# taz.de -- Westjordanland: Über 100 Siedler greifen palästinensisches Dorf an
> Erneut ist die Gewalt in Jaloud im nördlichen Westjordanland eskaliert.
> Als das israelische Militär eingreift, wird es selbst von den Extremisten
> attackiert.
(IMG) Bild: Das Haus der Familie Tubasi in Jaloud, Westjordanland, am 29. September
Im Westjordanland ist es erneut zu massiver Gewalt radikaler israelischer
Siedler gekommen. Mehr als 100 Extremisten waren nach Medienberichten an
Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Jaloud südlich von Nablus
beteiligt. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, Soldaten und
Polizisten seien an einem Einsatz gegen die Randalierer beteiligt gewesen.
Die Siedler versuchten demnach, die Rückkehr einer palästinensischen
Familie in ihr Haus zu verhindern. Die betroffene Familie Tubasi hatte ihr
Zuhause im Juli nach wiederholter auch gewalttätiger Belästigung durch
Siedler verlassen müssen. Ihre Rückkehr war mit dem Militär nach dessen
Angaben vorab koordiniert gewesen.
[1][Die radikalen Siedler] blockierten laut Militärangaben Straßen, setzten
Gebäude und Fahrzeuge in Brand und warfen Steine auf die Sicherheitskräfte.
Dabei seien drei Polizisten verletzt worden. Zwei der Randalierer seien
festgenommen worden.
Nach palästinensischen Medienberichten setzten die Angreifer auch das Haus
der palästinensischen Familie in Brand. Ein Gericht hatte demnach zuvor der
Klage der Familie stattgegeben und Siedler angewiesen, das von ihnen
besetzte Haus zu verlassen. Die jüdischen Extremisten hatten die Familie
zuvor den Berichten zufolge über längere Zeit hinweg bedrängt. Die Zeitung
Times of Israel berichtete, der neue Angriff habe die Rückkehr der Familie
verhindert.
## „Eine Handvoll Randalierer“
Der israelische Staatspräsident Izchak Herzog verurteilte die
Siedlerangriffe und sprach von schwerwiegenden Gewalttaten. Diese seien ein
„moralischer Makel und ein Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit“. Sie
müssten mit der vollen Härte des Gesetzes geahndet werden, forderte er.
Auch der israelische Außenminister Gideon Saar verurteilte den Vorfall als
„schwerwiegend und verabscheuungswürdig“. Es seien Untersuchungen
eingeleitet worden und er bestärke die Ermittler darin, die Randalierer vor
Gericht zu bringen. Die Verurteilungsquote für gewalttätige Siedler
[2][liegt aber laut der Menschenrechtsorganisation Yesh Din bei unter fünf
Prozent]; in fast allen Fällen wird außerdem nicht einmal Anklage erhoben.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er forderte eine Bestrafung der
Randalierer mit der „vollen Härte des Gesetzes“. Gleichzeitig sprach er von
einer kleinen Gruppe von Unruhestiftern, die nicht „die gesetzestreuen
Siedler“ im Westjordanland repräsentierten und diesen großen Schaden
zufügten. Alle Siedlungen sind völkerrechtswidrig.
Auch Außenminister Israel Katz beschwichtigt. Es handle sich um „eine
handvoll Randalierer“. Sie fügten „den Sicherheitsbemühungen, dem
Siedlungswesen sowie dem Staat Israel schweren Schaden“ zu. Die betroffenen
Palästinenser bleiben unerwähnt.
## 2,4 Angriffe pro Tag zählt das Militär
[3][Dabei ist Siedlerterror heute Normalzustand im Westjordanland.] Das
israelische Militär selbst zählt [4][2,4 Angriffe pro Tag], die Vereinten
Nationen mehr als doppelt so viele. Der israelische Staat bedenkt zudem die
Siedlungen und die selbst nach israelischem Recht illegalen
Siedlungsaußenposten mit reichlich Geld: 5,3 Milliarden Euro seit 2022. Im
Vergleich zu anderen Orten innerhalb Israels wird dort pro Kopf viel
reichlicher finanziert, prangern Nichtregierungsorganisationen an.
Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker vom
7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg im Allgemeinen
verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums
wurden dort seitdem mehr als 1.100 Palästinenser bei israelischen
Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen
getötet. Die Gewalt radikaler Palästinenser ist derweil deutlich
zurückgegangen: Laut Militär gab es 2025 57 Terrorangriffe, 2024 waren es
258 und im Jahr 2023 sogar noch 847. (dpa/taz)
29 Sep 2026
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