# taz.de -- Rückkehrer nach Russland: 18 Jahre Haft wegen Überweisung von 30 Euro
> Russen, die in ihre Heimat zurückkehren, werden aus fadenscheinigen
> Gründen zu langen Haftstrafen verurteilt. Menschenrechtler dokumentieren
> ihre Fälle.
(IMG) Bild: In der Strafkolonie, 18 Jahre lang
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Meduza öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Den
ganzen Beitrag [2][finden Sie hier auf Russisch].
Immer mehr Russen, die in ihre Heimat zurückkehren, werden verhaftet. So
etwa der Philosophiedozent Nikolai Sjusew. [3][Nach Beginn der Vollinvasion
in der Ukraine] verließ er Russland und kehrte 2025 in sein Heimatdorf
zurück. Dort wurde er festgenommen und des Hochverrats angeklagt. Nun hat
ihn ein Gericht zu sieben Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt.
Laut der Menschenrechtsorganisation Memorial wurden seit Kriegsbeginn 2022
mindestens 40 solcher Fälle dokumentiert.
Sjusew verließ Russland bereits in den 2000er Jahren. Damals zog er nach
Kanada, wo er lehrte und die kanadische Staatsbürgerschaft erhielt. In den
folgenden Jahren kehrte er in die Republik Komi zurück, um dort zu
arbeiten.
In einem Beitrag für das kanadische Magazin Maclean’s schrieb Sjusew 2023,
dass er an der Gründung einer Bildungsplattform über die indigenen Völker
Russlands arbeite. „Wir sehen eine Chance, die sich nach Putins
katastrophaler Invasion der Ukraine ergeben hat“, schrieb er. „Die
indigenen Völker sind vom Krieg überproportional stark betroffen – sowohl
an der Front als auch durch die Einberufung in die russische Armee.“
Seit 2022 lebte er in Litauen. Im Sommer 2025 reiste er jedoch in sein
Heimatdorf Podjelsk. Warum er sich zur Rückkehr entschloss, wissen selbst
seine Freunde nicht genau. Möglicherweise vermisste er seine Heimat und
glaubte, dass sich niemand besonders für seine Person interessiere.
## Angebliche Unterstützung mit „ausländischen Geldern“
Nach seiner Rückkehr verschwand der Wissenschaftler spurlos. Erst mehr als
ein Jahr später wurde bekannt, dass er wegen Hochverrats zu sieben Jahren
Haft verurteilt worden war – als Autor eines Projekts zur „Befreiung“ der
indigenen Völker Russlands. Das Projekt war nach Angaben des russischen
Inlandsgeheimdienstes FSB „gegen die Souveränität der Russischen
Föderation“ gerichtet und wurde „mit ausländischen Fördergeldern“
entwickelt.
Auch andere Rückkehrer gerieten nach ihrer Ankunft in Russland [4][ins
Visier der Behörden]. Etwa Alexander Lunjow, der durch einen ungewöhnlichen
Wasserturm in Tomsk bekannt wurde. 2012 kaufte er den Turm und baute ihn
über mehrere Jahre hinweg zu seinem Zuhause aus.
Nach Kriegsbeginn zog er nach Tschechien, kehrte jedoch im August 2026 mit
seiner Frau und seiner wenige Monate alten Tochter nach Tomsk zurück. Dort
wurde er festgenommen. Die Behörden werfen ihm vor, die
Antikorruptionsstiftung FBK von Alexej Nawalny finanziell unterstützt zu
haben. Wegen der „Finanzierung extremistischer Aktivitäten“ drohen ihm bis
zu acht Jahre Haft.
Der IT-Spezialist Michail Loschtschinin lebte seit Ende der 1990er Jahre in
Europa. Im Sommer 2025 reiste er nach Russland, um seinen Vater nach einem
Herzinfarkt zu besuchen. Beim Überqueren der lettisch-russischen Grenze
fanden Grenzbeamte zahlreiche ukrainische Kontakte auf seinem Handy. Dort
leben noch immer Freunde und Verwandte von Loschtschinin. Vor seiner Reise
hatte er sein Telefon nicht „gesäubert“ – offenbar ging er davon aus,
nichts verbergen zu müssen.
## Verhaftet wegen einer Überweisung von 30 Euro
Loschtschinin wurde festgenommen und „des Hochverrats“ beschuldigt. Anlass
war eine Überweisung von 30 Euro, die er im Jahr 2022 an seine ehemalige
Freundin in der Ukraine geschickt hatte. Ihm drohen nach eigenen Angaben
bis zu 18 Jahre Haft.
Der aus Woronesch stammende Anarchist Pawel Wladimirow verließ Russland im
Jahr 2024 im Alter von 18 Jahren [5][und ging nach Kasachstan]. Dort wurde
er auf Ersuchen Russlands festgenommen und ein Jahr lang in
Auslieferungshaft gehalten.
Nach seiner Freilassung überredete ihn sein Vater, nach Russland
zurückzukehren. Dort wurde Wladimirow wegen des Versuchs, sich
„ausländischen bewaffneten Formationen“ anzuschließen, zu neun Jahren Haft
verurteilt.
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30 Sep 2026
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