# taz.de -- Nachruf auf CNN-Gründer Ted Turner: Einer mit Sendungsbewusstsein
       
       > Todesmutig setzte er in den 1970er-Jahren aufs Kabelfernsehen – und
       > machte „Breaking News“ zum Standard: CNN-Gründer Ted Turner ist tot.
       
 (IMG) Bild: Er war stets auf Sendung: CNN-Gründer Ted Turner, hier 1988 in einem Studio in Atlanta, Georgia
       
       Das CNN-Büro Berlin, Mitte der 1990er Jahre. Auf jedem Fax stand BERLIN in
       Fraktur und Großbuchstaben, darüber prangte das Brandenburger Tor. Der
       NS-Bezug war unmissverständlich. Ted Turner hatte Spaß an solch kleinen
       Sticheleien. Täglich kam aus Atlanta via Compuserve ein Spruch über das
       damals brandneue Medium E-Mail. Nicht im Sinne einer religiösen
       Tageslosung, Turner war Agnostiker. Ein Prediger vor dem Herrn war er
       trotzdem.
       
       „Wenn du dich an einen Punkt bringen kannst, an dem du keine Angst mehr vor
       dem Sterben hast, kannst du viel schneller vorankommen“, war eines seiner
       vielen Motti. Und so machte Turner auch seine Geschäfte. Todesmutig, wie
       damals viele in der Branche fanden, setzte er in den 1970er Jahren aufs
       Kabelfernsehen und bot den großen US-Networks wie CBS, ABC und NBC die
       Stirn.
       
       Der Durchbruch kam 1976, als ihm die Regulierungsbehörden erlaubten, das
       TV-Signal per Satellit zu verbreiten. 1980 gründete Turner sein Cable News
       Network (CNN), weil er im Nachrichtengeschäft eine Marktlücke sah, denn die
       meisten anderen Kabelsender brachten zwar Filme und Unterhaltung, aber
       keine News.
       
       „Wir werden uns nicht verabschieden, bis die Welt untergeht. Wir werden auf
       Sendung bleiben und das Ende der Welt live übertragen – das wird unsere
       letzte Sendung sein“, hatte Turner breitbeinig vor dem Sendestart erklärt.
       1991 übertrug CNN dann weltweit zwar nicht den Weltuntergang, sondern per
       Nachtsichtkamera das Bombardement auf Bagdad im ersten Golfkrieg. Seitdem
       war das 1985 von ihm gegründete CNN International aber weltweiter Taktgeber
       im Nachrichtengeschäft und machte „Breaking News“ zur Norm. Als am 11.
       September 2001 der Terror über die USA hereinbrach, übertrug auch die ARD
       einfach die Bilder von CNN, mit einem tapfer darüberquatschenden Ulrich
       Wickert auf der Tonspur.
       
       ## Er war ein Maverick
       
       Auch wenn CNN erfolgreich war und Turner 1991 vom Time Magazine zum „Mann
       des Jahres“ gekürt wurde: Er blieb ein Maverick, ein unkonventioneller
       Einzelgänger, und legte auch spektakuläre Fehlinvestitionen hin. Parallel
       zum Aufbau von CNN in aller Welt hatte er Mitte der 1980er Jahre auch das
       legendäre Hollywoodstudio Metro Goldwyn Meyer gekauft und sich damit so
       übernommen, dass er alles bis auf das Filmarchiv umgehend wieder veräußern
       musste.
       
       Ähnlich ging es auch mit dem Turner Broadcasting System an sich zu Ende.
       1995 fusionierte TBS mit dem damals größten US-Medienkonzern Time Warner,
       Turner wurde Chef der konzernweiten Kabel-TV-Sparte. 2001 übernahm AOL dann
       in der allgemeinen Internet-Euphorie Time Warner, doch noch im gleichen
       Jahr platzte die Dotcom-Blase und ein Hauptaktionär namens Ted Turner war
       um 8 Milliarden Dollar ärmer.
       
       ## Für Bisons, gegen Atomwaffen
       
       Bis 2003 blieb Turner noch im Management des Konzerns und konzentrierte
       sich danach auf seine philanthropische Arbeit und seine Bison-Farmen, mit
       denen er das in den Weiten des amerikanischen Westens fast ausgerottete
       Tier erhalten wollte. Turner war auch lebenslang gegen die nukleare
       Bedrohung aktiv und sorgte sich an seinem 75. Geburtstag 2013 öffentlich,
       dass die Atomwaffenarsenale der USA und Russlands das Ende der Welt noch zu
       seinen Lebzeiten besiegeln könnten.
       
       Sein Lieblingsfeind im wirklichen Leben hieß [1][Rupert Murdoch], der den
       eigentlich typisch südstaatenkonservativen Turner und sein CNN schon immer
       für zu liberal hielt und ihm 1996 Fox News als ultrakonservative Konkurrenz
       entgegensetzte.
       
       Dass US-Präsident Donald Trump Turner jetzt als „einen der Großartigsten
       aller Zeiten“ preist und gleichzeitig [2][wieder auf das „woke“ CNN
       eindrischt], ist an Ironie nicht zu überbieten. Wehren kann er sich leider
       nicht mehr. Robert Edward „Ted“ Turner III ist am 6. Mai im Alter von 87
       Jahren in Lamont im US-Bundesstaat Florida verstorben.
       
       7 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Rupert-Murdoch/!6102684
 (DIR) [2] /Umbau-der-Presse/!6167437
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimberg
       
       ## TAGS
       
 (DIR) CNN
 (DIR) Rupert Murdoch
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Lineares Fernsehen
 (DIR) Fernsehen
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Kolumne Flimmern und Rauschen
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) USA
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) US-News-Sendung „60 Minutes“: Hart und nicht fair
       
       Mit der Zerstörung der CBS-Nachrichtensendung „60 Minutes“ geht ein
       weiteres Stück US-Pressefreiheit verloren. Sehr zu kümmern scheint das aber
       niemanden.
       
 (DIR) Zum Abschied von Alexander Stock: Wer Intendanten kommen und gehen sieht
       
       Der ZDF-Sprecher Alexander Stock geht in Rente. Fast 25 Jahre reagierte der
       Sender seinetwegen zurückhaltend, manchmal sogar überlegt und – beruhigte.
       
 (DIR) US-Medienlandschaft: Kein Platz für kritisches Fernsehen
       
       Die US-Regierung geht aggressiv gegen regierungskritische Berichterstattung
       vor. Das nächste Opfer des Umbaus: der prominente Fernsehsender CNN.
       
 (DIR) Abgesetzte US-Late-Night-Show: Jimmy Kimmel kehrt zurück
       
       Disney macht nach Gesprächen mit dem Late-Night-Talker eine Kehrtwende.
       Regionalsender, die bisher die Show ausstrahlten, reagieren eher ablehnend.
       
 (DIR) Milliardäre bedrohen die Pressefreiheit: Lautsprecher für Rechtsextreme
       
       In den USA und Deutschland manipulieren Techplattformen und Medienkonzerne
       von Superreichen die Öffentlichkeit.