# taz.de -- Amnestiegesetz in der Türkei: Ein gefährliches Spiel
> Das PKK-Gesetz in der Türkei ist ein historischer erster Schritt, dem
> weitere folgen müssen. Beim Poker mit Erdoğan müssen die Kurden
> aufpassen.
(IMG) Bild: Nur ein taktisches Spiel von ihm? Der türkische Präsident Erdoğan
Wir haben Geschichte geschrieben“ – davon ist ein großer Teil der
Abgeordneten des türkischen Parlaments nach der [1][Verabschiedung des
PKK-Gesetzes] überzeugt. Aber stimmt das auch? Ist das Gesetz über eine
mögliche Teilamnestierung ehemaliger PKK-Mitglieder ein historischer
Schritt, der den Weg für einen Friedensprozess mit der verbotenen
kurdischen Arbeiterpartei ebnet? Oder nur eine zynische Taktik von
Präsident Recep Tayyip Erdoğan, um die kurdische DEM-Partei für seinen
Machterhalt zu instrumentalisieren?
Historisch ist zumindest die Debatte über das Gesetz, wenn man sie als
[2][Einstieg in eine Gleichberechtigung der Kurden] in der Türkei ansieht.
Seit Gründung der Republik 1923 galten die Kurden als rückständiges
Bergvolk, das es zu assimilieren galt. Sprache und Kultur wurden
unterdrückt, Kurden galten oft als Bürger zweiter Klasse.
Dagegen wandten sich ab Mitte der 60er Jahre etliche kurdische Gruppen, die
für ihre Identität und Selbstbestimmung kämpften. Die radikalste wurde die
PKK, die für das Ziel eines eigenständigen kurdischen Staats oder zumindest
einer regionalen Autonomie das Land ab 1984 in einen blutigen Bürgerkrieg
stürzte, in dem sowohl das Militär als auch die PKK [3][massive
Kriegsverbrechen begingen]. Nach einer letzten, besonders brutalen
bewaffneten Auseinandersetzung in mehreren kurdischen Städten 2015/16 war
die PKK militärisch erschöpft und zog sich in den Nordirak zurück.
Bis dahin waren alle Versuche einer politischen Lösung gescheitert, jetzt
gibt es einen ersten Schritt. Immerhin. Gemessen [4][an dem
gesellschaftlichen Problem] ist das Gesetz allerdings völlig unzulänglich.
Die Frage ist, ob da noch mehr kommt. Die kurdische DEM-Partei hofft, dass
damit ein Anfang für die Gleichberechtigung gemacht ist, dem nun weitere
Demokratisierungsschritte folgen.
## Erdoğan will wieder antreten
Es wäre ein Segen für die Türkei, doch die Realität sieht anders aus. Der
Verfolgungsdruck auf politisch aktive Kurden hat zwar nachgelassen,
stattdessen lässt Erdoğan die erstarkte säkulare Opposition massiv
verfolgen – seinen aussichtsreichsten Konkurrenten [5][hat er ins Gefängnis
gesteckt]. Obwohl es die Verfassung verbietet, will Erdoğan bei den Wahlen
2028 noch einmal antreten. Dafür braucht er die Stimmen der DEM.
Ist die PKK-Debatte für den türkischen [6][Präsidenten also nur ein
taktisches Spiel], um die DEM an sich zu binden, wie Kritiker mutmaßen?
Einerseits ja, andererseits verändert aber schon die Debatte die Realität.
Die Kurden wollen die Hoffnung nicht aufgeben, aber wenn sie mit Erdoğan
mitspielen wollen, müssen sie höllisch aufpassen, nicht unter die Räder zu
kommen.
12 Aug 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Wolf Wittenfeld
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