# taz.de -- Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern: Schwesig auf Betriebstemperatur
       
       > Vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern stehen sich die
       > SPD-Ministerpräsidentin und ihr AfD-Konkurrent im TV-Duell gegenüber.
       > Schwesig ist im Attackemodus, der Rechte bleibt blass und dröge.
       
 (IMG) Bild: Quatsch und Täuschung: SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und AfD-Konkurrent Leif-Erik Holm beim TV-Duell des NDR
       
       Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig brauchte
       nicht lange, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Im TV-Duell des NDR gegen
       den AfD-Kandidaten Leif Erik Holm vier Tage vor der Landtagswahl im
       Nordosten am Sonntag schaltete sie alsbald in den Attackemodus.
       
       „Die AfD ist wirtschaftsfeindlich und wird Arbeitsplätze vernichten“, sagte
       sie am Mittwochabend, an ihren Hauptkonkurrenten gerichtet. Dessen Partei
       trete mit Männern an, „die uns Frauen klein machen wollen, bedrohen
       wollen“. Die extreme Rechte sei eine Katastrophe für den sozialen
       Zusammenhalt. Sie stehe für Hass und Hetze.
       
       Der AfD-Bundestagsabgeordnete Holm ist offiziell nicht Spitzenkandidat,
       sondern „Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten“, eine Vorsorge, um
       im Fall der verpassten „Machtübernahme“ in Schwerin in Berlin bleiben zu
       können. Auch das nutzte Schwesig für sich, indem sie erklärte: „Für mich
       galt immer in all den Jahren und auch in Zukunft: Ich vertrete die
       Interessen der Menschen hier.“ Holm dagegen – nun ja.
       
       Ein Wort benutzte Schwesig dabei mindestens fünfmal: Täuschung. Holm
       täusche die Menschen. Der blaffte immer wieder zurück. Etwa: „Das ist
       völliger Quatsch, den Sie hier mal wieder erzählen.“ Oder zu den
       Moderator:innen: „Da sehen Sie, wie unredlich Frau Schwesig arbeitet.“ Oder
       wieder an Schwesig: „Das regt mich auf, dass Sie am laufenden Band lügen.“
       
       ## AfD-Mann will NDR irgendwie doch nicht abschaffen
       
       So ging das eine Stunde. Eine ernste [1][Manuela Schwesig in ihrer roten
       Standarduniform] an dem einen Pult, der [2][reichlich dröge AfDler
       Leif-Erik Holm] in seinem blassblauen Anzug am anderen Pult, gegenüber zwei
       Moderator:innen, alles ohne Publikum. Thematisch wurde einmal durchs
       politische Gemüsebeet gepflügt: Bildung, Wirtschaft, Migration,
       Gesundheitsversorgung.
       
       Holm musste noch zusätzliche Fragen zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk
       beantworten. Den NDR will der als „bürgerlich-gemäßigt“ gehandelte Rechte
       entgegen der Programmatik seiner eigenen Partei dann doch irgendwie nicht
       abschaffen – oder nur ein wenig. Denn der Sender sei viel zu teuer, lade
       AfDler zu selten in Talkshows ein und verbreite „Desinformation“. Aber
       „natürlich“ soll es die allabendliche Infosendung „Nordmagazin“ dort weiter
       geben.
       
       Nicht nur an dem Punkt war unklar, worauf Holm eigentlich hinauswill. Aber
       der Erkenntnisgewinn von „Das Duell“ war insgesamt überschaubar. Bisweilen
       redeten Schwesig und Holm einfach aneinander vorbei. Schwesig konnte ihre
       Botschaft gleichwohl setzen: Dank ihr laufe vieles bereits gut in
       Mecklenburg-Vorpommern, durch sie werde es in Zukunft noch besser laufen.
       
       Wie schon beim ersten TV-Duell mit Holm im privaten Nachrichtensender ntv
       vor genau einer Woche trumpfte die SPD-Politikerin aber auch im NDR vor
       allem mit einem Argument auf: Laut einer Umfrage möchten 60 Prozent der
       Befragten, dass sie Ministerpräsidentin bleibe. Holm wollten nur 25
       Prozent.
       
       ## Schwesigs Aufholjagd
       
       Ich oder die AfD, die Frau gegen Blau: Es sei genau das TV-Format, das sich
       Manuela Schwesig ausdrücklich gewünscht habe. So stellen es zumindest die
       politischen Mitbewerber dar. Zur Erinnerung: [3][Um die TV-Debatten hatte
       es im Vorfeld einigen Ärger gegeben.]
       
       Dem NDR, aber mehr noch der Sendergruppe RTL/ntv wurde von der CDU und der
       Linken vorgeworfen, deren Spitzenkandidat:innen bewusst aus der
       „großen“ Runde herausgeschoben zu haben – auf ausdrücklichen Wunsch von
       Schwesig. Angeblich wollte die Ministerpräsidentin eben nur gegen den
       AfD-Konkurrenten antreten. Die SPD dementierte vehement.
       
       Insbesondere für die CDU war die Sache damit aber längst nicht gegessen.
       Dies umso weniger, als die langjährige Regierungspartei in den Umfragen
       immer weiter absackte, während Schwesigs SPD mit ihrer extrem professionell
       aufgemachten Kampagne spätestens nach der Sachsen-Anhalt-Wahl
       durchstartete.
       
       Traut man den Demoskop:innen, läuft es jedenfalls rund für die SPD, die
       seit Wochen kontinuierlich Boden gutmacht. In einer am Mittwoch
       veröffentlichten Umfrage liegt die Partei inzwischen bei 35 Prozent und
       damit nur noch 2 Punkte hinter der AfD. Die weiteren Parteien folgen mit
       großem Abstand. Die Linke kommt hier auf 10 Prozent, die CDU nur noch auf
       katastrophale 7 Prozent, die Grünen bleiben wie zuvor bei 5 Prozent hängen.
       
       ## Denn schuld daran ist nur die SPD
       
       Für die CDU ist an alldem die SPD schuld, nicht die eigene, im Bundesland
       [4][eher verspottete Plakatkampagne mit Fischbrötchen-Motiven]. So erklärte
       CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann, Schwesig stelle „ihre
       parteipolitischen Interessen über die Interessen Mecklenburg-Vorpommerns“.
       Es sei „verantwortungslos“, dass sie „mit einem personalisierten Wahlkampf“
       versuche, „die CDU kleinzuhalten“. Das schwäche die politische Mitte.
       
       Die SPD ließ sich das ihrerseits nicht gefallen und keilte zurück. Es
       entstehe der „Eindruck, dass die CDU überall nach Gründen für ihre
       schlechten Umfragewerte sucht, nur nicht bei sich selbst“, erklärte Julian
       Barlen, SPD-Fraktionschef im Landtag und enger Vertrauter von Schwesig.
       „Mit Fischbrötchen und [5][Friedrich Merz] kann man nun mal keine Wahlen
       gewinnen.“
       
       Hoffnungen, bis Sonntag noch etwas drehen zu können, hat
       Mecklenburg-Vorpommerns CDU wohl wirklich nicht mehr. Anders als alle
       anderen Parteien verzichtet die Partei sogar auf den traditionellen
       Wahlkampfabschluss mit großem Tamtam. „Wozu sollten wir das machen? Es wäre
       ja nur für die Medien“, heißt es auf taz-Nachfrage aus der CDU.
       
       17 Sep 2026
       
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