# taz.de -- Fox News gegen Trump: Keine Helden der Pressefreiheit
> Fox schließt sich dem Boykott von US-Medien gegen Trump an. Das zeigt:
> Der rechte Sender stellt sich quer, wenn er eigene Interessen gefährdet
> sieht.
(IMG) Bild: Ohne Fox und Co: Präsident Trump bei der Eröffnung eines Hubschrauberlandeplatzes am Weißen Haus in Washington
Als Trump am Montag einen neuen Hubschrauberlandeplatz am Weißen Haus
einweihte, ließ der US-Präsident es sich nicht nehmen, ein paar Worte zu
sagen. Nur waren diese Worte für die Betrachter des Videomaterials nicht zu
verstehen. Der Grund: Vor Trumps Gesicht fehlten die Mikrofone der großen
TV-Sender. Der verbalisierte Bewusstseinsstrom verhallte in der Leere.
Die großen Medienhäuser [1][weigern sich aktuell, über Trump zu berichten].
Nachdem Trump die Sender CNN und MS NOW und das Portal „Politico“ in den
vergangenen Wochen wegen negativer Berichterstattung aus dem Pressepool des
Weißen Hauses ausgeschlossen hat, solidarisierten sich andere Medien.
Selbst der rechte Sender Fox News schloss sich der Boykott-Aktion an. Kein
Medientross mehr, der dem Präsidenten auf Schritt und Tritt folgt.
Dass selbst ein Sender aus dem Rupert-Murdoch-Imperium bei der Aktion
mitmacht, mag erst mal überraschen. Für viele gilt Fox News als
Haus-und-Hof-Sender des Präsidenten. Was ist da also los? Hat Fox auf
einmal sein Rückgrat gefunden? Sind sie jetzt Teil der „Resistance“? Wohl
kaum.
Auch wenn eine [2][breite Front gegen Trumps Angriff] auf die Presse zu
begrüßen ist, sollte man sich über die Motive von Fox keine Illusionen
machen. Der Fox-Eigentümer Murdoch verfolgt hier schlicht seine
Geschäftsinteressen. Wenn es ihm und seinem Konzern nutzt,
Hofberichterstattung über Trump zu liefern und dessen Angriffe auf die
ganze Palette bürgerlicher Freiheiten zu ignorieren, dann tut der Sender
das. Wenn er denkt, es nutzt ihm, sich gegen den Präsidenten zu stellen,
dann tut er das.
## Beziehungsstatus? Es ist kompliziert
Das Verhältnis von Trump zu Fox News war schon immer von Widersprüchen
geprägt. Für Trump ist Fox im besten Fall ein Sprachrohr, in dessen
Morgen-Shows er sich einwählen kann, um seine Linie zu verbreiten. Für den
Sender ist die Berichterstattung über Trump ein Zuschauermagnet, der den
Umsatz steigert. Mehr Trump bedeutet höhere Einschaltquoten. Aus diesem
Grund berichten nicht nur Fox, sondern auch liberalere Sender über jede
noch so banale Dummheit des Präsidenten.
Wenn es aber – wie in diesem Fall – um einen Ausschluss von Medien durch
Trump geht, dann müssen auch die Verantwortlichen bei Fox das als direkten
Angriff auf ihre Interessen sehen, nämlich frei zu berichten. Denn auch Fox
weiß, dass sie nicht vor Trumps Zorn geschützt sind, dass es auch sie
treffen kann. Und zumindest hinter den Kulissen lästern viele
Fox-Journalisten über den Präsidenten.
Ein Beispiel für die schwierigen Beziehungen zwischen Fox und dem
Präsidenten ist die Berichterstattung über Trumps Lüge von der gestohlenen
Wahl 2020. Mitarbeiter von Fox, und sogar Murdoch selbst, bezeichneten
Trumps Behauptungen in privaten Nachrichten [3][als unglaubwürdig und
„verrückt“]. Öffentlich hingegen stellte sich der Sender hinter die „Big
Lie“ vom massiven Wahlbetrug.
Als der Sender am Wahlabend Bidens Sieg im umkämpften Bundesstaat Arizona
vermeldet hatte, stürzte sich die Trump-Fanbase mit wütenden Nachrichten
auf Fox. Dessen Ratings sackten in den darauffolgenden Wochen ab. Noch im
Wahlkampf 2024 zeigte sich Fox eher dem Trump-Rivalen Ron DeSantis
zugeneigt, schwenkte dann aber wieder zurück, als sich Trump durchsetzte.
## Klage wegen eines Geburtstagsbriefs
Auch ist es nicht das erste Mal, dass sich das Medienhaus des News-Tycoons
im offenen Streit mit Trump befindet. So verklagt der Präsident aktuell das
Murdoch-Blatt Wall Street Journal (WSJ), nachdem die konservative Zeitung
einen Geburtstagsbrief veröffentlicht hat, den Trump dem pädokriminellen
Menschenhändler Jeffrey Epstein geschickt haben soll. Trump behauptet, der
Brief habe nie existiert, und fordert 10 Milliarden US-Dollar
Schadensersatz.
Auch in diesem Streit geht es nicht um höhere Prinzipien, sondern um die
Interessen des Zeitungshauses. Und auch, wenn man Trumps Politik beim WSJ
in einigen Punkten zugeneigt ist, so wäre es doch geschäftsschädigend
gewesen, den skandalösen Brief zurückzuhalten. Es gibt keinen Grund, wieso
auch die Murdoch-Medien ihre Interessen hier nicht selbstbewusst gegenüber
Trump vertreten sollten, zumal der 80-Jährige gerade politisch in den
Seilen hängt.
Die Kritik der rechten Medien wird dabei natürlich vor allem auf die Person
Trumps abzielen. Was unterbleibt, ist eine echte Kritik am Kern seiner
Politik, die am Ende den Interessen des Kapitals dient – und damit auch
Rupert Murdochs Interessen.
22 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Medien-im-Weissen-Haus/!6215227
(DIR) [2] https://www.bbc.com/news/articles/c8dx5dy5rzz2o
(DIR) [3] https://www.theguardian.com/media/2023/mar/12/fox-news-donald-trump-relationship
## AUTOREN
(DIR) Leon Holly
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