# taz.de -- Medien im Weißen Haus: US-Sender nehmen Trump „off air“ in Solidarität mit CNN
       
       > In den USA hatte die Regierung CNN und anderen Sendern den Zutritt zum
       > Weißen Haus verboten. Medienpool-Mitglieder zeigen sich solidarisch –
       > auch Fox.
       
 (IMG) Bild: Darf nicht mehr ins Weiße Haus: CNN-Korrespondent Vaughn Hillyard
       
       Als US-Präsident Donald Trump am Montagnachmittag in New York landete, war
       keiner der großen amerikanischen TV-Sender vor Ort. Grund ist der aktuelle
       Streit zwischen dem Weißen Haus und drei amerikanischen Medienunternehmen,
       [1][CNN], Politico und MS Now (ehemals MSNBC). Laut dem US-Präsidenten
       sollen diese drei über Jahre hinweg immer wieder „Fake News“ über ihn und
       seine Regierung verbreitet haben.
       
       Diese unbelegten Behauptungen waren Grund genug, den Journalist:innen
       dieser Konzerne, wie am vergangenen Wochenende bereits geschehen, den
       Zutritt zum Weißen Haus zu verbieten. Gleichzeitig flog CNN aus der für
       diesen Monat vorgesehenen Rotation des sogenannten Nachrichtenpools, deren
       Mitglieder Trump auf Schritt und Tritt begleiten.
       
       Da ursprünglich CNN am Montag als begleitender Fernsehsender eingeteilt
       war, gab es eben keine Bilder von Trump in New York. Dieser traf sich dort
       im Vorfeld der UN-Vollversammlung mit dem New Yorker Bürgermeister Zohran
       Mamdani und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron.
       
       Die vier anderen TV-Sender, die im amerikanischen Nachrichtenpool vertreten
       sind, ABC, CBS, NBC und auch das [2][zuvor besonders Trump-nahe Fox News],
       hatten sich zudem aus Solidaritätsgründen geweigert, den unerwartet frei
       gewordenen Platz von CNN in der Rotation zu übernehmen.
       
       ## Auch Fox zeigt sich solidarisch
       
       „Die Öffentlichkeit hat ein erhebliches Interesse daran, genaue und
       unabhängige Informationen über ihre Regierung zu erhalten. Keine Regierung
       sollte eine Nachrichtenorganisation einschränken, weil sie deren
       Berichterstattung missbilligt“, erklärten die Mitglieder des
       Nachrichtenpools – Fox, ABC, CBS, CNN und NBC – in einer gemeinsamen
       Stellungnahme am Montag.
       
       Noch vor der Veröffentlichung der Presseerklärung verkündeten die
       Mitglieder des Nachrichtenpools, dass der TV-Pool „mit sofortiger Wirkung“
       keine Veranstaltungen des Präsidenten mehr ausstrahlen werde. „Dies
       geschieht in Reaktion auf die Entscheidung des Weißen Hauses, CNN daran zu
       hindern, seine zugewiesenen Pool-Aufgaben wahrzunehmen. Es wird kein
       Ersatz-Pool eingesetzt“, teilte die Gruppe mit.
       
       Dass es trotzdem Bilder von Trumps Reise nach New York gab, lag daran, dass
       Streamingdienste sowie andere TV-Sender, die nicht Teil des
       Nachrichtenpools sind, die Veranstaltungen des Präsidenten weiterhin
       begleiten dürfen. Auch berichten weiterhin Journalisten von Zeitungen,
       Radio und Agenturen über den Präsidenten.
       
       Bei der Eröffnungsfeier des neuen Hubschrauberlandeplatzes im Weißen Haus,
       die ebenfalls am Montag abgehalten wurde, zeigte sich jedoch, was passiert,
       wenn der TV-Pool nicht dabei ist. Die laute Hintergrundkulisse und das
       fehlende technische Know-how der TV-Sender bedeutete, dass Trump zu keiner
       Sekunde zu hören war.
       
       ## Medienkonzerne verklagen die Regierung
       
       Die drei Medienunternehmen, die aufgrund von Trumps Ankündigung am Freitag
       ihren Zugang zum Weißen Haus verloren hatten, haben am Montag zudem
       offiziell Klage eingereicht. In ihrer Anklage erklärten CNN, Politico und
       MS Now, dass der Entzug der Akkreditierung ein klarer [3][Verstoß gegen die
       Pressefreiheit] sei, die im ersten Zusatzartikel der amerikanischen
       Verfassung garantiert ist.
       
       „Seit den frühesten Tagen der Republik haben Präsidenten Kritik an Tonfall
       und Inhalt der Presseberichterstattung geübt. Doch wie der Supreme Court
       bereits bestätigt hat, spiegelt der erste Verfassungszusatz –
       einschließlich der darin verankerten Pressefreiheit – ein tief verwurzeltes
       nationales Bekenntnis […] wider“, heißt es in der Anklageschrift.
       
       Angriffe auf die Pressefreiheit sind in der Trump-Regierung nichts Neues.
       Immer wieder werden in Trumps zweiter Amtszeit Journalist:innen dafür
       bestraft, dass sie kritisch über Trump und dessen Regierungsarbeit
       berichten. Auch beschimpft und beleidigt Trump Medienvertreter in
       regelmäßigen Abständen.
       
       Für Medienbeobachter und Presseorganisationen ist das Verhalten der
       Regierung besorgniserregend. Aus dem Weißen Haus gibt es bislang keinerlei
       Anzeichen dafür, dass man das Verbot zurücknehmen wolle.
       
       Vielmehr gab die Regierung den Start von „Trump TV“ bekannt. Die erste
       Liveübertragung auf dem neuen Streamingkanal soll Trumps Rede am Dienstag
       bei der UN-Vollversammlung sein, die für 9.55 Uhr (15.55 Uhr deutscher
       Zeit) geplant ist.
       
       22 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nachruf-auf-CNN-Gruender-Ted-Turner/!6177049
 (DIR) [2] /Tucker-Carlson-Neuerdings-finden-sogar-Linke-manche-seiner-Positionen-gut-was-ist-da-los/!6192629
 (DIR) [3] /US-Journalisten-Verband-reicht-Klage-ein/!6207915
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) US-Medien
 (DIR) CNN
 (DIR) Fox News
 (DIR) Weißes Haus
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Fox News gegen Trump: Keine Helden der Pressefreiheit
       
       Fox schließt sich dem Boykott von US-Medien gegen Trump an. Das zeigt: Der
       rechte Sender stellt sich quer, wenn er eigene Interessen gefährdet sieht.
       
 (DIR) David Ellison: Hollywoods neuer Milchbubi-Mogul
       
       Paramount übernimmt Warner Brothers. Trump-Freund David Ellison wird zum
       mächtigsten Mann der US-Unterhaltungsbranche. Doch hat er wirklich das
       Sagen?
       
 (DIR) US-Journalisten-Verband reicht Klage ein: Trump attackiert erneut Pressefreiheit
       
       Journalisten in den Vereinigten Staaten drohen neue Visa-Beschränkungen.
       US-Verbände befürchten Einschnitte für die Berichterstattung, auch aus
       Deutschland kommt Kritik.
       
 (DIR) Reaktionärer Medienstar: Carlson mit Dachschaden
       
       Tucker Carlson ist eine der Schlüsselfiguren der US-Rechten. Neuerdings
       finden sogar Linke manche seiner Positionen gut. Was ist da los?
       
 (DIR) Nachruf auf CNN-Gründer Ted Turner: Einer mit Sendungsbewusstsein
       
       Todesmutig setzte er in den 1970er-Jahren aufs Kabelfernsehen – und machte
       „Breaking News“ zum Standard: CNN-Gründer Ted Turner ist tot.