# taz.de -- Geopolitik in Nahost: Iraks neuer Premier Ali al-Zaidi wird umgarnt
> Er ist noch nicht einmal gewählt, doch die USA und die Türkei klopfen
> bereits in Bagdad an. Ihr Ziel: den Einfluss Irans kontern.
(IMG) Bild: Er soll’s richten: Iraks designierter neuer Premier Ali al-Zaidi
Erst Trump, dann Erdoğan. Noch ist der neue irakische Ministerpräsident Ali
al-Zaidi nicht offiziell gewählt, da wird er schon vom US-amerikanischen
und türkischen Präsidenten umworben. Zuerst lud Donald Trump al-Zaidi am
30. April ein, möglichst bald nach Washington ins Weiße Haus zu kommen.
Dann folgte Erdoğan am 2. Mai, der al-Zaidi am Telefon darauf festlegen
wollte, dass er doch bitte die wirtschaftlichen und politischen
Verabredungen einhalten solle, die die türkische Regierung mit seinem
Vorgänger Mohammad Shia al-Sudani getroffen hatte. Dabei geht es um
milliardenschwere Infrastrukturprojekte und eine Verständigung über die
Zusammenarbeit gegenüber der kurdischen PKK, die sich seit langem im
Nordirak aufhält.
Beiden gemeinsam, sowohl Trump als auch Erdoğan, geht es insgesamt darum,
die irakische Regierung im Lager des Westens zu halten und das Land nicht
völlig in die Einflusssphäre Irans weggleiten zu lassen. Ein Unterfangen,
das durch den US-Angriff in Iran wesentlich komplizierter geworden ist, als
es vorher der Fall war.
## Wer ist Ali al-Zaidi?
Bis zur Wahl im November letzten Jahres wurde der Irak von Mohammed Shia
al-Sudani geführt. Sudani führte zwar eine Koalition schiitischer Parteien
an, versuchte aber ziemlich erfolgreich die Souveränität des Irak sowohl
gegenüber Washington als auch gegenüber dem großen Nachbarn Iran zu
verteidigen. Al-Sudani zeichnete sich als pragmatischer Macher aus, der
nach Jahrzehnten der Kriege und Bürgerkriege endlich wieder begann, im Irak
für etwas Normalität und wirtschaftlichen Aufschwung zu sorgen.
Entsprechend wurde er bei den Wahlen belohnt, seine Parteienallianz lag
weit vorne – doch für Sudani war es trotzdem das Ende. Im Hintergrund zog
der langjährige Ex-Ministerpräsident Nuri al-Maliki die Fäden und setzte
durch, dass er statt Sudani von den schiitischen Parteien erneut zum
Ministerpräsidenten ernannt werden sollte. Doch Maliki ist eindeutig ein
Mann Irans. Und so drohte Donald Trump, die USA würden ihre gesamte
Unterstützung für den Irak einstellen, wenn Maliki erneut Premier werden
würde. Zähneknirschend zog Maliki zurück. Und die Parteienallianz einigte
sich auf den jungen, politisch völlig unerfahrenen Geschäftsmann und
Technokraten Ali al-Zaidi.
Im Gerangel um den Posten des Ministerpräsidenten wurde al-Zaidi letztlich
gekürt, weil er als Chef der islamischen Al-Janoob-Bank als
Wirtschaftsfachmann gilt, der das Land weiter nach vorne bringen kann.
Allerdings wurde seine Bank von der irakischen Zentralbank 2024 schon
einmal gerügt, weil sie angeblich in Geldwäsche zugunsten Irans verwickelt
gewesen sein soll.
Seit die USA und Israel vor sechs Wochen ihre Angriffe auf Iran begannen,
stockt der politische Prozess im Irak. Iran beschoss den kurdischen
Nordirak und schiitische Milizen lieferten sich Artillerie-Duelle mit
US-Stellungen. Seit dem Waffenstillstand hat sich die Lage wieder beruhigt
und al-Zaidi versucht nun, eine Regierung zu bilden, die dann vom Parlament
bestätigt werden muss – was allerdings nur noch eine Formsache ist, weil
die schiitische Koalition eine Mehrheit im Parlament hat.
## 500.000 Barrel Öl pro Tag
Angesichts der wirtschaftlichen Lage drängt die Zeit. Wegen der gesperrten
Straße von Hormus kann der Irak den größten Teil seines Öls nicht auf den
Weltmarkt bringen und will nun sein Öl vom Süden in den Norden bei Kirkuk
pumpen, um es von dort zum türkischen Ölhafen in Ceyhan weiterzuleiten.
Laut dem irakischen stellvertretenden Ölminister Mohammad Hudair seien bis
zu 500.000 Barrel pro Tag möglich.
Dafür müsste aber ein Vertrag mit der Türkei, der im Juli letzten Jahres
geschlossen wurde, in Kraft gesetzt werden. Die Türkei, die dringend
Öllieferungen braucht, drückt deshalb jetzt auch aufs Tempo.
5 May 2026
## AUTOREN
(DIR) Jürgen Gottschlich
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