# taz.de -- Tausende Videos, kaum Anzeigen: Auf dem Oktoberfest unter'm Dirndl gefilmt
> Auf dem Oktoberfest werden Frauen auf einem Fahrgeschäft heimlich unter
> den Rock gefilmt. Aber trotz vieler Opfer gibt es offenbar keine
> Anzeigen.
(IMG) Bild: Das Teufelsrad, Tatort von weltweit gestreamtem Upskirting
Seit über hundert Jahren versuchen Wiesn-Besucher:innen, das Teufelsrad auf
dem Münchner Oktoberfest zu bezwingen. Wer es schafft, sich am längsten auf
der drehenden Scheibe zu halten, gewinnt. Angefeuert von der Menge. Doch
als der Schausteller Carl Gabriel das Teufelsrad 1908 das erste Mal
aufstellte, gab es keine Smartphones, kein Internet, kein Social Media.
Technische Errungenschaften, die viele Möglichkeiten und Freiheiten bieten.
Möglichkeiten, die gezielt gegen Frauen verwendet werden und sie in ihren
Freiheiten einschränken.
Auf Social Media verbreiten Nutzer Videos, [1][in denen Frauen auf
sexualisierte Weise zur Schau gestellt werden.] Die Ersteller:innen
zoomen auf die nackten Beine der Frauen, teilweise bis auf die Unterwäsche,
wenn ihnen durch die Geschwindigkeit auf der Scheibe der Rock ihres Dirndls
hochrutscht. Upskirting auf dem Teufelsrad – das Problem ist nicht neu. Neu
scheint aber die Dimension: Tausende solcher Clips sind online, auf
Instagram, Tiktok, Facebook, Youtube.
Hinter diesen Aufnahmen stecken Akteur:innen, die beim Filmen und
Verbreiten der Videos offenbar systematisch vorgehen, um damit die
Reichweite ihrer Social-Media-Accounts zu pushen. Das zeigt [2][eine
aktuelle Recherche des Bayerischen Rundfunks.] Manche Videos erreichen
Klickzahlen in Millionenhöhe. Dem BR zufolge verwalten Personen teils
mehrere Accounts gleichzeitig und manche Videos werden online zum Verkauf
angeboten.
## „Upskirting is a crime“
Die Betreiberin des Teufelsrads, Elisabeth Polaczy, übernahm die
Wiesn-Attraktion 2004. Sie verteilt an Kundinnen kostenlos Radlerhosen und
ließ Hinweisschilder aufstellen. „Upskirting is a crime“, also eine
„Straftat“ steht darauf. Bis zu zwei Jahre Gefängnis sind möglich. Das
stimmt, seit 2021 ist die Verletzung des Intimbereichs durch Bildaufnahmen
im Strafgesetzbuch verankert.
Doch bei den Teufelsrad-Videos greift der Paragraf nicht immer. Zwar
braucht es nicht unbedingt einen Strafantrag einer Betroffenen. Die
Staatsanwaltschaft kann auch ermitteln, wenn ein öffentliches Interesse
vorliegt. In aller Regel werde dies bejaht, erklärt die Staatsanwaltschaft
München auf taz-Anfrage.
Die Staatsanwaltschaft muss aber nachweisen, dass es sich um „gezielte und
unbefugte Aufnahmen der gegen Anblick geschützten Intimbereiche handelt“.
Wenn das gesamte Teufelsrad gefilmt wird, reicht das nicht aus, auch nicht,
wenn die Aufnahme hinterher bearbeitet wird.
Manchmal werden per KI Deepfakes von den Frauen erstellt, die diese in
sexualisierter Weise darstellen. Ein eigener Straftatbestand, der dies
explizit erfasst, [3][soll erst noch kommen.] Möglich bleibt noch eine
Strafverfolgung nach dem Kunsturhebergesetz, wenn das Persönlichkeitsrecht
der aufgenommenen Person verletzt wird. Dieses Delikt wird allerdings nur
auf Antrag verfolgt.
## Kaum Anzeigen wegen Upskirting
Nachfrage bei der Polizei München: Wie viele Anzeigen hat es in diesem Jahr
im Zusammenhang mit Upskirting auf dem Oktoberfest gegeben? Bislang sind
das sechs Fälle, keiner davon am Teufelsrad, heißt es. Die Zahl kann
allerdings noch steigen, das Oktoberfest geht noch bis Sonntag. Die
endgültige Bilanz gibt es erst in rund zwei Monaten.
Im vergangenen Jahr kam die Polizei schlussendlich auf elf Anzeigen wegen
Upskirting, außerdem einem Fall von Downblousing – das heimliche und
unerlaubte Fotografieren oder Filmen in den Ausschnitt einer Person. Auch
hier betraf kein Fall das Teufelsrad. Die Polizei München weist aber darauf
hin, dass drei verdächtige Wahrnehmungen gemeldet worden seien.
Laut Staatsanwaltschaft wurde in sechs Verfahren ein Strafbefehl beantragt,
der eine Geldstrafe vorsah. Fünf davon sind mittlerweile rechtskräftig. Die
fünf weiteren Verfahren wurden mangels ausreichendem Tatnachweis
eingestellt.
## Safe Space
Wer vor Ort auf der Theresienwiese Unterstützung braucht, kann sich an den
Safe Space der Aktion „Sichere Wiesn“ wenden. Das Angebot richtet sich
explizit an Frauen, Mädchen und nicht-binäre Menschen. Hier gibt es
Unterstützung, wenn jemand (sexualisierte) Gewalt erlebt hat, sich in einer
psychischen Ausnahmesituation befindet oder die Freund:innen im Gedränge
verloren gegangen sind.
Hilfe gibt es auch, wenn jemand befürchtet, gefilmt worden zu sein. Wegen
„Upskirting“ auf dem Oktoberfest hätten sich in den vergangenen Jahren aber
kaum Hilfesuchende an den Safe Space gewandt, berichtet Manuela Soller von
Amyna, einem der drei Vereine, die hinter dem Angebot stehen. Wenn doch
einmal, dann sei nicht das Teufelsrad Ort des Vorfalls gewesen, sondern
Festzelte oder Toiletten. In diesem Jahr habe sich noch niemand wegen
Upskirting generell an die Mitarbeitenden gewandt.
Tausende Videos, aber kaum Anzeigen und kaum Hilfesuchende wegen
Upskirting: Vielleicht liegt das daran, dass Betroffene erst spät oder gar
nicht herausfinden, dass sie gefilmt wurden. Vielleicht daran, dass sie
sich schämen. Vielleicht auch daran, dass sie nicht wissen, wie sie einen
Fall anzeigen können – oder es nicht wollen. Es lässt sich nur mutmaßen.
1 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Verkauf-sexualisierter-Videos-von-Frauen-auf-dem-Oktoberfest-Es-gibt-keinen-sicheren-Ort-und-keine-sichere-Kleidung/!6217331
(DIR) [2] https://www.br.de/nachrichten/bayern/oktoberfest-wer-hinter-voyeuristischen-teufelsrad-videos-steckt,VWVGYiF
(DIR) [3] /Gesetzentwurf-zu-digitaler-Gewalt/!6164876
## AUTOREN
(DIR) Annika Danielmeier
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