# taz.de -- Neues Rundfunkgesetz in Bayern: Blasmusik statt Blase
> Die Söder-Regierung will dem Bayerischen Rundfunk zeigen, wie guter
> Journalismus geht. Die Eckpfeiler hat sie in einen Gesetzentwurf
> geschrieben.
(IMG) Bild: Söder fordert, der bayerischen Blasmusik einen größeren Resonanzraum zu geben
Bayerns Staatsregierung ist offensichtlich unzufrieden mit dem Bayerischen
Rundfunk. Eine wegen des [1][Medien-Reformstaatsvertrags der Bundesländer]
notwendige Gesetzesnovelle soll deshalb nun auch dazu dienen, der
viertgrößten ARD-Anstalt ihre Grenzen aufzuzeigen. Am Donnerstag ging es im
Bayerischen Landtag in die erste Lesung.
Teuer und ineffizient sei der Bayerische Rundfunk, schimpfen Markus Söder
und seine Staatsregierung schon seit Jahren. Um ihn zukunftsfähig zu
machen, müsse er schlanker werden und sich stärker auf das Eigentliche
konzentrieren, fordert daher der für Medien zuständige
[2][Staatskanzleichef Florian Herrmann]. Das Eigentliche, das ist nach
Herrmanns Ansicht der Kernauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks:
eine Grundversorgung mit Information, Bildung und Kultur.
Für sie schreibt der Gesetzentwurf künftig im Dritten Programm eine
Mindestquote von 60 Prozent vor. Vor allem aber soll mit dem Programm die
gesamte Breite der Bevölkerung angesprochen werden. „Wir wollen nicht, dass
die Programmgestaltung einseitig ist oder nur bestimmte Blasen anspricht,
nur bestimmte Milieus anspricht“, so Herrmann in der Landtagsdebatte, „wo
sich andere dann ausgeschlossen fühlen und sich die Frage stellen: Da
kommen gar keine Dinge vor, die mich interessieren.“
## Angst vor Kampagnenjournalismus
Im Gesetzestext soll das dann so lauten: „Das Gesamtprogramm darf nicht
einseitig einer Partei oder Gruppe, einer Interessengemeinschaft, einem
Bekenntnis oder einer Weltanschauung dienen.“
Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, das gibt auch der Minister zu, doch
offenbar waren die Zweifel in der Staatsregierung gewachsen, der BR komme
diesem pluralistischen Auftrag nicht mehr im nötigen Maß nach. Eine
Begründung für dieses Misstrauen nannte Herrmann nicht. Die
Grünen-Abgeordnete Sanne Kurz kritisierte denn auch, die Regierung wolle
den BR ans Gängelband nehmen.
Früher stand der BR, besonders das Bayerische Fernsehen, eher im Verdacht,
[3][zu einseitig im Sinne der regierenden CSU] zu berichten. Inzwischen
kommt die stärkste Kritik an den öffentlich-rechtlichen Anstalten von der
AfD, die sie etwa als „Kartellmedien“ oder ideologisch gelenkten
„Staatsfunk“ diskreditiert.
Bei der AfD sind es dann allerdings linke Ideologie und Meinungsmache, die
man aus den Programmen der Sender heraushören will. So sprach der vom
Bayerischen Verfassungsschutz beobachtete AfD-Abgeordnete [4][Benjamin
Nolte] in der Debatte nur vom „Bayerischen Linksfunk“, dessen Programm
wahlweise links, ganz links, linksradikal oder linksextremistisch sei.
Alles offenbar nur eine Frage des eigenen politischen Standorts.
Aber auch Herrmann hatte bereits die Befürchtung artikuliert, der BR könnte
„Kampagnenjournalismus“ betreiben, als im Frühjahr der erste – noch etwas
schärfere – Entwurf des neuen Gesetzes vorgelegt wurde. Besonders groß
scheint die [5][Skepsis gegenüber dem mittlerweile beliebten Format des
Faktenchecks] zu sein. Faktenchecks unterlägen künftig laut Gesetzentwurf
„in besonderer Weise den anerkannten journalistischen Grundsätzen“. Hier
sei besonders auf „die Trennung von Meinung und Tatsachenbehauptung“ zu
achten.
## „Wie der Senf zur Wurst“
Konkret sieht die Reform darüber hinaus eine Reduzierung der
Hörfunkprogramme von bisher zehn auf künftig sechs vor sowie verstärkte
Kooperationen mit anderen Sendern – nicht nur mit ARD-Anstalten, sondern
auch mit dem ZDF und Privatsendern. Zudem soll der Rundfunkbeitrag
festgeschrieben werden.
Auch in die Musikauswahl will die Regierung eingreifen. In den
BR-Radiosendern sollen fortan Musik bayerischer, deutscher und europäischer
Künstler „besonders vertreten“ sein, nicht nur „angloamerikanischer
Mainstream“, wie es Herrmann nennt.
[6][Ministerpräsident Söder ist es vor allem ein Anliegen], bayerischer
Blasmusik einen größeren Resonanzraum zu geben. Bei der
CSU-Fraktionsklausur in Kloster Banz vor wenigen Wochen forderte er, sie
dürfte nicht mehr in den hinteren Teilen des Programms versteckt werden.
Und kurz darauf schrieb er auf Instagram: „Blasmusik gehört zu Bayern wie
der süße Senf zur Weißwurscht. Bei der Reform des Bayerischen Rundfunks
setzen wir uns dafür ein, dass sie den Platz bekommt, der ihr zusteht.“
Wenn alles nach dem Willen der Staatsregierung geht, kann das Gesetz zum 1.
Januar 2027 in Kraft treten.
16 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Reformstaatsvertrag-in-Kraft/!6134232
(DIR) [2] /CSU-Klausur-in-Kloster-Banz/!6215392
(DIR) [3] /BR-Chef-und-der-bayrische-Wahlkampf/!5175688
(DIR) [4] https://www.br.de/nachrichten/bayern/afd-abgeordneter-warum-der-verfassungsschutz-nolte-beobachtet,VRY31GE
(DIR) [5] https://www.youtube.com/shorts/xDZU6NtMmJk
(DIR) [6] /Buch-ueber-Bayerns-Weg-in-die-Moderne/!6068700
## AUTOREN
(DIR) Dominik Baur
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