# taz.de -- Russische Angriffe im Schwarzen Meer: „Das ist eine echte Gefahr für die Schifffahrt“
> Vor den Küsten Bulgariens und Rumäniens sind mehrere Frachtschiffe von
> Drohnen angegriffen worden. Expert:innen gehen davon aus, dass
> Russland dahintersteckt.
(IMG) Bild: Beschädigte Überseecontainer auf einem Schiff nach einem Drohnenangriff im Juni 2026 kurz vor Varna, Bulgarien
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„Novaya Gazeta Europe“ öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach
Russland. Den ganzen Beitrag [2][finden Sie hier auf Russisch].
Im Schwarzen Meer ist es zu einer neuen Serie von Angriffen auf die zivile
Schifffahrt gekommen. Seit Anfang Oktober trafen Drohnen mindestens fünf
Handelsschiffe, von denen drei sanken. Die Angriffe geschahen in den
ausschließlichen Wirtschaftszonen Bulgariens und Rumäniens, beide sind
Nato-Mitgliedstaaten. Die ukrainischen Behörden machen Russland für die
Angriffe verantwortlich.
In der Nacht zum 13. Oktober wurde der unter maltesischer Flagge fahrende
ukrainische Frachter „Chelsea 3“ im Schwarzen Meer von drei Drohnen
angegriffen und geriet in Seenot, schrieb der bulgarische Ministerpräsident
Rumen Radew auf Facebook. Zum Zeitpunkt des Angriffs befand sich das Schiff
rund 18 Seemeilen (33 Kilometer) östlich der bulgarischen Stadt Bjala.
An Bord befanden sich 15 Besatzungsmitglieder, darunter 7 Ukrainer und 8
Aserbaidschaner. Alle Seeleute konnten gerettet und in die bulgarische
Hafenstadt Warna evakuiert werden. Die „Chelsea 3“ gehört einem
ukrainischen Reeder und ist in Odessa registriert. Der 136 Meter lange
Frachter war auf dem Weg vom türkischen Hafen Giresun zum Donauhafen
Giurgiulești.
Zwar fehlten laut Radew „eindeutige Beweise“, dass Russland hinter den
Angriffen stecke, allerdings lege „die Logik nahe“, dass die Vorfälle
Russland zugutekämen, schrieb Radew weiter auf Facebook. Die russische
Botschafterin solle einbestellt werden, auch die Nato sei informiert
worden.
## Drohnenangriffe auf drei Handelsschiffe im Schwarzen Meer
Ebenfalls am 13. Oktober ereignete sich ein weiterer Angriff. Dabei sank
rund 17 Seemeilen (31 Kilometer) östlich des bulgarischen Ortes Krapez ein
Schiff, das die russische Tageszeitung Kommersant als die „Azov Concord“
identifizierte. Ein Besatzungsmitglied konnte gerettet werden, über das
Schicksal der übrigen Seeleute liegen bislang keine gesicherten
Informationen vor.
Die jüngsten Angriffe reihen sich ein in eine Kette von Ereignissen.
Bereits in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober wurden vor den Küsten
Bulgariens und Rumäniens drei Handelsschiffe von Drohnen angegriffen. Nach
einem Angriff sank der Frachter „Alfa Watan“ etwa 130 Kilometer vor der
bulgarischen Küste. Von den zwölf syrischen Besatzungsmitgliedern fehlt
bislang jede Spur, die Suchaktion wurde inzwischen eingestellt.
Auf dem zweiten Schiff, der „Able“, brach ein Feuer aus. Alle 18
Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden, 2 von ihnen wurden verletzt.
Das Schiff transportierte Weizen. Der andere angegriffene Frachter „Royad
Mammadov“ geriet in Brand und sank, er transportierte ukrainischen Mais
nach Italien. Zwei Menschen starben, elf konnten gerettet werden, die
bulgarischen Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Wer für die
Drohnenangriffe verantwortlich ist, ist bislang nicht geklärt.
Der ukrainische Militärexperte und Reserveoberst Roman Switan sagte der
Novaya Gazeta Europe, dass höchstwahrscheinlich die russische Armee hinter
den Angriffen auf zivile Schiffe im Schwarzen Meer stehe. Er schließt nicht
aus, dass die Drohnen per Satellitenkommunikation ferngesteuert wurden.
## Russische Angriffe auf Getreideexporte
„Die Geran-Drohnen können mit Kolben- oder Strahltriebwerken Entfernungen
von mehreren Hundert Kilometern zurücklegen“, sagt Switan. „Deshalb kann
das gesamte Schwarze Meer vor den Küsten Bulgariens, Rumäniens, Moldaus und
sogar der Türkei praktisch als Kampfgebiet betrachtet werden. Das ist
wirklich eine reale Gefahr für die Schifffahrt.“
Die Angriffe seien demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit von russischen
Streitkräften ausgeführt wurden, schreibt das britische auf die maritime
Sicherheit spezialisierte Unternehmen Ambrey in einem Bericht. Ziel sei es,
die ukrainischen Exporte zu stören.
Nun finden Angriffe auch in den ausschließlichen Wirtschaftszonen Rumäniens
und Bulgariens statt. Alle drei betroffenen Schiffe hatten zuvor entweder
Häfen im Donaudelta angelaufen oder waren auf dem Weg dorthin.
Ambrey geht allerdings nicht davon aus, dass Russland begonnen hat, wahllos
Handelsschiffe anzugreifen. Nach Einschätzung des Unternehmens wählen die
russischen Streitkräfte weiterhin gezielt Schiffe aus, die mit dem
ukrainischen Handel, insbesondere dem Getreideexport, in Verbindung stehen.
Es hatte bereits zuvor Angriffe auf Handelsschiffe gegeben. Wie die
[3][Novaya Gazeta Europe berichtete], konzentrierten sich diese Attacken
jedoch bislang vorwiegend auf die unmittelbare Umgebung ukrainischer Häfen.
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14 Oct 2026
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