# taz.de -- Digitale sexualisierte Gewalt: Frauen ziehen sich aus dem Netz zurück
> Weniger Bilder, weniger Posts – die Sorge vor sexualisierter Gewalt
> drängt Frauen aus dem Netz. Das ist demokratiegefährdend, warnt der
> Frauenrat.
(IMG) Bild: Frauen werden durch schlechte Erfahrungen zunehmend aus dem Netz gedrängt
Aus Sorge vor digitaler Gewalt verändern zwei Drittel der Frauen zwischen
18 und 74 Jahren ihr Verhalten im Netz. Das ergibt eine repräsentative
Befragung, die der Deutsche Frauenrat am Montag veröffentlichte. 67 Prozent
aller befragten Frauen teilen demnach weniger Bilder und persönliche
Informationen und haben ihre Online-Aktivitäten insgesamt eingeschränkt, so
das Ergebnis. Der Deutsche Frauenrat (DFR) und der Deutsche Juristinnenbund
(DJB) fordern nun Nachbesserungen im Gesetz gegen digitale Gewalt.
„Die Befragung zeigt eine [1][strukturelle Geschlechterdimension]“, sagt
der Soziologe Matthias Quent von der Ernst-Abbe-Hochschule Jena,
verantwortlich [2][für die wissenschaftliche Auswertung der Studie.] „Wir
sehen in den Daten, dass digitale Teilhabe unmittelbar eingeschränkt wird“,
so Quent. Bei Frauen zwischen 18 und 39 Jahren sind es sogar 76 Prozent,
die ihr Verhalten zum Schutz vor Missbrauch von Fotos oder Videos
verändern.
Groß ist der Rückzug vor allem bei Frauen, die [3][bereits Gewalt im Netz
erlebt haben]: 73 Prozent ziehen sich aus digitalen Räumen zurück. Doch
auch 57 Prozent derjenigen, die selbst bisher nicht von digitaler Gewalt
betroffen waren, geben an, ihr Verhalten im Netz vorsorglich zu verändern.
Wissenschaftler:innen sprechen vom sogenannten Chilling-Effekt, einem
Effekt, der Abschreckung und Selbsteinschränkung beschreibt.
Eigene Erfahrungen mit bildbasierter sexualisierter Gewalt haben
insbesondere junge Frauen gemacht. Jede fünfte Frau unter 40 Jahren
berichtete in der Befragung von Erfahrungen mit sexualisierten
KI-Darstellungen. Und das, „obwohl die heutigen Möglichkeiten zur
KI-gestützten Erstellung sexualisierter Darstellungen vergleichsweise neu
sind“, heißt es in dem Bericht.
## „Wird als absurde Parallelwelt abgetan“
Durch die digitalen Einschränkungen ändere sich auch die Verhaltensweise im
nicht digitalen Leben, sagte die bei der Pressekonferenz ebenfalls
anwesende Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes: „Da wundere ich
mich, wie wenig das in den letzten Jahren ernst genommen wurde, wie das
Digitale als eine absurde Parallelwelt abgetan wurde.“ Fernandes hatte im
März 2026 eine deutschlandweite Debatte [4][um sexualisierte digitale
Gewalt ausgelöst,] als sie die von ihr erlebte digitale sexualisierte
Gewalt durch ihren Ex-Mann Christian Ulmen öffentlich machte.
Statt die Verantwortung auf betroffene Frauen zu lenken, findet Fernandes,
müsse der Fokus auf die meist männlichen Täter gelenkt werden. „Ich bin
sehr erstaunt darüber, wie wenig das Thema von männlicher Seite verstanden
wird und wie oft ich online erklären muss, wo denn überhaupt das Problem
ist“, sagte die Moderatorin. Sie fordert mehr Bildung und Aufklärung, dafür
müsse „auch das Portemonnaie aufgemacht werden“.
## Verbände: Es braucht Nachbesserungen
Handlungsbedarf sehen der Frauenrat und der DJB nicht nur bei Bildung und
Aufklärung, sondern auch bei dem [5][Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt]
aus dem Bundesjustizministerium von Stefanie Hubig (SPD). Dieser soll bald
im Bundestag diskutiert werden. Theresia Rasche vom DJB begrüßte zwar die
vorgesehenen Änderungen im Strafrecht, [6][forderte aber Nachbesserungen].
So müsse im Gesetz deutlicher werden, dass es für die Strafbarkeit
unerheblich ist, ob ein KI-generiertes Bild täuschend echt oder als KI
gekennzeichnet sei – denn „der Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung
bleibt der gleiche“, sagt Rasche. Auch die Einordnung als Privatklagedelikt
beanstandet der DJB: Es handele sich nicht um ein Bagatelldelikt, so
Rasche. Inhalte hätten Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, weshalb
nicht Privatpersonen, sondern die Strafverfolgungsbehörden tätig werden
müssen.
Weiter fordert der Juristinnenbund die Einführung flächendeckender
Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften für digitale Gewalt und die konsequentere
Inanspruchnahme von Onlineplattformen, auf denen diese Inhalte ausgetauscht
werden. Eine schnellere Löschung der Gewaltinhalte befürworten sowohl der
DJB als auch der Deutsche Frauenrat.
Digitale Gewalt sei nicht nur ein individuelles Problem, sondern es berühre
die gesellschaftliche und politische Teilhabe, sagte Judith Rahner,
Geschäftsführerin vom DFR. „Und damit ist es letztlich auch ein
Demokratieproblem.“ Das komme im bisherigen Ansatz des digitalen
Gewaltschutzgesetzes zu kurz. „Recht zu haben und schnell geschützt zu
werden sind zwei unterschiedliche Dinge. Und ein digitales
Gewaltschutzgesetz muss eben beides auch gewährleisten“, so Rahner.
29 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Berichte-digitaler-sexualisierter-Gewalt/!6162838
(DIR) [2] https://www.frauenrat.de/digitale-gewalt-laesst-frauen-online-verstummen/
(DIR) [3] /Deepfake-Pornografie-in-den-USA-Forscherin-zeigt-wie-die-Gesetze-dort-aussehen/!6167688
(DIR) [4] /Urteil-im-Ulmen-Spiegel-Prozess/!6190271
(DIR) [5] /Gesetzentwurf-gegen-digitale-Gewalt/!6171844
(DIR) [6] /Juristin-ueber-Deepfakes/!6166462
## AUTOREN
(DIR) Amelie Sittenauer
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