# taz.de -- UN-Vollversammlung in New York: Donald Trump zwischen Kriegstreiber und Friedensstifter
       
       > Der US-Präsident nutzt die Generalversammlung der Vereinten Nationen ein
       > weiteres Mal zur Selbstinszenierung. Themen waren unter anderem der Krieg
       > in Iran.
       
 (IMG) Bild: US-Präsident Donald Trump trifft sich im UN-Hauptquartier mit dem Golf-Kooperationsrat im Rahmen der UN-Generalversammlung
       
       Von Wahlkampf über Standpauke bis hin zu kleinen Hoffnungsschimmern. Alles
       dies war in US-Präsident Donald Trumps Rede vor der diesjährigen
       [1][UN-Vollversammlung] in New York enthalten. Das Rampenlicht gehörte ihm
       allein, als er am Dienstagmorgen Ortszeit die Weltbühne betrat. Und
       trotzdem wirkte der mittlerweile 80-Jährige weniger elanvoll als sonst. Die
       Dinge laufen für ihn aktuell nicht besonders gut, weder innenpolitisch noch
       darüber hinaus.
       
       Nachdem er im vergangenen Jahr zur globalen Schelte ausgeholt hatte, legte
       er in diesem einen etwas freundlicheren Ton an den Tag. Seine Kritik an den
       UN und anderen multilateralen Organisationen konnte er sich trotzdem nicht
       verkneifen.
       
       „Während andere nur redeten, habe ich gehandelt. Während andere von Frieden
       sprachen, habe ich ihn geschaffen“, sagte Trump.
       
       Dominiert wird der UN-Gipfel auch in diesem Jahr wieder von anhaltenden
       Konflikten. Allen voran der [2][Krieg in Iran], den die USA zusammen mit
       Israel vor mehr als sechs Monaten vom Zaun gebrochen hatten.
       
       Trotz der negativen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die bisher
       fehlgeschlagene Diplomatie verkündete Trump, dass er weiterhin am längeren
       Hebel sitzen würde.
       
       ## Abkommen oder Auslöschung?
       
       „Ich stehe vor einer wichtigen Entscheidung. Wird es zu einem Abkommen mit
       Iran kommen […]? Oder vernichte ich die Islamische Republik […]?“, drohte
       Trump. Beobachter zeigten sich erstaunt, dass der US-Präsident nicht davor
       zurückschreckte, vom Podium der UN ein mögliches Kriegsverbrechen in
       Aussicht zu stellen.
       
       Die Entscheidung, wie es weitergehen soll, hängt natürlich auch vom Regime
       in Teheran ab. Ein anschließendes Treffen zwischen Vertretern der
       Trump-Regierung und der iranischen Delegation soll laut Trump gut verlaufen
       sein. Die Chancen, dass der Krieg noch vor den bevorstehenden
       amerikanischen Kongresswahlen im November ein Ende finden könnte, seien
       jedoch eher gering. „Sie warten ab, wie ich bei den Midterms abschneide“,
       sagte Trump.
       
       Die iranische Delegation verließ während Trumps Rede den Saal, nur eine
       Person blieb sitzen. Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian soll später
       am Mittwoch vor der UN sprechen.
       
       Der syrische Präsident [3][Ahmed al-Scharaa], der am Mittwochmorgen
       Ortszeit am zweiten Tag die Generaldebatte eröffnete, äußerte sich in
       seiner Rede nicht zum Iran-Krieg. Er führte damit seine neutrale Haltung
       fort.
       
       Er erklärte allerdings, dass sein Land nach Jahren des Bürgerkriegs im
       Aufbruch sei. „Vor einem Jahr stand ich zum ersten Mal seit 60 Jahren vor
       Ihnen, um mein Volk zu vertreten. […] Letztes Jahr erklärte ich, dass
       Syrien zurückgekehrt sei; heute sage ich, dass Syrien aufsteigt.“
       
       Trotz Syriens Rückkehr in die internationale Gemeinschaft liegt noch viel
       Arbeit vor der al-Scharaa-Regierung, um die Folgen des Krieges zu
       bewältigen. Als Gefahr sieht er das Vorgehen der israelischen Regierung und
       deren anhaltende Besatzung der Golanhöhen. „Die Golanhöhen werden syrisches
       Gebiet bleiben“, machte er klar.
       
       Er forderte Israel dazu auf, der UN-Sicherheitsratsresolution 497 zu
       folgen, die die Annexion der Golanhöhen durch Israel für nichtig erklärte.
       Gleichzeitig gibt es immer wieder Berichte, dass Israel in den Golanhöhen
       Siedlungen errichten wolle.
       
       ## Trump macht Wahlkampf vor den Midterms
       
       In den USA hat der Iran-Konflikt den innenpolitischen Druck auf Trump und
       seiner republikanischen Partei erhöht. Zugeben wollte er dies während
       seiner Rede jedoch nicht. Er bejubelte vielmehr seine eigene
       Wirtschaftspolitik. Und auch die allseits bekannte Kritik an seinem
       Vorgänger Joe Biden durfte nicht fehlen.
       
       „Unsere Wirtschaft wird von der ganzen Welt beneidet. Unser Militär ist das
       mächtigste der Erde. Unsere Technologie ist unübertroffen, und wir sind in
       praktisch allen Bereichen führend. Unsere Energie treibt den Planeten an.
       Amerika steigt auf. Unsere Nation wächst. Unsere Macht nimmt zu. Unserem
       Land geht es besser als je zuvor, und unsere Zukunft ist überaus
       vielversprechend“, erklärte Trump.
       
       Für viele Amerikaner sind solche Wahlkampfaussagen realitätsfremd, wie
       Umfragen immer wieder bestätigen. Neue Höchstpreise bei Diesel und anderen
       Treibstoffen setzten der Landwirtschaft sowie anderen Branchen enorm zu.
       
       Er macht zudem deutlich, dass die USA ihren Besitzanspruch über die
       westliche Hemisphäre weiter Nachdruck verleihen wollen. Die Militäraktion,
       die zum Sturz des ehemaligen venezolanischen Präsidenten Nicholas Maduro
       geführt hat, sei möglicherweise nur der Anfang gewesen.
       
       „Dem Sieger gehört die Beute. […] Unser Vorgehen in Venezuela beweist, dass
       die Vereinigten Staaten es nicht länger dulden werden, dass Bedrohungen
       irgendwo in der westlichen Hemisphäre Fuß fassen. Und falls nötig, werden
       wir unsere unvergleichliche militärische Stärke einsetzen, um die
       lebenswichtigen nationalen Interessen der Vereinigten Staaten zu wahren“,
       sagte Trump.
       
       Beim Thema Ukraine gab sich Trump äußerst zuversichtlich. Seine Regierung
       würde eng mit Russland und der Ukraine zusammenarbeiten, um den
       Angriffskrieg Moskaus endlich zu beenden. Der ukrainische Präsident
       Wolodymyr Selenskyj erklärte nach seinem Treffen mit Trump erneut, dass
       sein Land bereit wäre, Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur
       einzustellen, wenn sich Moskau ebenfalls dazu bereit erkläre. Auch
       trilateralen Gesprächen zeigte sich Selenskyj offen gegenüber.
       
       Einen Durchbruch erwarten trotzdem nur wenige. Trump machte in seiner knapp
       38-minütige Rede deutlich, dass die Interessen der USA unter seiner Führung
       immer an erste Stelle stehen werden, egal was die UN oder andere
       internationale Organisationen sagen.
       
       „Die Vereinten Nationen besitzen ein enormes Potenzial […] aber sie müssen
       damit aufhören, die linke Agenda globalistischer Bürokraten durchzusetzen,
       die niemals von irgendjemandem gewählt wurde“, beschwerte sich Trump.
       
       Amerikas Verbündete haben erkannt, dass die aktuelle Regierung in
       Washington wenig von multilateralen Allianzen hält. Neue Bündnisse scheinen
       vorerst die Lösung zu sein, um diese Isolation der USA zu umgehen. Kanadas
       Annäherung an die EU und andere Nationen ist ein Beispiel dafür.
       
       Am Mittwoch soll unter anderem der iranische Präsident Massud Peseschkian
       vor den UN sprechen.
       
       23 Sep 2026
       
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