# taz.de -- Friedrich Merz’ Investitionsgipfel: Stromberg lässt grüßen
> Mit dem „Invest in Germany Summit“ will die Bundesregierung das
> Großkapital anlocken. Hinter verschlossenen Türen und ohne
> Gewerkschaften, versteht sich.
(IMG) Bild: Findet es wohl schön, alte Blackrock-Kollegen wiederzusehen: Friedrich Merz
Die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung ist eine einzige, riesige
Shitshow. Wer noch ernsthaft Zweifel daran hat, wird dieser Tage eines
Besseren belehrt. Wieder einmal! Versprochen! Denn der „Federal Chancellor“
Friedrich Merz und sein Team laden am Montag und Dienstag zum „Invest in
Germany Summit“ nach Berlin. Wäre die Angelegenheit nicht so ernst, würde
die Bundesregierung mit ihrem Investitionsgipfel Guinnessbuch-verdächtige
Mengen an Fremdscham produzieren.
Allein schon der dazugehörige Internetauftritt ist der Regierung der
größten Volkswirtschaft Europas eigentlich unwürdig. „Meine
Kabinettsmitglieder und ich heißen Sie in Deutschland willkommen, um
Geschäftsmöglichkeiten für Ihr Unternehmen zu erörtern und darzulegen, wie
wir unser Land reformieren, um Ihre Investitionen zu erleichtern“, blickt
einem da Merz persönlich mit ernstem Blick und verschränkten Armen tief in
die Augen. [1][Wirtschaftsministerin Katherina Reiche] (CDU) und
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) geben gequält lächelnd ähnlich
anbiedernde Sätze von sich.
Natürlich ist die gesamte Präsentation auf Englisch. Schließlich will die
Bundesregierung mit ihrer Einladung zum Investitionsgipfel zeigen, dass sie
das internationale Großkapital und Big Business verstanden haben. Dabei
strahlen sie den Charme von Versicherungsvertretern aus der Provinz aus.
Stromberg lässt grüßen. Nur, dass das eine eine Sitcom ist, und das andere
die Bundesregierung, offenbar bereit, die Bundesrepublik samt ihrer über 83
Millionen Einwohnenden für ein paar Investitionen zu verscherbeln.
Denn der Investitionsgipfel, zu dem Merz & Co. einladen, ist eine ziemlich
zwielichtige Angelegenheit. Das fängt schon damit an, dass die
Bundesregierung potenziellen Geldgebern verspricht, dass das Event
weitestgehend hinter verschlossenen Türen und unter Ausschluss der Presse
stattfindet, „um einen offenen Austausch zu erleichtern“.
## Warnung von Rot-Grün-Rot
Auch durften sich die rund 200 geladenen CEOs aus dem In- und Ausland bis
Anfang des Monats für ein ganz persönliches 15-minütiges Gespräch mit einem
Kabinettsmitglied bewerben. Verbunden ist das eben mit dem Versprechen des
Kanzlers, trotz AfD-Wahlerfolgen und massiven Widerstands seitens der
Gewerkschaften den angekündigten [2][sozialen Kahlschlag] durchzuführen.
Zentrale Figur beim Gipfel ist zudem Martin Blessing. Der ehemalige
Commerzbankchef wurde vor einem Jahr von Merz zu seinem „Persönlichen
Beauftragten für Investitionen“ ernannt und machte im Juni mit einem
Interview im Handelsblatt von sich reden, in dem er von den politischen
Vorlieben internationaler Investoren erzählte.
„Deutlich sensibler als auf die hohen Umfragewerte der AfD reagieren sie
auf Debatten über Eingriffe in Eigentumsrechte, etwa Enteignungsforderungen
im Wohnungsmarkt“, sagte Blessing. „Deshalb schauen viele Investoren mehr
auf die Wahl in Berlin als auf die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern oder
Sachsen-Anhalt.“ Er warnte also lieber vor Rot-Rot-Grün in Berlin als vor
Sachsen-Anhalt, wo mit der AfD eine gesichert rechtsextreme Partei regieren
könnte.
Auch die Gästeliste lässt aufhorchen. Eingeladen sind nur CEOs.
Gewerkschaften, Sozial- oder Umweltverbände sind also unerwünscht.
Besonders hofiert wird der Chiphersteller Nvidia. Doch neben
Industrieunternehmen wie Siemens wird eben auch internationalen Investoren
wie Goldman Sachs der rote Teppich ausgerollt. Und ganz vorn mit dabei ist
Blackrock-Chef Larry Fink. Für den weltgrößten Vermögensverwalter war der
Kanzler einst tätig.
Jeder DAX-Konzern hat da eine strengere Compliance-Abteilung als die
Bundesregierung. Es stellt sich die Frage, in welcher Funktion
[3][Friedrich Merz] am Ende am „Invest in Germany Summit“ teilnimmt. Auf
jeden Fall ist die ganze Veranstaltung ziemlich ehrenlos, wie es die Jugend
von heute ausdrücken würde.
19 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simon Poelchau
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