# taz.de -- Hinrichtung von Frau in Tennessee: Christa Pike in kritischem Zustand
       
       > Zweimal wird Christa Pike ein tödliches Mittel verabreicht – doch sie
       > stirbt nicht. Was über ihren Gesundheitszustand bekannt ist.
       
 (IMG) Bild: Ein Foto der zum Tode verurteilten Mörderin Christa Pike aus dem Jahr 2007
       
       dpa | Nach der gescheiterten Hinrichtung in Tennessee befindet sich die
       [1][zum Tode verurteilte Christa Pike] ihren Anwälten zufolge in kritischem
       Zustand. Ihnen sei gesagt worden, dass Pike lebensrettende medizinische
       Behandlung erhalte, teilten ihre Anwälte in einer Pressekonferenz mit.
       Gouverneur Bill Lee setzte nach dem Vorfall alle weiteren Hinrichtungen für
       den Rest des Jahres aus und ordnete eine umfassende Untersuchung durch eine
       externe Stelle an. Wie Pikes Prognose ist und welche gesundheitlichen
       Folgen sie davontragen könnte, ist bislang unklar.
       
       Die 50-Jährige sollte am Mittwochabend mit einer Giftspritze hingerichtet
       werden. Doch nachdem ihr nach Angaben der Behörden die im Protokoll
       vorgesehenen zwei Dosen des Mittels Pentobarbital verabreicht worden waren,
       lebte sie weiter. Zeugen berichteten, sie hätten Pike noch lange atmen und
       nach Luft ringen gehört. Einer ihrer Anwälte sagte später, er habe sie nach
       der ersten Dosis sogar noch sprechen und singen gehört. [2][Schließlich
       wurde Pike in eine medizinische Einrichtung außerhalb des Gefängnisses
       gebracht.]
       
       ## „Quälend“: Anwalt zählt sieben Einstiche allein am linken Arm
       
       Pikes Anwalt Randy Spivey sagte am Donnerstag, das Personal habe etwa eine
       Stunde erfolglos versucht, einen intravenösen Zugang zu legen. „Ich zählte
       allein in ihrem linken Arm mindestens sieben Nadeln, von denen eine
       verbogen zu sein schien, als sie nach einem erfolglosen Versuch aus ihrem
       Arm gezogen wurde“, sagte Spivey. Während der Hinrichtung habe sich zudem
       ihr rechter Arm violett verfärbt; inzwischen gebe es nach Angaben der
       Verteidigung Blasen und Verbrennungen rund um die Einstichstellen.
       
       Von der New York Times befragte Mediziner halten es für möglich, dass
       [3][das Pentobarbital] zumindest teilweise nicht in Pikes Blutbahn, sondern
       in das umliegende Gewebe gelangte. Das könne erklären, warum die
       verabreichte Menge nicht ausreichte, um Atmung und Kreislauf vollständig
       zum Stillstand zu bringen.
       
       Die Strafvollzugsbehörde von Tennessee betonte anschließend, jeder Schritt
       der geltenden Richtlinie sei eingehalten worden. Dieses sehe nach der
       zweiten Dosis keine weiteren Maßnahmen mehr vor. Nach Angaben des
       unabhängigen Death Penalty Information Center ist aus der modernen Ära der
       Todesstrafe in den USA kein anderer Fall bekannt, in dem ein Gefangener die
       Medikamente zur Hinrichtung erhielt und anschließend weiterlebte. Bei
       früheren gescheiterten Hinrichtungen war die Vollstreckung demnach meist
       schon zuvor abgebrochen worden, etwa weil kein geeigneter Venenzugang
       gelegt werden konnte.
       
       ## Gericht stoppte ersten Hinrichtungstermin kurz vor knapp
       
       Ein Berufungsgericht hatte die geplante Hinrichtung am Mittwoch zunächst
       gestoppt. Pikes Anwälte wollten erreichen, dass sich die Gerichte noch
       einmal mit der Frage beschäftigen, ob schwerer sexueller Missbrauch und
       andere traumatische Erfahrungen aus ihrer Kindheit sowie psychischer
       Erkrankungen bei früheren Entscheidungen über ihr Todesurteil angemessen
       berücksichtigt worden waren.
       
       Tennessee zog daraufhin vor den Supreme Court. Das höchste US-Gericht hob
       den Aufschub am Abend wieder auf und machte damit den Weg für die
       Hinrichtung frei. Bereits einen Tag zuvor hatte der Supreme Court einen
       anderen Antrag Pikes abgelehnt, die Hinrichtung zu stoppen.
       
       ## Anwälte warnten vor schwer zugänglichen Venen
       
       Unabhängig von diesem juristischen Tauziehen hatten Pikes Verteidiger schon
       seit Monaten auch vor möglichen Problemen bei der Hinrichtung selbst
       gewarnt. Nach ihren Angaben hat Pike kleine und schwer zugängliche Venen.
       Sie hatten zudem Bedenken gegen die Richtlinie zur Hinrichtung und die
       medizinische Versorgung für den Fall von Komplikationen erhoben und waren
       gerichtlich gegen Tennessees Verfahren mit der Giftspritze vorgegangen. Ein
       Gericht hatte die Einwände letztlich zurückgewiesen.
       
       Nach dem gescheiterten Versuch erklärten Pikes Anwälte, einige der zuvor
       beschriebenen Befürchtungen hätten sich nun bewahrheitet. Sie warfen dem
       Staat mangelnde Transparenz vor. Anwalt Spivey sagte, die Vorhänge zum
       Zeugenraum seien über längere Zeit geschlossen gewesen; zudem habe es
       Minuten gedauert, telefonisch Kontakt zu weiteren Anwälten aufzunehmen.
       
       ## Zweiter gescheiterter Versuch binnen Monaten
       
       Für Tennessee ist es bereits der zweite gescheiterte Hinrichtungsversuch
       innerhalb weniger Monate. Im Mai hatte der Staat die Hinrichtung des
       Gefangenen Tony Carruthers abbrechen müssen, nachdem es nicht gelungen war,
       die erforderlichen intravenösen Zugänge zu legen. Anders als bei Pike wurde
       ihm das tödliche Medikament damals jedoch nicht verabreicht.
       
       Pike war 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode
       verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war
       1995 in Knoxville über längere Zeit misshandelt und schließlich getötet
       worden. In den vergangenen Jahren hatten Pikes Anwälte zunehmend ihre
       schwere Kindheit, psychische Erkrankungen und ihre Entwicklung während der
       mehr als drei Jahrzehnte in Haft in den Mittelpunkt gestellt. Gouverneur
       Lee lehnte ein Gnadengesuch kurz vor dem geplanten Hinrichtungstermin
       dennoch ab. Es ist offen, ob und unter welchen Bedingungen der Staat noch
       einmal versuchen könnte, das Todesurteil zu vollstrecken.
       
       2 Oct 2026
       
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