# taz.de -- Digitale Gewalt in Beziehungen: (Ex-)Partner is watching you
       
       > Digitale Gewalt in (Ex-)Beziehungen nimmt zu. Ein Aktionstag im Jüdischen
       > Krankenhaus soll medizinisches Personal für die Gewaltform
       > sensibilisieren.
       
 (IMG) Bild: Collien Fernandes: Betroffene digitaler Gewalt durch Ex-Partner Christian Ullmen
       
       Sie werden 24/7 überwacht: Handys gehackt, Deepfakes verbreitet, per SMS,
       E-Mail und in den sozialen Medien bedroht, mit GPS-Trackern und Spyware
       kontrolliert. Digitale Gewalt in Beziehungen tritt selten isoliert auf. Sie
       verstärkt vielmehr „analoge“ Formen der Gewalt. „Betroffene haben aufgrund
       der physischen, psychischen und finanziellen Gewalt sowieso ihre Kontrolle
       verloren“, sagt Alice Westphal. „Dann kommt auch noch die digitale Gewalt
       dazu. Das ist eine maximale Stresssituation.“
       
       Die Initiatorin der Kampagne [1][#ichbinjededritteFrau] spricht am
       Mittwochmorgen beim Aktionstag „Digitale Gewalt ist Gewalt. Auch in
       Beziehungen“ im Jüdischen Krankenhaus. Eingeladen hat der Runde Tisch
       Berlin (RTB) – Gesundheitsversorgung bei häuslicher und sexualisierter
       Gewalt.
       
       Digitale Gewalt umfasst jede Form der [2][persönlichen Grenzüberschreitung
       im digitalen Raum]. Das Bundeskriminalamt erfasste 2024 knapp 30.000 Opfer
       digitaler Gewalt, davon weit über die Hälfte Frauen und Mädchen. Etwa jeder
       sechste Fall ereignete sich in (Ex-)Beziehungen, Tendenz steigend.
       
       [3][Das Perfide an digitaler Gewalt: Sie ist omnipräsent und unentrinnbar.]
       Täter würden sich über das WLAN in smarte Hausgeräte, Laptops oder Handys
       einhacken, Bankkonten lahmlegen oder gemeinsamen Kindern Handys oder
       Kuscheltiere mit Spyware schenken, berichtet Basma Bahgat, Leiterin der
       Beratungsstelle Hateaid. Eine Akademikerin sei etwa jahrelang von ihrem
       Ex-Partner bei Events akkreditiert worden, die sie anschließend immer habe
       absagen müssen. „Das ist eine Bloßstellung und hält die Betroffene konstant
       beschäftigt“, sagt Bahgat.
       
       ## Medizinisches Fachpersonal muss sensibilisiert werden
       
       Betroffene würden sich isolieren, denken, sie seien verrückt, und vor Scham
       nicht über das sprechen, was ihnen geschieht, so die Hateaid-Leiterin. Wenn
       sie Hilfe suchten, stießen sie häufig auf weitere Hürden: Therapieplätze
       seien schwierig zu bekommen, digitale Gewalt werde von Hausärzt*innen
       vielfach nicht erkannt.
       
       Auch im Jüdischen Krankenhaus fehlt es bislang an Strukturen, um digitale
       Gewalt zuverlässig zu erkennen, räumt Annegret Dreher, Oberärztin der
       Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, ein. Im Klinikalltag sei dafür
       oft keine Zeit, hinzu komme, dass die Verletzungen digitaler Gewalt
       unsichtbar blieben. Für sie steht jedoch fest: „Das Erkennen von digitaler
       Gewalt darf kein Zufallsbefund sein. Mitarbeitende müssen geschult werden,
       um sie frühzeitig zu erkennen.“
       
       Denn die Folgen können schwerwiegend sein: Zu den zwei großen
       Krankheitsbildern, die sich infolge digitaler Gewalt entwickeln können,
       gehören posttraumatische Belastungsstörungen und Depressionen. Um
       Fachpersonal für das Thema zu sensibilisieren, hat der RTB zusammen mit
       Hateaid eine Reihe an Praxisempfehlungen zusammengestellt. Die zentralen
       Forderungen: hinschauen, proaktiv nachfragen und Betroffene ernst nehmen.
       „Wir können nichts falsch machen, wenn wir hinschauen“, sagt Alice
       Westphal. Sie fordert, das Thema aus der „Tabuecke“ zu holen und
       ausreichend Mittel bereitzustellen, um der neuen Gewaltform wirksam zu
       begegnen.
       
       Im Anschluss schult Psychologin und Traumanetz-Referentin Aline Haag das
       Krankenhauspersonal – allerdings nur 15 Minuten lang. Mehr Zeit könne sich
       das Personal im Klinikalltag meist nicht freiräumen, sagt Haag zur taz.
       „Bei allem, womit die beschäftigt sind, wird digitale Gewalt als
       Luxusproblem angesehen.“
       
       2 Sep 2026
       
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