# taz.de -- Wetterphänomen El Niño: El Niño lässt Argentiniens Flüsse über die Ufer treten
       
       > Die Weltwetterorganisation und die Vereinten Nationen warnen eindringlich
       > vor den Folgen des Wetterphänomens. Oxfam fordert mehr Geld, um sie
       > abzufedern.
       
 (IMG) Bild: Wenn die Meeresoberfläche hier am Pazifik vor der Küste Lateinamerikas wärmer wird, hat das weltweit Einfluss aufs Wetter
       
       Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und die Vereinten Nationen (UN)
       schlagen Alarm. Beide Organisationen haben am Mittwoch vor einer
       beispiellosen Erwärmung der Meeresoberfläche im Pazifischen Ozean [1][im
       Zusammenhang mit dem Wetterphänomen „El Niño“ gewarnt]. Schätzungen zufolge
       wird die Meeresoberflächentemperatur im zentralen und östlichen
       äquatorialen Pazifik zwischen November und Januar bis zu 3,8 Grad über dem
       Durchschnitt liegen und damit jeden bisherigen Höchststand übertreffen.
       
       „Wir haben in der Vergangenheit noch nie einen Wert von 3,8 Grad
       verzeichnet“, erklärte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo. Das Ereignis
       könnte „eine beispiellose Intensität aufweisen, die buchstäblich die
       Messskalen sprengt“, so die argentinische Expertin. Es werde schwerwiegende
       klimatische und soziale Störungen auf mehreren Kontinenten nach sich
       ziehen.
       
       „Wir können El Niño zwar nicht verhindern, aber wir können viele seiner
       schwerwiegendsten Folgen für den Menschen abwenden“, fügte Saulo hinzu.
       Ähnlich äußerte sich der UN-Untersekretär Tom Fletcher: „Dieses
       [2][El-Niño-Ereignis ist ein kolossales Phänomen]. Es ist eine regelrechte
       zerstörerische Kraft“, warnte der für humanitäre Hilfe zuständige
       UN-Funktionär.
       
       Das Wetterphänomen El Niño tritt alle zwei bis sieben Jahre auf und
       beeinflusst weltweit das Klima. Sein Ausgangsort liegt vor der
       ecuadorianischen Pazifikküste. Wenn sich das Oberflächenwasser dort
       ungewöhnlich stark erwärmt, kann El Niño entstehen: Die höhere
       Oberflächentemperatur verändert Wasser- und Luftströmungen, was in vielen
       Teilen der Welt Auswirkungen auf Temperaturen und Niederschlagsmuster hat.
       Bereits Mitte Juni hatte die WMO das Auftreten von El Niño bestätigt.
       Experten rechnen in den kommenden Monaten mit dem stärksten El Niño seit
       Beginn der Aufzeichnungen.
       
       ## Überschwemmungen in Argentinien
       
       El Niño und der Klimawandel sind zwar unterschiedliche Phänomene, sie
       hängen aber miteinander zusammen. Die Kombination aus langfristiger
       Erderwärmung und El Niño [3][kann Hitzewellen verschärfen und Dürren],
       Starkregen oder die Entstehung von Waldbränden begünstigen. Welche Folgen
       tatsächlich auftreten, hängt von der jeweiligen Region ab.
       
       Laut der Hilfsorganisation Oxfam sind Millionen von Menschen nicht genügend
       vor den Folgen des Wetterphänomens geschützt. Besonders im Globalen Süden
       fehlten Hilfsmittel zur Vorbereitung auf Dürren und Überflutungen, teilte
       Oxfam am Donnerstag in Berlin mit. Oxfam zufolge stehen für die Bewältigung
       von El Niño weltweit nur rund 450 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Beim
       bisher stärksten El Niño 2015 und 2016 habe es einen Finanzierungsaufruf
       von über 5 Milliarden US-Dollar gegeben. Oxfam forderte, die humanitären
       Gelder, die zuletzt etwa in Deutschland und den USA deutlich eingedampft
       wurden, schnell aufzustocken.
       
       Für Argentinien bedeutet El Niño in der Regel mehr Niederschläge und
       Hochwasser. Schon jetzt sind die Folgen zu spüren. Seit einigen Monaten
       führen heftige Regenfälle im Süden Brasiliens und im Norden Argentiniens
       zum Anstieg der Wasserabflussmenge in der Cuenca del Plata. Das
       La-Plata-Becken ist ein riesiges Wassereinzugsgebiet, dessen Flüsse Paraná,
       Iguazú, Paraguay und Uruguay in den Río de la Plata münden, der schließlich
       in den Atlantik fließt.
       
       Aus der Provinz Corrientes werden bereits Überflutungen einzelner Orte
       gemeldet. Der Paraná erreichte in Corrientes am vergangenen Montag einen
       Pegel von 8,24 Metern und übertraf damit den bisherigen Höchststand von
       2023, als 8,07 Meter gemessen wurden. Auch erste Todesopfer sind zu
       beklagen. Zwei Männer wurden bei dem Versuch, ihre Rinder vor [4][dem
       steigenden Wasser] in Sicherheit zu bringen, offenbar von der Strömung
       mitgerissen und ertranken.
       
       22 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://wmo.int/secretariat/celeste-saulo/el-nino-and-humanitarian-action
 (DIR) [2] /El-Nino-im-Klimawandel/!6208343
 (DIR) [3] /Hitze-in-Kolumbien/!6209279
 (DIR) [4] /Debatte-um-Klimahilfen-fuer-arme-Laender/!5809379
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jürgen Vogt
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) El Niño
 (DIR) Argentinien
 (DIR) Pazifik
       
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