# taz.de -- Weltweite Aufrüstung: Deutsche Rüstungsindustrie drängt nach Japan
> Die Regierung in Tokio hat ihre Beschränkung von Waffenexporten
> gelockert. Rüstungskonzerne loten jetzt neue Kooperationen aus.
(IMG) Bild: Callum Cameron, Bereichsleiter für Landstreitkräfte beim deutschen Start-up Helsing, posiert neben der HX-2-Drohne
38 deutsche und japanische Unternehmen, darunter Diehl, Rheinmetall und DMG
Mori, haben auf einer Fachmesse in Tokio ihre Rüstungsgüter und
Waffentechnologien ausgestellt. Über 500 Besucher kamen. Dennoch sollte
alles geheim bleiben: Die deutsche Außenhandelskammer in Tokio als
Veranstalter sperrte Journalisten vom Besuch der Messestände aus.
Das jährliche Deutsch-Japanische Forum für Verteidigungs- und
Sicherheitstechnologie erzeugte diesmal besonderes Interesse: Die
japanische Regierung hatte im April die Selbstbeschränkung für den Export
von tödlichen Waffen wie Raketen und Kriegsschiffen weitgehend aufgehoben.
Zugleich weitet [1][Japan] angesichts der Aufrüstung in China und Nordkorea
seinen eigenen Verteidigungsetat um 60 Prozent auf 2 Prozent der
Wirtschaftsleistung aus.
Die Regierung in Tokio drängt ihre Industrie seitdem, stärker mit
befreundeten Ländern wie Deutschland zu kooperieren. Damit will sie die
eigene neue Nachfrage nach Waffen und Technologien stillen, die
einheimische Rüstungsindustrie stärken und die Abhängigkeit von den USA
verringern. „Die japanische Industrie hat bisher ausschließlich ihre
eigenen Streitkräfte beliefert und verfügt daher über keine Reserven, um
die Produktion hochzufahren“, erklärte Japan-Expertin Alexandra Sakaki von
der Stiftung Wissenschaft und Politik in Tokio.
Aus Kreisen der Gespräche war zu hören, Deutschland und Japan zielten
darauf ab, einander erprobte Systeme und wichtige Komponenten zu liefern,
industrielle Skalierung zu ermöglichen und neue Ökosysteme aufzubauen.
Japan kann fertige Waffensysteme neuerdings direkt über die deutsche
Regierung ohne Mehrkosten kaufen. Osamu Nishiwaki, Ex-Generaldirektor im
japanischen Wirtschaftsministerium, erklärte bei einer Diskussionsrunde am
Rande der Messe: „[2][Deutschland besitzt mit zahlreichen Start-ups], die
über leistungsstarke Technologien verfügen, große Vorteile, aber auch bei
Fregatten und U-Booten besteht Raum für Zusammenarbeit.“
## Eurodrone für Japan?
Das Münchner Defence-Tech-Unternehmen Helsing nutzt den japanischen
Handelsriesen Rakuten, um Zugang zum japanischen Beschaffungsprozess zu
erhalten. Die japanische Armee testete bis Ende September die KI-gestützte
HX-2-Drohne. Japan bestellte auch drei autonome Bodenfahrzeuge des Typs
Mission Master SP von Rheinmetall. Marubeni Aerospace ist der japanische
Hauptauftragnehmer.
Ein eigenes Kapitel ist [3][Eurodrone]. Japan ist seit 2023 Beobachter des
von Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien getragenen Programms zur
Entwicklung einer europäischen Drohne. Ende Juni unterzeichneten Europas
größter Luft- und Raumfahrt- sowie zweitgrößter Rüstungskonzern Airbus und
Kawasaki Heavy Industries aus Japan ein Memorandum of Understanding, um
eine japanische Variante zur U-Boot-Jagd zu prüfen. Japanische Sensoren und
Effektoren sollen integriert und mögliche Produktions- und Wartungsanteile
für die japanische Industrie ausgelotet werden.
Was bisher fehlt, ist ein „Leuchtturmprojekt“, das die intensivierte
Zusammenarbeit symbolisiert und beiden Partnern gleichermaßen dient. Aber
es werde bald kommen, hieß es von der Messe. Es könnte die gemeinsame
Entwicklung neuer Triebwerke für die zweite Generation des deutschen
Marschflugkörpers Taurus sein.
Der europäische Hersteller MDBA und Kawasaki Heavy Industries
unterzeichneten im Mai 2025 eine Absichtserklärung. Seitdem halten beide
Seiten eine Funkstille ein. Das derzeitige Triebwerk liefert der
US-amerikanische Hersteller Williams. Deutschland will sich beim Taurus Neo
aber unabhängiger von den USA machen.
30 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Martin Fritz
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