# taz.de -- Deportation von Kindern nach Russland: Der Kreml will „kleine Russen“ aus ihnen machen
       
       > Tausende ukrainische Kinder wurden seit 2022 in Putins Reich deportiert.
       > Ein Sachbuch zeichnet das Leid von vier Familien nach, die bis heute
       > hoffen.
       
 (IMG) Bild: Die Kinder die Russland raubte, hier ein Symbolbild
       
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       Meduza öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Den
       ganzen Beitrag [2][finden Sie hier auf Russisch]. 
       
       Seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine wurden Tausende
       Kinder aus der Ukraine tief ins Innere Russlands deportiert. In welchem
       Ausmaß, zeigen die russische Journalistin Nina Nasarowa und ihr
       ukrainischer Kollege Swjatoslaw Chomenko in ihrem Buch „Gestohlene
       Kindheit. Wie Russland ukrainische Kinder entführt – und wie die Ukrainer
       sie nach Hause zurückholen“. Es ist kürzlich im Meduza-eigenen Verlag
       erschienen und wurde unter anderem [3][von der StraightForward Foundation
       mitfinanziert].
       
       Den Autor:innen gelang es, Kontakt zu einigen Familien aufzunehmen, die
       durch den Krieg voneinander getrennt worden waren. Aus diesen Gesprächen
       entstand die Idee zu dem Buch. Darin beschreiben Nasarowa und Chomenko
       ausführlich vier unterschiedliche Szenarien, nach denen die rechtswidrige
       Deportation ukrainischer Kinder ablief.
       
       Eine der Protagonistinnen ist die 14-jährige Veronika aus der Region
       Charkiw. Am Abend vor der Invasion verabschiedete sich ihre Mutter Nina von
       ihr, um in Charkiw nach ihrem kleinen Geschäft zu sehen. Sie versprach
       ihrer Tochter, „am nächsten Tag gegen Mittag zurückzukommen“. Es sollte ein
       ganz gewöhnlicher Besuch werden, wie so viele zuvor.
       
       Veronika entschied sich dazu, die Nacht bei ihrer Tante Tatjana und ihrer
       Familie im Nachbardorf zu verbringen. So konnte sie Zeit mit ihren Cousinen
       verbringen, statt allein zu Hause zu bleiben. Doch aus diesem scheinbar
       alltäglichen Abschied wurde eine folgenschwere Trennung. Ninas Tochter
       wurde nach Russland deportiert.
       
       ## Russland ist stolz auf die Deportationen
       
       „Unser Buch versucht, den juristischen Begriff der ‚rechtswidrigen
       Deportation‘ in menschliche Schicksale zu übersetzen“, sagt Nina Nasarowa
       [4][im Gespräch mit Meduza]. „Es erzählt die Geschichten von vier Familien
       und beschreibt vier sehr unterschiedliche Wege, auf denen Kinder von ihren
       Angehörigen getrennt wurden – und wie schwierig, manchmal sogar unmöglich
       ihre Rückkehr nach Hause war.“
       
       [5][Die Idee zu dem Buch] entstand im April 2022, als die russische
       Journalistin Nina Nasarowa beruflich eine live auf Youtube übertragene
       Konferenz russischer Regierungsvertreter verfolgte. Was sie dort hörte,
       erschütterte sie zutiefst: Zum ersten Mal räumten russische
       Behördenvertreter öffentlich ein, „Tausende ukrainische Kinder nach
       Russland gebracht zu haben, darunter auch Kinder aus Städten, die kurz
       zuvor von der russischen Armee zerstört worden waren“.
       
       Schon ein Jahr bevor der Internationale Strafgerichtshof im März 2023
       Haftbefehle gegen Wladimir Putin und Maria Lwowa-Belowa wegen des Verdachts
       der rechtswidrigen Deportation ukrainischer Kinder erließ, hatte Nasarowa
       erkannt: Das Schicksal dieser Kinder wird zu einem der zentralen Themen des
       Krieges.
       
       „Russische Regierungsvertreter zeigten sich geradezu stolz darauf, dass ihr
       Staat Tausende ukrainische Kinder nach Russland brachte, ihnen neue Namen
       gab, neue Familien für sie suchte und anschließend mithilfe eigens
       ausgearbeiteter Lehrmaterialien versuchte, aus kleinen Ukrainern kleine
       Russen zu machen“, sagt Swjatoslaw Chomenko, der ukrainische Co-Autor des
       Buches.
       
       Die Geschichte, die die beiden Journalist:innen in diesem Buch
       erzählen, hat kein Happy End: „Russland hat Hunderten ukrainischen Kindern
       das Leben genommen und Tausenden ukrainischen Jungen und Mädchen ihre
       Kindheit geraubt. Und noch immer, während ich diese Zeilen schreibe, hält
       Russland Tausende ukrainische Kinder auf seinem Staatsgebiet fest“, sagt
       Chomenko.
       
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       20 Oct 2026
       
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