# taz.de -- US-Journalisten-Verband reicht Klage ein: Trump attackiert erneut Pressefreiheit
       
       > Journalisten in den Vereinigten Staaten drohen neue Visa-Beschränkungen.
       > US-Verbände befürchten Einschnitte für die Berichterstattung, auch aus
       > Deutschland kommt Kritik.
       
 (IMG) Bild: Du darfst sprechen! Trump zeigt im Oval Office auf einen Reporter (27.8.2026)
       
       Unter den ausländischen Korrespondenten und Reportern, die aus den USA
       berichten, herrscht derzeit große Aufregung. Grund dafür sind die von der
       US-Regierung angekündigten Änderungen im Visa-Verfahren, die im kommenden
       Monat in Kraft treten sollen. Die Visa-Gültigkeitsdauer für ausländische
       Journalisten würde dann drastisch verkürzt werden. Künftig sollen die
       meisten Journalisten-Visa auf acht Monate begrenzt werden. Bislang waren
       Aufenthalte von bis zu fünf Jahren möglich.
       
       Mehrere Organisationen, darunter der amerikanische Journalisten-Verband
       [1][The NewsGuild,] haben Klage gegen die geplanten Änderungen eingereicht.
       Die Kläger wollen eine einstweilige Verfügung erzielen, um die neuen
       Beschränkungen vorerst auszusetzen. „Diese Regeländerungen sind nur ein
       weiterer Versuch dieser Regierung, die Berichterstattung talentierter
       Journalisten zu unterbinden. […] Unsere Demokratie ist auf Journalismus
       angewiesen, und der Journalismus hängt von Journalistinnen und Journalisten
       aller Art ab“, sagte der Präsident von The NewsGuild Jon Schleuss in einer
       Erklärung.
       
       Die Trump-Regierung unterbreitete bereits im August 2025 den Vorschlag, die
       Visumsdauer für Journalisten zu verkürzen. Das Heimatschutzministerium DHS
       begründet seine Entscheidung damit, dass Visumsinhaber einer gründlicheren
       Überprüfung unterzogen werden müssten und das aktuelle System
       Sicherheitslücken aufweise.
       
       ## Sanktionen zu Berichterstattung befürchtet
       
       Mehr als 100 internationale Medienorganisation und Verbände, die sich für
       Pressefreiheit einsetzen, haben seit letztem Jahr die US-Regierung dazu
       aufgefordert, von ihrem Vorhaben Abstand zu nehmen. Sie erklärten, dass ein
       solches System ein hohes Potenzial für staatlichen Missbrauch schaffe. Das
       Heimatschutzministerium hat in der Vergangenheit Personen die Einreise in
       die USA aufgrund von Äußerungen und Posts in den sozialen Medien
       verweigert. Nun könnte sie das neue Visasystem nutzen, um kritische
       Berichterstattung gezielt zu sanktionieren, warnte die Organisation
       Reporter ohne Grenzen.
       
       Auch deutsche Medien haben die neuen Regelungen öffentlich kritisiert. Der
       Deutsche Journalistenverband forderte die Bundesregierung dazu auf, in
       Washington gegen die geplante Kürzung der Visa-Laufzeiten für
       internationale Journalisten zu intervenieren. Die öffentlich-rechtlichen
       Sender sowie mehrere private Medienhäuser baten Bundeskanzler Friedrich
       Merz und Außenminister Johann Wadephul um Hilfe in der Angelegenheit. Diese
       sollten „alle Ihnen zur Verfügung stehenden politischen und diplomatischen
       Mittel“ nutzen, um die freie Berichterstattung aus den USA zu sichern und
       einen „bedenklichen Präzedenzfall“ zu verhindern, hieß es in einem
       Schreiben.
       
       Unterzeichnet wurde dieses Schreiben von ARD, ZDF, ProSiebenSat.1, RTL
       Deutschland, Deutschlandradio und Deutsche Welle sowie den
       Verlegerverbänden BDZV und MVFP. Nach Ablauf der ersten 240 Tage, für die
       ein Journalistenvisum künftig Gültigkeit haben soll, sei es laut
       US-Regierung möglich, eine Verlängerung, um jeweils weitere 240 Tage zu
       beantragen. Doch das Verfahren hierzu sei umständlich und unklar, heißt es
       bei den Medienhäusern.
       
       ## Pressevertreter sollen Social-Media-Accounts offenlegen
       
       Die Tatsache, dass ausländische Pressevertreter künftig auch ihre
       Social-Media-Accounts offenlegen werden müssen, stößt ebenfalls auf große
       Ablehnung. Die US-Regierung zensiere damit indirekt die Berichterstattung
       von ausländischen Korrespondenten, da diese aus Sorge, ihnen könnten die
       Einreise in die USA verweigert werden, womöglich in Zukunft keine
       kritischen Berichte über die USA mehr teilen würden.
       
       „Die USA haben sich stets für die Meinungs- und Pressefreiheit eingesetzt,
       doch [2][diese Politik verstößt direkt gegen diese Werte]. In den USA
       sollten Journalisten frei von staatlicher Zensur und politischem Druck
       berichten können“, erklärte Ben Grazda von Reporter ohne Grenzen. „Der
       Kongress muss handeln, um sicherzustellen, dass ausländische Journalisten
       ungehindert arbeiten und ihrerseits aus den USA über Themen berichten
       können, die für ihr Publikum in der Heimat von Bedeutung sind.“
       
       Neben Journalisten soll auch die Gültigkeitsdauer von Visa von
       ausländischen Studierenden und Austauschschülern künftig zeitlich stärker
       begrenzt werden. Eine Gruppe von amerikanischen Hochschulen, die ebenfalls
       zu den Klägern im Prozess gehören, bezeichnete die angekündigten Änderungen
       als „katastrophal“ für Universitäten, Studierende und Wissenschaftler.
       
       28 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://newsguild.org/
 (DIR) [2] /Kampf-um-Pressefreiheit-in-USA/!6205617
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hansjürgen Mai
       
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