# taz.de -- Eklat bei UN-Generalversammlung: Netanjahu allein im Haus
       
       > Der israelische Ministerpräsident teilt in seiner UN-Rede scharf aus,
       > auch gegen New Yorks Bürgermeister Mamdani. Delegierte verlassen den
       > Saal, draußen wird demonstriert.
       
 (IMG) Bild: Straßenblockade vor UN-Hauptquartier in New York aus Protest gegen israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu
       
       New York/rtr/taz | Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat
       bei einer Rede vor der UN-Vollversammlung am Donnerstag den New Yorker
       Bürgermeister, westliche Regierungschefs sowie Katar und die Türkei scharf
       angegriffen. Zuvor hatten Dutzende Diplomaten aus Protest den Saal
       verlassen. Netanjahu bezeichnete sie daraufhin als „moralische Feiglinge“.
       Mit Blick auf die militärischen Auseinandersetzungen seines Landes betonte
       der Regierungschef: „Wir werden gewinnen, wir haben keine andere Wahl.“
       
       In seiner rund 40-minütigen Rede warf Netanjahu dem New Yorker
       [1][Bürgermeister Zohran Mamdani,] der ihn als Kriegsverbrecher bezeichnet
       hatte, Antisemitismus vor. „An all jene, die diese Lügen über mein Land und
       über unsere tapferen Soldaten verbreiten, sei es in diesem Saal oder im
       ‌Büro des antisemitischen Bürgermeisters von New York, sage ich: Schämen
       Sie sich!“, erklärte Netanjahu. Den Staats- und Regierungschefs westlicher
       Länder warf er vor, „antisemitischen Mobs“ nachzugeben.
       
       Mamdani wies die Vorwürfe umgehend zurück. Netanjahu habe seine Rede
       genutzt, um „haltlose Lügen zu wiederholen, die dazu dienen sollen, seinen
       Völkermord an den Palästinensern reinzuwaschen“, erklärte der
       Bürgermeister. Keine Lüge könne die Tatsache ändern, dass gegen Netanjahu
       ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen mutmaßlicher
       Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorliege.
       
       Netanjahu hatte in seiner Rede erklärt: „Israel hat keinen Völkermord
       begangen. Israel hat einen Völkermord verhindert.“ Katar wies den Vorwurf
       zurück, die öffentliche Meinung gegen Israel aufwiegeln zu wollen. Ein
       Sprecher des Außenministeriums erklärte auf der Plattform X, Netanjahus
       wiederholte Angriffe auf Doha zielten darauf ab, von der Verantwortung für
       die eigene Politik vor Ort abzulenken.
       
       ## Netanjahu macht Wahlkampf
       
       Die Rede, die in Israel zur besten Sendezeit übertragen wurde, galt
       [2][weniger als fünf Wochen vor den Parlamentswahlen] als
       Wahlkampfauftritt. Im Vorfeld hatte die israelische Regierung nach eigenen
       Angaben in Manhattan 500 Plakate und ‌Dutzende Lastwagen mit Botschaften
       zur Unterstützung Israels finanziert. Wie schon bei früheren UN-Auftritten
       nutzte Netanjahu Requisiten. Er hielt einen Pager hoch, eine Anspielung auf
       einen Angriff auf Mitglieder der Hisbollah im Libanon und zeigte einen
       Satelliten-Internetempfänger von Starlink.
       
       Die Rede findet vor dem Hintergrund einer zunehmenden diplomatischen
       Isolierung Israels statt. Wegen eines Haftbefehls des Internationalen
       Strafgerichtshofs kann Netanjahu in viele Länder ⁠nicht reisen. Zuletzt
       hatten die einstigen Verbündeten Großbritannien, Frankreich und Kanada
       Sanktionen gegen israelische Siedlungen im besetzten Westjordanland
       verhängt. In New York protestierten mehrere Hundert Menschen gegen die
       israelische Politik, wobei es zu Festnahmen kam.
       
       Netanjahu lobte in seiner Rede zwar US-Präsident Donald Trump, ein Treffen
       der beiden fand jedoch nicht statt. Die zunehmende Gewalt israelischer
       Siedler im Westjordanland bezeichnete er als Werk ‌einer „Handvoll
       jugendlicher Straftäter“.
       
       ## Festnahmen bei Protesten
       
       Während der israelische Ministerpräsident seine Rede im Hauptquartier der
       UN hielt, nahm die Polizei in New York bei Protesten ⁠gegen Netanjahu vor
       dem UN-Gebäude mindestens 30 Menschen fest. Unter ihnen befanden sich die
       Oscar-Preisträgerin Susan Sarandon, die Emmy-Gewinnerin Hannah Einbinder
       sowie lokale Politiker. Die rund 200 Demonstranten hatten sich im Vorfeld
       der Rede Netanjahus vor dem UN-Hauptquartier versammelt. Organisiert wurde
       ‌die Kundgebung von „Jewish Voice for Peace“, einer jüdischen
       Aktivistengruppe, die Palästinenser unterstützt.
       
       Die Teilnehmer blockierten den ‌Verkehr und trugen einheitliche weiße
       T-Shirts mit Aufschriften wie „Geld für Menschen, nicht für Bomben“, „Kein
       Krieg“ und „Freies Palästina“. Nachdem die Polizei die Menge über
       Lautsprecher zum Verlassen der Straße aufgefordert hatte, blieben viele der
       Demonstranten auf dem Asphalt sitzen. Die Polizisten zogen die
       Demonstranten ‌einzeln aus der Gruppe, fesselten ihnen die Hände und
       brachten sie ⁠zu Polizeibussen. Dort riefen die Aktivisten weiter
       „Netanjahu, fahr zur Hölle“.
       
       25 Sep 2026
       
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