# taz.de -- Reform-Diskussion nach AfD-Wahlerfolg: Die Wirtschaft will ein Weiter-so
> Die Debatte über Sozialreformen ist nach der Wahl neu entfacht. Während
> die Wirtschaft auf ihre Umsetzung drängt, fordern Gewerkschaften eine
> Korrektur.
(IMG) Bild: Gesprächsbedarf hat diese Regierung immer: CDU-Kanzler Merz und SPD-Finanzminister Klingbeil während der vergangenen Klausurtagung
Der AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt hat die Diskussion über die geplanten
Sozialstaatsreformen neu entfacht. Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände
reagieren alarmiert. „Das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist
ein historisches Warnsignal für alle Demokratinnen und Demokraten“, teilte
der [1][Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB)] in einem Statement mit. Die
Hauptgeschäftsführerin des Industrieverbandes BDI, Tanja Gönner, warnte,
dass eine mögliche AfD-Regierungsübernahme „für die international vernetzte
und exportorientierte deutsche Wirtschaft ein negatives Signal“ sei.
Was Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften in ihrer Bewertung des
Wahlausgangs eint: Grenzkontrollen, Euro-Austritt und Massenabschiebungen,
wie sie die AfD will, sind weder gut für die Unternehmen noch für ihre
Beschäftigten. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) warnt, dass
mehr als sieben Millionen deutsche Jobs an der Währungsunion hängen.
Gleichzeitig lässt sich die Lücke, die durch den Renteneintritt
geburtenstarker Jahrgänge auf dem Arbeitsmarkt entsteht, laut
DIHK-Präsident Peter Adrian „nicht durch Abschottung schließen, sondern nur
durch qualifizierte Zuwanderung und bessere Erwerbsbeteiligung“.
Wie die AfD gestoppt werden kann, darüber herrscht Uneinigkeit. Die
Bundesregierung hat vor der Sommerpause umfassende Reformen angekündigt,
darunter die Abschaffung der [2][Rente mit 63]. Mit ihnen will Kanzler
Friedrich Merz (CDU) die Wirtschaft nach Jahren der Konjunkturflaute wieder
fit machen. Vor allem aber gehen viele der geplanten Reformen zulasten der
Beschäftigten, während die Unternehmen von ihnen profitieren. Folglich ist
die Diskussion nach der Wahl wieder voll entbrannt.
„Die Antwort auf dieses Landtagswahlergebnis darf kein politischer
Stillstand im Bund sein“, fordert BDI-Hauptgeschäftsführerin Gönner. „Wir
brauchen jetzt keine neue Analyse, sondern bis Jahresende eine wirksame
Umsetzung der Entscheidungen, die unsere Wirtschaft wettbewerbsfähiger und
zukunftsfester machen“, pflichtet DIHK-Präsident Adrian bei. Die vor dem
Sommer von der Bundesregierung angekündigten Reformen etwa bei den
Arbeitskosten und beim Bürokratieabbau müssten jetzt mutig und konsequent
umgesetzt werden.
## DGB plant Aktionstag gegen Sozialabbau
Der DGB hingegen mobilisiert schon länger für den 26. September zu einem
Aktionstag gegen die geplanten Reformen. In 15 Großstädten wollen die
Gewerkschaften unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine
Gesundheit. Deine Rente“ gegen die Reformpläne protestieren. Demokratie
gewinne Vertrauen nicht durch taktische Debatten, sondern durch konkrete
Verbesserungen im Alltag der Menschen, erklärte der DGB nach der Wahl.
Der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Werneke, macht
deswegen die Bundesregierung mitverantwortlich für das Wahlergebnis in
Sachsen-Anhalt: „In Berlin wird ein falscher Kurs gefahren, der
wirtschaftlich und politisch fatale Auswirkungen hat.“ Sozialkürzungen wie
die von Union und SPD spalteten die Gesellschaft, verunsicherten die
Menschen und bringen die Konjunktur nicht voran, fordert Werneke eine
Kurskorrektur von der Bundesregierung.
Diese scheint in der Reformfrage ähnlich gespalten zu sein wie die
Sozialpartner. „Die Reformen jetzt infrage zu stellen, wäre die völlig
falsche Antwort“, warnte Kanzleramtsstaatssekretär Philipp Amthor (CDU) am
Montagmorgen im Deutschlandfunk. Für Finanzminister und [3][SPD-Chef Lars
Klingbeil] ist das Wahlergebnis hingegen „Signal an Berlin“ und ein Grund
„über den Reformkurs der Bundesregierung“ nachzudenken.
7 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simon Poelchau
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