# taz.de -- Kampf um Pressefreiheit in USA: TV-Sender ABC verklagt Trumps Medienaufsicht
> Da US-Präsident Trump dem TV-Sender ABC mit einem Lizenzentzug drohte,
> reichte der Kanal Klage beim Bundesgericht ein. Es ist nicht das erste
> Mal, dass ABC im Visier der Regierung ist.
(IMG) Bild: Im Visier von Trump: ABC und NBC haben seine Rede zum Thema „Wahlfälschung“ nicht übertragen
Donald Trump stellte zu Beginn der Woche einmal mehr sein Verhältnis zu
einer unabhängigen Presse zur Schau, als er der CNN-Korrespondentin Kristen
Holmes befahl, das Maul zu halten. Holmes hatte gefragt, ob es Absprachen
zwischen Trump und Kim Jong-un gegeben habe, die gemeinsamen militärischen
Manöver zwischen den USA und Südkorea zurückzufahren. Trumps Reaktion:
„Seien sie still, sie laute, respektlose Person. Sie berichten ohnehin nur
Fake News.“
CNN ist seit Langem eine Lieblingszielscheibe von Trump ebenso wie ABC –
eines der letzten unabhängigen Nachrichtennetzwerke der USA. ABC berichtet
kritisch über die Regierung: Erst jüngst weigerte sich der Sender, eine
Rede Trumps zu angeblicher Wahlmanipulation auszustrahlen. Trump drohte
deshalb mehrfach, ABC die Lizenzen zur Nutzung öffentlicher Funkwellen zu
entziehen. Eine Drohung, die der Trump-treue Direktor der nationalen
Rundfunkbehörde FCC, Brendan Carr, brav wiederholte.
Nun kam ABC dem Weißen Haus und der FCC zuvor und [1][reichte eine Klage
vor einem Bundesgericht in Washington gegen die FCC ein]. Der angedrohte
Lizenz-Entzug, so hieß es in der Klageschrift, bedeute eine existenzielle
Bedrohung für den Sender und somit eine eindeutige Verletzung des Rechts
auf Pressefreiheit.
## ABC wurde mit Lizenz-Entzug gedroht
Die Klage stellte den ersten Fall dar, in dem eine große
Nachrichtenorganisation sich massiv gegen die Versuche Trumps wehrt, ihre
Unabhängigkeit zu beschneiden. Selbst ABC hatte sich noch Ende 2024 auf
einen Vergleich mit Trump eingelassen, als dieser den Sender wegen
vorgeblicher Diffamierung verklagt hatte. Der Reporter George
Stephanopoulos hatte behauptet, Trump habe sich der Vergewaltigung schuldig
gemacht.
ABC ist Trump seit dessen Amtsantritt ein Dorn im Auge. Trump steht mit der
populären Talkshow „The View“ auf Kriegsfuß, moderiert von Whoopi Goldberg,
Joy Behar und Ana Navarro, die Trump regelmäßig offen kritisieren. Ebenso
ungern schaut Trump die Late-Night-Show von Jimmy Kimmel, der aus seinem
Missfallen für Trump keinen Hehl macht.
Im vergangenen Jahr hatte ABC Kimmel sogar bereits temporär suspendiert,
nachdem dessen Bemerkungen zum Tod des MAGA-Vorkämpfers Charlie Kirk im
Weißen Haus für Unmut gesorgt hatten. Bereits damals hatte FCC-Chef Carr
damit gedroht, ABC die Lizenzen zu entziehen. ABC, das zum Disney-Konzern
gehört, [2][setzte Kimmel jedoch schließlich wieder ein].
Carrs Argument für seine wiederholten Drohungen, ABC und auch NBC die
Sendelizenzen wegzunehmen, ist, dass die Sender eine teure, öffentliche
Infrastruktur nutzen und deshalb verpflichtet seien, dem öffentlichen
Interesse zu dienen. Anna Gomez, die einzige FCC-Kommissarin, die noch von
Joe Biden berufen wurde, nannte die Art und Weise, wie Carr mit dem Begriff
des „öffentlichen Interesses“ herumwerfe, „nebulös.“ „Es ist im
öffentlichen Interesse, über das Wetter und über Sport zu berichten. Diese
Administration benutzt es ausschließlich dafür, alles zu diskreditieren,
was ihr nicht gefällt.“
## Pressefreiheit in den USA in Gefahr
Gomez lobte die Haltung von ABC und Disney. „Ich bin froh, dass Disney den
Mut gefunden hat, sich zu wehren.“ Versuche, die Trump-Administration zu
beschwichtigen, sagte Gomez, seien zwecklos. „Die Regierung verlangt, dass
man so über sie berichtet, wie sie das will und sie wird keine Ruhe geben.
Wir müssen für den ersten Verfassungszusatz kämpfen.“
Die Unabhängigkeit der Fernsehnachrichten sind besonders in Gefahr, seitdem
im vergangenen Jahr der Skydance-Konzern des Trump-Freundes David Ellison
das Medienunternehmen Paramount übernommen hat. Beim Fernsehnetzwerk CBS
folgten bereits massive Umwälzungen. Die neue Senderchefin Bari Weiss
veranlasste große personelle und inhaltliche Veränderungen. Bei der
renommierten Nachrichtensendung [3][„60 Minutes“] trat beinahe das gesamte
Personal aus Protest zurück. Nun wartet man nur darauf, dass bei CNN
ähnliche Veränderungen stattfinden. Auch CNN ging im Rahmen des
Mega-Mergers an Skydance.
So hängt an der Entscheidung über die Klage von ABC nicht weniger als die
Pressefreiheit in den USA. Sollte die FCC mit der Zensur von ABC
durchkommen, so Anna Gomez, würde dies bedeuten, dass die Trump-Regierung
jedes Nachrichtenorgan nach Belieben einschüchtern kann. Immerhin hat Trump
in diesem Fall mit Disney einen Kontrahenten mit tiefen Taschen und einem
langen Atem. Der Kampf ist also noch nicht ganz verloren.
19 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
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