtsantrag der Anwälte heißt es, im Krankenhaus werde
versucht, das Pentobarbital wieder aus Pikes Körper zu entfernen. Demnach
ist das Mittel eine ätzende Substanz, die Verletzungen an Haut, Gewebe und
Venen verursacht. Pikes Arme seien bei der Ankunft im Krankenhaus
„geschwollen, verbrannt und voller Blasen“ gewesen.
## Forderungen, ihre Strafe umzuwandeln
Bei dem Hinrichtungsversuch anwesende Medienvertreter hatten berichtet,
dass Pike nach der Injektion gesagt haben soll, ihr Arm fühle sich an, als
würde er „aufplatzen“. Laut der Organisation Death Penalty Information
Center (DPIC) ist Pike die erste Gefangene, die eine Verabreichung
„tödlicher Dosen Hinrichtungsmedikamente“ überlebt hat.
Pikes Anwälte forderten den Gouverneur nach dem gescheiterten Versuch
erneut auf, ihre Strafe umzuwandeln. Sie hatten zuvor angeführt, dass Pike
die Tat im Alter von nur 18 Jahren begangen und als Opfer langjährigen
sexuellen Missbrauchs unter psychischen Problemen gelitten habe. Lee hatte
eine Begnadigung abgelehnt und erklärt, er wolle rechtmäßig verhängte
Urteile vollstrecken lassen.
Es war bereits die zweite gescheiterte Hinrichtung in Tennessee in diesem
Jahr. Im Mai wurde eine Exekution abgebrochen, nachdem medizinisches
Personal keine Vene des Verurteilten punktieren konnte.
Seit der [3][Wiederzulassung der Todesstrafe] in den USA im Jahr 1976
wurden nach Angaben des Death Penalty Information Center 18 Frauen
hingerichtet. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des DPIC in
den Vereinigten Staaten 47 Menschen exekutiert, der höchste Stand seit
2009. In diesem Jahr waren es bereits 28. Nur noch 27 US-Bundesstaaten
haben die Todesstrafe, 23 haben sie abgeschafft.
4 Oct 2026
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