# taz.de -- Türkisches Militär im Irak: Truppenrückzug in der Variante light
       
       > Die Türkei will ihre Truppen aus einer Basis im Irak abziehen. Doch die
       > Stellungen an der Grenze, die dem Kampf gegen die PKK dienten, bleiben
       > weiterhin.
       
 (IMG) Bild: Gemeinsame Militärübung der türkischen und irakischen Streitkräfte 2017 im Grenzgebiet
       
       Am Rande der Vollversammlung der Vereinten Nationen kündigten der türkische
       Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der irakische Ministerpräsident [1][Ali
       al-Zaidi] an, dass die Türkei einen großen Militärstützpunkt nahe Mossul
       bis Ende des Jahres räumen werde. Die Türkei hatte ihr Militär dort 2015,
       vorgeblich im Rahmen des Kampfes gegen die dschihadistische Miliz
       Islamischer Staat positioniert. Nach den USA – die mit Bagdad bereits
       vereinbart hatten, ihre letzten Truppen bis Ende dieses Monats abzuziehen –
       sind Ankaras Truppen die letzten ausländischen im Land.
       
       Und die Vereinbarungen mit den USA und der Türkei hören sich bahnbrechender
       an, als sie es tatsächlich sind. Zwar gehen die Truppenstationierungen
       ausländischer Mächte im Irak tatsächlich ihrem Ende entgegen – doch es
       bleiben „Sicherheitsoptionen“, die sich beide Länder vorbehalten. So soll
       der endgültige Abzug der US-Amerikaner parallel zur Entwaffnung der mit dem
       Iran verbündeten irakischen Milizen stattfinden. Dadurch soll gesichert
       werden, dass mit dem US-Rückzug nicht der Einfluss Irans weiter zunimmt.
       
       Doch seitdem der Krieg zwischen den USA und Iran im Frühling dieses Jahres
       begann, ist vom Rückzug der von Teheran unterstützten Milizen und deren
       Entwaffnung keine Rede mehr. Im Gegenteil, diese Milizen beschießen
       US-Truppen in der Nähe des Bagdader Flughafens und greifen sogar saudische
       Ölanlagen aus dem Irak heraus an.
       
       In dieser angespannten Situation könnte es gut sein, dass al-Zaidi die
       US-Truppen bittet, noch etwas länger zu bleiben. Das gilt in noch größerem
       Maße für die Regionalregierung im Nordirak. Ein US-Kontingent ist in Erbil
       im Nordirak stationiert. Und angesichts [2][anhaltender iranischer Angriffe
       auf den Nordirak] suchen die Kurden weiter Schutz bei den US-Truppen.
       
       ## Die „Killing Zone“ im Nordirak bleibt
       
       Der Rückzug des türkischen Militärs aus der Basis bei Mossul wäre sowieso
       nicht das Ende einer türkischen Militärpräsenz im Irak. Seitdem die
       kurdische Arbeiterpartei PKK in den 1990er-Jahren begann, die Türkei von
       Nordirak aus anzugreifen, hat die türkische Armee nach und nach immer mehr
       Militärposten aufgebaut. Und zwar auf der gesamten Länge der
       türkisch-irakischen Grenze, und geht teilweise bis zu 40 Kilometer tief in
       den Nordirak hinein. Dieses Gebiet ist bekannt als [3][sogenannte „Killing
       Zone“], die die Türkei mit Drohnen überwacht und regelmäßig aus der Luft
       angreift.
       
       Der Kampf zwischen der PKK und der türkischen Armee ist allerdings [4][zum
       Stillstand gekommen], seit Anfang dieses Jahres. Da hatte die PKK
       zugestimmt, den bewaffneten Kampf zu beenden, die Waffen abzugeben und sich
       als kämpfende Truppe aufzulösen.
       
       Das türkische Militär und vor allem der Geheimdienst sind aber nach wie vor
       in der Region präsent, um die Entwaffnung der PKK zu überwachen. Solange
       dieser Prozess nicht abgeschlossen ist, dürfen die kurdischen Bauern, die
       teils schon vor vielen Jahren aus dem Gebiet vertrieben wurden, nicht
       wieder zurückkehren.
       
       ## Auch in Nordsyrien bleibt die Lage kompliziert
       
       Ähnlich sieht es in Nordsyrien aus. [5][Nach einem Abkommen zwischen der
       kurdischen Selbstverwaltung im Nordosten des Landes und der neuen Regierung
       in Damaskus] hat die Türkei begonnen, ihre Truppen und auch die von ihr
       bewaffneten Milizen zurückzuziehen.
       
       [6][Die kurdischen Bewohner von Afrin durften dann nach Jahren der
       Vertreibung in ihre Heimat zurückkehren.] Doch sunnitische Milizen, die mit
       Ankara, aber auch mit Damaskus eng verbunden sind, haben dort weiterhin das
       Sagen. Oft sind beispielsweise die Häuser der früheren kurdischen Bewohner
       von Milizionären besetzt – und die Rückkehrer wissen nicht wohin. Andere
       Häuser sind zerstört, der Wiederaufbau kostet viel Geld.
       
       Es wird noch einige Zeit dauern, bis sowohl im Nordirak als auch in
       Nordsyrien wieder so etwas wie eine Normalität zurückkehrt.
       
       25 Sep 2026
       
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