# taz.de -- EEG und Katherina Reiche: Ein Zeitdruck ohne Not
> Es ist unklar, warum die Wirtschaftsministerin beim EEG-Folgegesetz
> Zeitknappheit erzeugt. Der Schaden ist jetzt schon groß.
(IMG) Bild: Investoren und Firmen aus der Energiebranche hängen in der Luft, weil unklar ist, wie es ab dem neuen Jahr weitergehen wird
Nun passiert genau das, wovor die Energiebranche und die Verbände der
Erneuerbaren schon seit Langem warnen: Es ist ein extremer Zeitdruck
entstanden, um die Finanzierungsgrundlage für neue Wind- und Solaranlagen
zu erhalten. Ursprünglich sollte der Bundestag [1][das
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) an diesem Freitag verabschieden].
Aber Union und SPD stecken in den Verhandlungen über das komplexe Regelwerk
und das Schwestergesetz für den weiteren Netzausbau fest. Die Zeit drängt,
denn das Gesetz muss von der EU-Kommission bis zum Jahresende genehmigt
werden. Geschieht das nicht, droht ein großflächiger Finanzierungsstopp für
neue [2][Erneuerbaren-Projekte].
Die Verhandler:innen trifft keine Schuld an der Verzögerung. Es ist
richtig, dass sie sich ausreichend Zeit nehmen für die komplizierte Materie
mit ihren unzähligen Wechselwirkungen. Schließlich geht es um nicht weniger
als die Zukunft der deutschen Energiewende. Und damit um die Frage, ob
Verbraucher:innen und Wirtschaft in Zukunft bezahlbaren Strom bekommen
– und ob die Klimaziele erreichbar sind.
Verantwortlich für den Zeitdruck ist Wirtschaftsministerin Katherina
Reiche. Sie weiß seit ihrem Amtsantritt, dass das bisherige EEG ausläuft
und ein neues Gesetz nötig ist, legte aber erst in diesem Sommer einen
Entwurf vor. Ohne Not hat sie ihn mit einem weiteren hochumstrittenen
Vorhaben verknüpft, dem Netzanschlusspaket. So will sie Verhandlungsmasse
schaffen, um ihre energiewendefeindlichen Vorhaben durchzusetzen, etwa das
Ende der Förderung von Dach-Solaranlagen oder schlechtere
Finanzierungsbedingungen für Windräder.
Der entstandene Zeitdruck kommt Reiche entgegen. Vielleicht steckt dahinter
Kalkül, weil die Ministerin glaubt, so leichteres Spiel mit ihren
Widersacher:innen zu haben. Denn die Anhänger:innen der
Energiewende sind erpressbar: Sperren sie sich gegen Reiches
Verschlechterungen, kann die Ministerin ihnen die Schuld zuschieben, wenn
das EEG nicht früh genug den Bundestag passiert, damit das
EU-Genehmigungsverfahren anläuft. Deshalb wäre es richtig – wie jetzt
gefordert wird –, die EU-relevanten Teile abzukoppeln und über den Rest in
Ruhe zu beraten.
## Es ist Handwerk
Vielleicht hat die Ministerin die Sache aber auch nicht mit Absicht
verschleppt, sondern hat es nicht eher geschafft. Nur: Es gehört zum
politischen Handwerk von Minister:innen, kompromissfähige Gesetzentwürfe
rechtzeitig vorzulegen. Dieses Handwerk beherrscht Reiche nicht. Etliche
Unternehmen aus der Energiebranche sind wegen der Verzögerungen in der
Bredouille. Schon jetzt ist der Schaden groß, weil Investor:innen und
Firmen nicht wissen, wie es ab dem 1. Januar weitergeht, und Projekte nicht
anpacken. Dabei geht es um die mittelständische Wirtschaft, die
Kernklientel der Union.
Besser kann Reiche der Welt kaum zeigen, [3][dass sie die Falsche für den
wichtigen Job der Wirtschaftsministerin] ist.
16 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/energie-netzpaket-und-eeg-reformplaene-von-reiche-stossen-auf-kritik/100259880.html
(DIR) [2] /Erneuerbare-Energien/!6216523
(DIR) [3] /Industrie-in-der-Krise/!6181664
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
## TAGS
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(DIR) Katherina Reiche
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