# taz.de -- Hitze in Kolumbien: Feuer, Erdbeben und kaum staatliche Hilfe in Kolumbien
> Das schwere Erdbeben im August hat andere Lagen fast verdrängt: die
> Waldbrände. Dank „Superniño“ ist es extrem heiß und trocken.
(IMG) Bild: Im August 2026 wüteten die Brände im Departamento Tolima, Kolumbien, mit am heftigsten
[1][Es sind Bilder wie aus der Hölle.] Tiere verbrennen, das Vieh hat keine
Weide mehr, kein sauberes Wasser. Familien haben ihr Zuhause verloren.
Limetten, Mango, Avocado, Kakao und Kochbananen sind Asche. Den
Bauernfamilien droht eine Hungersnot nach dem Inferno. Es wird Jahre
dauern, bis die Bäume nachwachsen und wieder Früchte tragen werden. Wie
durch ein Wunder wurden bislang keine Toten gemeldet. Und das Feuer frisst
sich weiter.
Die Szenerie spielte sich vor rund zwei Wochen ab. Damals wüteten die
Brände im Departamento Tolima mit am heftigsten. Bitter ist, dass
ausgerechnet diese Region auch Schaden durch das Erdbeben Anfang August
genommen hat. Gouverneurin Adriana Matiz rief, als es brannte, Armee und
Luftwaffe um Hilfe. Staatliche Feuerbekämpfer*innen blieben lange
rar. [2][Mittlerweile sind allein in Tolima] etwa 50.000 Hektar den Flammen
zum Opfer gefallen, 28.000 Menschen sind betroffen.
Freiwillige Dorffeuerwehren und Bauernfamilien kämpfen großteils allein
gegen die Flammen, die neben ihren landwirtschaftlichen Flächen den
tropischen Trockenwald verschlingen, ein hochgefährdetes Ökosystem. Soziale
Organisationen wie das Gletscherschutz-Kollektiv Cumbres Blancas und die
Vereinigung der Bergführer Tolima, die enge Beziehungen zu den Bauern
pflegen und Umweltbildung betreiben, kämpfen seit Wochen an ihrer Seite.
## Nach Erdbeben Notfall ausgerufen
Als am 10. August dann auch noch die Erde mit einer Stärke von 7,4 bebte,
rief das Departamento Tolima den Notfall aus, weil die Waldbrände außer
Kontrolle geraten waren. [3][Wie die Nachrichtenagentur Baudó berichtet],
hatten diese schon am 16. Juni begonnen. Bauern erwähnten erste Brände im
Mai. Doch die lokalen Regierungen unternahmen nichts. 11 der 19 aktiven
Waldbrände sind in Tolima. Es brennt aber auch in Nariño, Valle del Cauca,
Cundinamarca, Caldas und Antioquia sowie in den Bergen über der
Hochhauskulisse der zweitgrößten Stadt Medellín.
Es ist eine Katastrophe, die sich seit Monaten angekündigt hatte. Das
kolumbianische Institut für Hydrologie, Meteorologie und Umweltstudien
(Ideam) warnte seit März davor, dass ein „Superniño“ kommen würde, eine
Extremform des El-Niño-Phänomens, das in Kolumbien extreme Hitze und
Trockenheit bringt. Doch die linke Regierung von Gustavo Petro hatte nicht
ausreichend in Prävention investiert. Die damalige Umweltministerin Irene
Vélez stellte zwar ein Maßnahmenpaket vor. Umgesetzt wurde es aber nicht,
wo es heute brennt.
Eduardo Vélez, Fachmann für integriertes Katastrophenrisikomanagement mit
Erfahrung unter anderem bei der UN, [4][fordert einen Aktionsplan mit
eigenem Budget für die Multikrise], die Superniño bringt: eigene Geldtöpfe
jeweils für Dürre, Brände, Gesundheit und Energie – statt wie bisher eine
Reihe von Notdekreten, die alle um denselben Geldtopf konkurrierten. In
Kolumbien herrsche eine „Kultur der Reaktion“. Das Budget und der Wille zur
Prävention seien zu knapp.
## „Wir bewegen uns erst, wenn es Tote gibt“
Die meisten Waldbrände gehen auf Menschen zurück, heißt es bei der
Nationalen Stelle für Katastrophenrisikomanagement: Nachlässigkeit,
bäuerliche Praktiken, die bei Extremtrockenheit außer Kontrolle geraten,
womöglich Brandstiftung.
Präsident Abelardo de la Espriella rief beim Ortsbesuch in Tolimas
Hauptstadt Ibagué den Notstand aus, um Hilfsgelder schneller zu
mobilisieren. [5][Er sprach von „kriminellen Händen“], die hinter den
Bränden steckten. „Sie nutzen das Feuer, um die Landschaft zu zerstören,
unsere Bauern zu schikanieren, Ernten und Tiere zu vernichten und Angst in
der Bevölkerung zu schüren.“ Gouverneurin Adriana Matiz verdächtigte
Farc-Dissidenten, die Feuer gelegt zu haben. Benzin und Brandbeschleuniger
seien jedenfalls gefunden worden.
Doch es könnten auch andere Interessen dahinterstecken, warnen [6][Senator
Kevin Gómez Paz] und der [7][Abgeordnete Renzo García], beide vom linken
Pacto Histórico: Auf weiten Teilen der Brandgebiete oder in angrenzenden
Gebieten seien Bergbauschürfrechte angefragt oder vergeben.
13 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.instagram.com/p/DcT9exblDji/?img_index=1
(DIR) [2] https://www.larepublica.co/economia/incendios-forestales-dejan-50-000-hectareas-y-28-000-productores-afectados-en-tolima-4471398
(DIR) [3] https://www.instagram.com/p/DchUpxNm0z2/?img_index=1
(DIR) [4] https://youtu.be/njOh_EqCuWg?si=Bu2fqHh4lAp-vgiv
(DIR) [5] https://elpais.com/america-colombia/2026-08-30/en-el-epicentro-de-los-incendios-que-abrasan-a-colombia-tenemos-que-prepararnos-para-una-hambruna-y-una-crisis-economica.html
(DIR) [6] https://www.instagram.com/p/DcomtgUReDY/?igsi=MTBwcTN1b3VwOHl1aQ==
(DIR) [7] https://www.instagram.com/p/DctNRjqIA33/?img_index=1
## AUTOREN
(DIR) Katharina Wojczenko
## TAGS
(DIR) Kolumne Hitzschlag
(DIR) Kolumbien
(DIR) El Niño
(DIR) Waldbrände
(DIR) Erdbeben
(DIR) Hitze
(DIR) Kolumne Hitzschlag
(DIR) Kolumne Hitzschlag
(DIR) Hitze
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Hitze in Libanon: Da hilft nur schwarzer Humor
Die Sommerhitze überstehen Libanes*innen in teuren Strandresorts und
mit umweltschädlichen Klimaanlagen. Die Regierung hat keine bessere Lösung
als Erdgas aus Israel.
(DIR) Sommerhitze in Japan: „Grausam heiße Tage“ über 40 Grad
Kein Land entwickelt so viele kreative Ideen wie Japan, um mit der Hitze
klarzukommen. Ein Überblick über japanische „Hitze-Gadgets“.
(DIR) Wie Skandinavien mit heißen Tagen umgeht: Auch Rentiere suchen Schutz vor der Hitze
Eine Hitzewelle überrollte 2025 Norwegen, Schweden und Finnland – mit
Folgen für Fauna und Flora. Die Länder haben daraus gelernt.