# taz.de -- Wahlmanipulation in den USA: Von „Gerrymandering“ bis Wahlmaschinenklau
> In den USA versucht die Trump-Regierung mit verschiedenen Mitteln die
> Midterm-Wahlen zu beeinflussen. Demokraten und Zivilgesellschaft halten
> dagegen.
(IMG) Bild: Wahlmaschinen für die Wahlen in Georgia werden in einem Büro gelagert. Die Trump-Regierung versucht alles, die Midterm-Wahlen zu beeinflussen
Die US-Demokraten konnten in der vergangenen Woche für einen kurzen Moment
aufatmen. Dass [1][der Supreme Court Donald Trumps Versuche, sich in das
Briefwahlverfahren einzumischen, abschmetterte], gab in dieser angespannten
Zeit vor den Midterms zumindest einen kleinen Anlass zur Hoffnung.
Vielleicht, so schien es, bekommt Trump doch keinen Freifahrtschein für
sein aktenkundiges Begehren, sich mit allen Mitteln an die Macht zu
klammern.
Doch die vielen Demokraten in und außerhalb der gleichnamigen Partei, die
sich um die Integrität der Wahl und der Demokratie sorgen, ließen trotzdem
nicht locker. Am Freitag unterschrieb Gouverneur Gavin Newsom in
Kalifornien ein Paket von 13 Gesetzen, die dazu gedacht sind, die Wahlen in
Kalifornien vor jedweder Einmischung zu schützen.
Zu den Maßnahmen gehört das Verbot Wahlzettel, Wählerlisten oder
Wahlmaschinen zu beschlagnahmen, bevor das Wahlergebnis zertifiziert ist.
Dahinter steckt die Angst, dass beispielsweise Trumps Justizministerium
unter irgendeinem Vorwand Unterlagen oder Technologie an sich nehmen
könnte, bevor alle Stimmen ausgezählt sind. Die Befürchtung ist nicht
grundlos: Im vergangenen Jahr hatte ein republikanischer Sheriff in
Kalifornien 650.000 Wahlzettel wegen des angeblichen Verdachts einer
falschen Auszählung beschlagnahmt.
Ein anderes Gesetz verbietet Verhaftungen in unmittelbarer Nähe von
Wahllokalen, es sei denn, sie gründen auf dem Verdacht der
Wahlmanipulation. Das Gesetz will verhindern, dass das
Heimatschutzministerium oder die Einwanderungspolizei ICE Wahlberechtigte
ohne konkreten Verdacht auf einen Rechtsbruch verschleppen, bevor sie ihre
Stimme abgeben können.
## „Es herrscht Bürgerkriegsstimmung“
Newsoms Initiative ist jedoch nur einer der Belege für die wachsende
Nervosität vor dem 3. November. „Es herrscht Bürgerkriegsstimmung“, sagte
der kalifornische Juraprofessor Justin Levitt. Niemand traut niemandem.
Dass etwa aufgepeitschte Republikaner sich als Beamte ausgeben und
versuchen, Wahlmaschinen zu stehlen, ist eine konkrete Befürchtung, auf die
Wahlhelfer im ganzen Land vorbereitet werden.
Die Verunsicherung liegt in der Luft, seit Trump das Wahlergebnis 2020
angezweifelt hat und bis heute anzweifelt. Obwohl sowohl Gerichte als auch
seriöse Nachrichtenorganisationen immer wieder die Sicherheit und
Legitimität des Wahlsystems bestätigt haben, hat Trump mit seinen
andauernden Attacken auf die Wahlen Skepsis und Verwirrung gesät.
Die Stimmung wird durch Aktionen wie Trumps Versuch, die Briefwahl zu
bürokratisieren, ständig gefüttert. Es war nicht die erste und nicht die
letzte Maßnahme, mit der die Regierung das Vertrauen der Wähler in den
Wahlprozess untergräbt. So hat das Justizministerium versucht, eine Reihe
von Bundesstaaten per Klage dazu zu bewegen, ihre Wählerlisten
preiszugeben.
Bundesbeamte haben den gezielten Auftrag, Wählerlisten nach
Nichtwahlberechtigten zu durchkämmen. Die Beweislage ist extrem dünn.
Belegbare Fälle des Wahlbetrugs bleiben, wie die New York Times berichtet,
in den USA auch auf einem vernachlässigbaren Niveau.
## Klare Strategie hinter Manipulation
Die bisherigen Versuche der Regierung, die Midterms zu unterwandern,
entsprechen vielmehr einer klaren Strategie, die der Thinktank Center for
American Progress, in einem ausführlichen Dossier dargelegt hat. Dabei geht
es um das langfristige Ziel, die „imperiale Präsidentschaft“ zu festigen
und die amerikanische Demokratie endgültig auszuhebeln.
Zu den 15 Punkten der Strategie, die das Center aufführt, gehören das
Mindern der Wählermacht durch „Gerrymandering“, die Instrumentalisierung
von Justiz- und Heimatschutzministerium, um Wähler einzuschüchtern und die
Beschäftigung von Wahlskeptikern in Wahlaufsichtsbehörden. Letzteres hat,
gemäß einer neuen Recherche des Atlantic Magazines, bereits im ganzen Land
massiv stattgefunden.
Als letzte mögliche Maßnahmen der Regierung, die Wahl zu entwerten, nennt
das Center den Einsatz des Militärs und die Erklärung eines nationalen
Notstandes. Schritte, die bislang noch extrem erscheinen, aber der
Trump-Regierung durchaus zuzutrauen sind. Verteidigungsminister Hegseth
etwa ist Nachfragen, ob er dazu bereit wäre, ausgewichen. Und Trump hat
mehrfach sein Bedauern geäußert, 2020 nicht eingeschritten zu sein.
Immerhin sind die Demokraten nun vorbereitet. So haben die demokratischen
Parteiorganisationen in den Einzelstaaten in der vergangenen Woche das
sogenannte „New Battlefield Project“ bekanntgegeben. Mehr als 10.000
Freiwillige sollen innerhalb des Projekts am Wahltag versuchter
Wahlmanipulation oder Einschüchterung entgegenwirken. Gleichzeitig bereiten
sich unabhängige Gruppen wie Indivisible mit einem Netzwerk von
Hunderttausenden darauf vor, am Wahltag auf Manipulationsversuche zu
reagieren.
Die Taktiken, die sie anwenden möchten, stammen zu einem großen Teil aus
dem Widerstand gegen [2][ICE in Minnesota] zu Beginn des Jahres. Sollten
sie sich am Wahltag vor den umkämpften Wahllokalen bewaffneten Truppen oder
Regierungsbeamten gegenübersehen, könnte es freilich zu gefährlichen
Situationen kommen. So stellen sich die Vereinigten Staaten auf eine
Zwischenwahl ein, wie es sie dieses Land noch nicht erlebt hat. Immerhin
räumte Jane Kleeb, die Direktorin des New Battlefield Project, ein, dass es
auch ruhig bleiben könnte. Ihre Hand wollte sie dafür freilich nicht ins
Feuer legen.
22 Sep 2026
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## AUTOREN
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