# taz.de -- Todesstrafe in den USA: „Es sollte nicht schwer sein“, sagt Trump
       
       > Der Fall Pike hat in den USA die Debatte um die Todesstrafe neu entfacht.
       > Weder Demokraten noch Republikaner wollen sie komplett abschaffen.
       
 (IMG) Bild: Pressekonferenz in Nashville mit einer Zeugin nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike
       
       Die fehlgeschlagene Hinrichtung einer verurteilten Mörderin im
       US-Bundesstaat Tennessee hat in den USA eine erneute Debatte über die
       Todesstrafe ausgelöst. Christa Pike, die für den Mord an einer
       Schulkameradin vor 31 Jahren zum Tode verurteilt wurde, sollte am Mittwoch
       hingerichtet werden. Geplant waren zwei Injektionen mittels Giftspritze.
       [1][Doch sie überlebte]. Augenzeugenberichte beschreiben dramatischen
       Szenen, die sich im Raum abgespielt haben.
       
       „Nichts am heutigen Tag war auch nur annähernd normal“, sagte die
       Lokaljournalistin Tori Gessner, die der Hinrichtung beiwohnte und während
       einer Pressekonferenz erklärte, dass sie bereits fünf Hinrichtungen
       miterlebt habe. Pikes Anwalt Randall Spivey bestätigte am Donnerstag, dass
       sich seine Mandantin aktuell in einem Krankenhaus befinde. Ihr Zustand sei
       jedoch weiterhin kritisch. „Die Bilder der vergangenen Nacht lassen mir
       keine Ruhe“, sagte Spivey.
       
       Auch US-Präsident Donald Trump hat sich zum Vorfall in Tennessee geäußert
       und erklärt, dass sich seine Regierung in die neu entfachte Debatte über
       die Todesstrafe nicht einmischen werde. „Es sollte nicht schwer sein“,
       sagte er nur, bevor er zu einer Wahlkampfveranstaltung nach Texas aufbrach.
       Tennessee ist einer von insgesamt 27 US-Bundesstaaten, in denen es die
       Todesstrafe gibt. In vier dieser Staaten – Kalifornien, Ohio, Oregon und
       Pennsylvania – sind Hinrichtungen bis auf Weiteres jedoch ausgesetzt.
       
       ## Unabhängige Untersuchung soll Fall klären
       
       Für Gegner der Todesstrafe ist die misslungene Hinrichtung in Tennessee ein
       weiterer Grund für eine landesweite Abschaffung. Amnesty International
       beschreibt die USA als einen Sonderfall im globalen Vergleich. „Während die
       Todesstrafe weltweit weiter auf dem Rückzug ist, geraten die Vereinigten
       Staaten zunehmend in die Isolation. Es ist längst an der Zeit, dass
       Tennessee und die USA davon absehen, Menschen unter dem Deckmantel der
       Gerechtigkeit hinzurichten, und diese grausame Strafe in die
       Geschichtsbücher verbannen“, erklärte Justin Mazzola von Amnesty
       International USA.
       
       Tennessees republikanischer Gouverneur Bill Lee hatte nach der
       fehlgeschlagenen Hinrichtung von Christa Pike eine Verfügung erlassen, die
       alle Hinrichtungen im Bundesstaat bis Jahresende aussetzt. Warum die
       Giftinjektionen nicht zum Tod der 50-jährigen Pike führten, soll eine
       unabhängige Untersuchung klären.
       
       [2][Es war bereits die zweite missglückte Hinrichtung] in diesem Jahr in
       Tennessee. Tony Carruthers, der wegen dreier Tötungsdelikte im Jahr 1994
       zum Tode verurteilt worden war, sollte im Mai hingerichtet werden, doch die
       Vollstrecker konnten keine Vene für einen intravenösen Notfallzugang
       finden. Ein Gericht gewährte ihm daraufhin einen einjährigen Aufschub.
       Demokraten in Tennessee haben sich in den vergangenen Tagen für
       Veränderungen ausgesprochen, doch nicht alle gehen so weit, für eine
       komplette Abschaffung der Todesstrafe zu plädieren.
       
       „Ich habe mich schon immer gegen die Todesstrafe ausgesprochen. Sie ist
       unumkehrbar, wird ungleich angewandt und hat die Menschen in Tennessee nie
       sicherer gemacht. Doch man muss meine Ansicht nicht teilen, um entsetzt zu
       sein. Wenn der Staat für sich das Recht beansprucht, zu töten, hat er die
       grundlegende Pflicht, kompetent, transparent und menschenwürdig zu
       handeln“, erklärte die demokratische Landessenatorin Heidi Campbell in
       einem Post auf Facebook.
       
       Republikaner wollen hingegen vor allem das Protokoll zur Vollstreckung
       einer Todesstrafe überarbeiten und andere Hinrichtungsmethoden in Betracht
       ziehen. Die republikanische US-Senatorin Marsha Blackburn, die für das Amt
       des Gouverneurs von Tennessee kandidiert, forderte dabei die Rückkehr zum
       elektrischen Stuhl, der zuvor die primäre Hinrichtungsmethode in Tennessee
       gewesen war.
       
       2 Oct 2026
       
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