# taz.de -- Massaker-Opfer in Iran: Der Widerspruch der Väter
       
       > Vor der UN-Generalversammlung machte Irans Präsident Massud Peseschkian
       > Terroristen und den Mossad für die Januar-Massaker verantwortlich.
       > Angehörige der Opfer widersprechen.
       
 (IMG) Bild: Der iranische Präsident Massud Peseschkian im UN-Hauptquartier in New York City, USA
       
       Als im Januar innerhalb von nur zwei Tagen Tausende Demonstranten in Iran
       ums Leben kamen, entwickelte das iranische Regime sehr schnell seine eigene
       Darstellung der Ereignisse: Mossad-Agenten und bewaffnete Terroristen
       hätten die Menschenmassen unterwandert und zu der „Tragödie“ geführt, bei
       der nach Angaben der UN [1][weit mehr als die von der iranischen Regierung
       genannte Zahl von 3.038 Menschen starben].
       
       Nun nutzte die iranische Regierung die Bühne der UN-Generalversammlung bis
       zum 28. September, um genau dieses Narrativ in die Welt zu tragen. Bei
       seiner Rede vor der UN und in Interviews mit westlichen Medien wie Fox News
       und Face the Nation wiederholte der iranische Präsident Massud Peseschkian
       die üblichen Talking Points und nannte die Massenproteste einen „versuchten
       Staatsstreich“. Meist ohne nennenswerten Widerspruch seitens der
       Journalisten.
       
       Doch seit einigen Tagen sind es die Angehörigen der Opfer selbst, die dem
       iranischen Präsidenten – unter Gefahr für ihr Leib und Leben – öffentlich
       widersprechen.
       
       Bemerkenswert an den Videos, die verschiedene Väter getöteter
       Demonstrant*innen online gestellt haben, ist die Ruhe, mit der sie die
       Behauptungen ihres Präsidenten widerlegen.
       
       ## Sohn unter Leichenbergen gesucht
       
       Da ist beispielsweise der [2][Vater von Sepehr Shokri], einem
       Demonstranten, der 25 Jahre alt war, als er am 8. Januar um 21.20 Uhr im
       Osten Teherans von einem militärischen Projektil aus der Höhe in der Brust
       getroffen und getötet wurde. Vielen Iraner*innen ist Sepehrs Vater
       bereits schmerzlich bekannt. [3][Unmittelbar nach den Massakern] wurde ein
       Video veröffentlicht, in dem er 12 Minuten lang schluchzend unter
       Leichenbergen nach seinem ermordeten Sohn sucht.
       
       In der Antwort auf Peseschkian argumentiert Shokri nun kühl-rational: „Ich
       möchte dem Präsidenten Peseschkian sagen, der vor der UN unsere Söhne als
       bewaffnete Aufrührer und Terroristen bezeichnet hat: Auf welcher Basis
       machen Sie diese Aussagen? (…) Ich fordere Teherans Polizeichef und den
       Chef der Kriminalpolizei dazu auf, alle Überwachungskameras in dem Gebiet
       zu überprüfen.“ Schließlich hält Shokri den iranischen Machthabern den
       Spiegel ihres eigenen Glaubens vor: „Imam Hossein sagt: ‚Sag die Wahrheit,
       auch wenn sie nicht zu deinen Gunsten ausfällt.‘ Sind Sie etwa nicht in der
       schiitischen Lehre bewandert, Herr Peseschkian?“
       
       ## Mit zwei Schüssen in die Brust getötet
       
       Ein weiterer Vater stellt sich mit dem Bild seines Sohnes, des getöteten
       Architekturstudenten Erfan Abdipour, vor die Kamera. Abdipour wurde in der
       Nähe des Aryashahr-Platzes in Teheran, wo er sich nach der Arbeit im
       Restaurant des Bruders den Protesten anschloss, von zwei Kugeln in der
       Brust getroffen. Mit geschlossenen Augen antwortet der Vater auf den
       Vorwurf des versuchten Staatsstreichs: „Rund um den Aryashahr-Platz gibt es
       weder Militärkasernen noch sonstige sicherheitsrelevante Gebäude, was hätte
       mein Sohn dort also ‚einnehmen‘ sollen?“
       
       Ähnliche Statements, in Video- und in Schriftform, machten Dutzende weitere
       Angehörige, Brüder, Schwestern, Väter und Mütter. In persischsprachigen
       sozialen Medien wurden die Videos tausendfach geteilt. [4][Unabhängige
       Berichte von Amnesty International] und einer UN-Untersuchungskommission,
       die jeweils im September veröffentlicht wurden, stützen die Aussagen der
       Angehörigen. Demnach hätten iranische Regimekräfte durch die Massentötungen
       im Januar systematisch „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ begangen.
       
       ## UN-Generalversammlung als Bühne genutzt
       
       Die iranischen Machthaber dürften dennoch zufrieden sein. Denn es ist ihnen
       gelungen, die UN-Generalversammlung als große PR-Show zu nutzen. Die
       Realität der Repression und der Terrorfinanzierung wischte man beiseite,
       stattdessen inszenierte Peseschkian Iran als Opfer von „versuchten
       Staatsstreichen“ und „amerikanischem Terrorismus“.
       
       Teil dieser Strategie waren wohl auch die Treffen mit hochrangigen
       EU-Politikern, wie mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas oder mit dem
       deutschen Außenminister Wadephul. Diese Nähe und ihre legitimierende
       Wirkung sucht Iran offenbar proaktiv, wie die [5][Grüne EU-Parlamentarierin
       Hannah Neumann] auf der Plattform X nahelegt: Auch sie sei zu einem Treffen
       mit dem iranischen Botschafter eingeladen worden. Im Gegensatz zu anderen
       Politikern lehnte sie die Einladung ab.
       
       1 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Protestwelle-im-Iran/!6148368
 (DIR) [2] https://www.instagram.com/reels/Dd376R1B4Rk/
 (DIR) [3] /Proteste-im-Iran/!6144539
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 (DIR) [5] /!vn6170705/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Teseo La Marca
       
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