# taz.de -- Flydubai-Flugzeug: Israel geht von Terroranschlag aus
> Der Flug von Dubai nach Tel Aviv hätte offenbar in einer Katastrophe
> enden können. Immer mehr wird darüber bekannt, was sich im Cockpit
> abspielte.
(IMG) Bild: Ein Ersatzflugzeug von Flydubai landet am 30. September auf dem Flughafen Ben Gurion
dpa | Nach der Gewalttat in einem Flugzeug nach Tel Aviv haben Israels
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und der indische Premier Narendra Modi
die Furchtlosigkeit des mutmaßlich von seinem Kollegen angegriffenen
Piloten gewürdigt. „Er ist ein wahrer Held“, teilte Netanjahu am Abend auf
der Plattform X mit. Trotz schwerer Stichverletzungen habe der indische
Flugkapitän Widerstand geleistet, die Cockpittür geöffnet und es
Passagieren ermöglicht, den Angreifer zu überwältigen. Modi schrieb auf X,
Indien sei stolz auf den Piloten.
„Angesichts größter Gefahr und trotz schwerer Verletzungen bewies er
immensen Mut und unerschütterliche Entschlossenheit, das Leben anderer zu
schützen“, betonte Modi. Mit seinem heldenhaften Einsatz habe er dazu
beigetragen, eine große Tragödie abzuwenden.
[1][Auch Netanjahu betonte, der Pilot habe eine Katastrophe verhindert].
„Er hat die Leben von 174 Menschen gerettet, darunter israelische Bürger
und andere Staatsangehörige.“ Er wünschte dem Mann eine schnelle Genesung.
Die indische Botschaft in Saudi-Arabien, wo das Flugzeug notgelandet war,
gab am Abend bekannt, der Zustand des Piloten sei stabil.
Der Flug der emiratischen Gesellschaft Flydubai war am Mittwoch auf dem Weg
von Dubai nach Tel Aviv, als es zu der Auseinandersetzung im Cockpit kam.
Israels Regierung geht von einem versuchten dschihadistischen
Terroranschlag aus – wichtige Fragen sind aber noch offen.
Nach früheren Aussagen Netanjahus hatte einer der beiden Piloten auf seinen
Kollegen eingestochen, als die Maschine sich am Morgen Israel näherte. Er
habe offenbar vorgehabt, das Flugzeug mit den Passagieren zum Absturz zu
bringen. Nach übereinstimmenden Berichten war die Maschine in einen
Sturzflug geraten. Nachdem der mutmaßliche Angreifer überwältigt war,
konnte das Flugzeug in Saudi-Arabien notlanden – eine zweite Besatzung, die
in der Kabine mitreiste, übernahm das Steuer.
## Passagierin berichtet von „zwei Wundern“
Die Passagiere wurden am Abend mit einem Ersatzflug vom saudi-arabischen
Tabuk nach Tel Aviv gebracht und dort mit Jubel begrüßt. Ein solcher
Direktflug ist eine Seltenheit zwischen den beiden Ländern, die keine
diplomatischen Beziehungen unterhalten.
Eine Frau, die mit ihren vier Töchtern im Flugzeug saß, sagte der Zeitung
Times of Israel, es habe „zwei Wunder“ gegeben: dass Israelis an Bord
waren, die heldenhaft ins Cockpit gegangen seien – und dass weitere Piloten
an Bord waren, die das Flugzeug landen konnten.
## Netanjahu: Weiterer Anschlag wie am 11. September verhindert
Netanjahu traf am Flughafen von Tel Aviv einen Passagier, der ins Cockpit
eingedrungen war. Der US-Sender CNN veröffentlichte ein Video des Treffens,
in dem Yaniv Hayun in blutverschmierter Kleidung schildert, wie er und
andere den Angreifer gestoppt hätten. Als er ins Cockpit kam, sei der
Angreifer an Bordinstrumenten zugange gewesen – Hayun vermutete, dass der
Mann das Flugzeug unbrauchbar machen wollte.
Im Gespräch mit dem US-Sender Fox News sagte Netanjahu später über seinen
Landsmann: „Das war ungeheurer Mut, der einen weiteren Anschlag wie am 11.
September verhinderte.“ Bei den Terroranschlägen in den USA kamen 2001 fast
3.000 Menschen ums Leben, als Terroristen des islamistischen Netzwerks
al-Qaida vier Passagierflugzeuge entführten und zwei davon in die Türme des
World Trade Centers steuerten. Ein weiteres Flugzeug traf das Pentagon.
Eine vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab.
## Angreifer im Würgegriff
Hayun sagte, habe den Angreifer in den Würgegriff genommen und aus dem
Cockpit gezerrt. Danach – das Flugzeug war zu dieser Zeit im Sturzflug –
habe er im Cockpit die Steuerung ergriffen und begonnen, die Hebel
zurückzuziehen, dann habe ein Pilot übernommen. Auf die Frage, woher er
gewusst habe, was er tun sollte, verwies Hayun auf eine TV-Dokuserie über
Flugunfälle.
Nach Angaben Netanjahus wurde der Angreifer festgenommen und von den
saudi-arabischen Sicherheitsbehörden befragt. Die zuständigen Behörden in
dem Golfstaat äußerten sich zunächst nicht zu dem Geschehen.
## Einzeltäter vermutet
Gesicherte Angaben zum Motiv des mutmaßlichen Angreifers gibt es bislang
nicht – auch was genau seine Absicht war, ist noch nicht geklärt. Das
israelische Nachrichtenportal „ynet“ meldete, der tatverdächtige Copilot
stamme aus dem Oman. Nach erster israelischer Einschätzung soll es sich um
einen Einzeltäter handeln, wie der TV-Sender Kan berichtete. Es gebe keinen
Hinweis darauf, dass ein Staat oder eine Terrororganisation Drahtzieher des
Vorfalls sein könnte, hieß es unter Berufung auf Sicherheitskreise.
Auf die Frage des Fox-News-Moderators Sean Hannity, ob es Hinweise auf eine
Verwicklung des Irans in den Vorfall gebe, sagte Netanjahu dennoch: „Nun,
wir wissen es noch nicht. … Aber es ist kein Geheimnis, dass der Iran
Israelis im Ausland und hier zum Ziel nehmen will.“
Flydubai teilte mit, dass die Flüge von und nach Israel ausgesetzt werden,
solange die Untersuchungen andauerten.
## Wadephul erleichtert: Schlimmeres verhindert
UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte jeglichen Akt, der das
Leben von Zivilisten und die Sicherheit der zivilen Luftfahrt gefährde,
teilte er über seinen Sprecher mit. Er sei erleichtert, dass eine Tragödie
verhindert worden sei.
Deutschlands Außenminister Johann Wadephul zeigte sich nach einem Telefonat
mit seinem israelischen Kollegen Gideon Saar ebenfalls erleichtert, „dass
die versuchte Entführung und womöglich noch weit Schlimmeres verhindert
werden konnte“. Nun müssten die Hintergründe schnell und vollständig
aufgeklärt werden.
Es sei der Tapferkeit des Piloten und weiterer Passagiere zu verdanken,
dass ein Absturz in letzter Sekunde hätte verhindert werden können, fügte
der CDU-Politiker hinzu. Ein Absturz wäre eine „totale Katastrophe“
gewesen, die sehr viele Menschenleben gekostet, aber auch in der
angespannten Situation in der Region und im israelischen Wahlkampf für
erhebliche Unruhe gesorgt hätte. In Israel wird Ende Oktober das Parlament
neu gewählt.
1 Oct 2026
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