# taz.de -- HVV-Aktion zum Tag der Zivilcourage: Ein Gag, aber kein so guter
       
       > Um für Zivilcourage zu werben, will der Hamburger Verkehrsverbund nur
       > Fahrgästen mit „Haltung“ Zugang gewähren. Doch die geht das Unternehmen
       > nichts an.
       
 (IMG) Bild: Sollen das Miteinander verbessern: umgestaltete Eingangsbereiche zu S- und U-Bahnen in Hamburg
       
       Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) hat sich wieder etwas ausgedacht, um
       [1][das Sicherheitsgefühl] seiner Fahrgäste zu fördern. Pünktlich zum Tag
       der Zivilcourage am 19. September schmücken die Eingänge von fünf Bahnhöfen
       rote Schriftstreifen, auf denen steht „Zugang zum HVV nur mit Haltung und
       Hilfsbereitschaft“.
       
       HVV-Geschäftsführerin Anna-Theresa Korbut erklärt, diese roten Linien
       sollen an die typische Fahrgastinformation „Zugang nur mit gültiger
       Fahrkarte“ erinnern. „Die rote Linie soll eine Grenze gegen
       Gleichgültigkeit markieren.“ Der HVV wolle damit alle Gäste einladen, „im
       entscheidenden Moment hinzusehen und Mitmenschen nicht allein zu lassen“.
       
       So weit, so gut. Korbut sprach im [2][Hamburger Abendblatt] davon, dass die
       Verkehrmittel zwar objektiv sicher seien. Doch subjektiv gebe es immer
       wieder Personen, die sich noch nicht ganz sicher fühlen. „Da sind wir
       dran“. Dabei gebe es unterschiedliche Anliegen, die einen fürchteten sich
       bei Dunkelheit auf dem Heimweg, Andere störten sich [3][an bettelnden
       Menschen]. Es gehe nicht nur um Gefahrensituationen, sondern um Achtsamkeit
       und ein „gutes Miteinander“, erklärte die HVV-Chefin. Die Menschen seien
       oft nur an ihren Handys und bekämen kaum etwas mit. „Deshalb wollen wir
       dazu anregen, mit offenen Augen im öffentlichen Nahverkehr unterwegs zu
       sein.“
       
       Auch Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) warb in einem Video für die roten
       Linien. „Haltung und Hilfsbereitschaft beginnt schon viel früher, als viele
       von euch auf den ersten Blick denken“, duzte er seine Zuhörer. „Das beginnt
       bei einem Blickkontakt, bei der Frage, ob man Menschen ansprechen kann oder
       vielleicht auch mal aus einer Situation helfen kann. Wenn ihr das macht,
       dann seid ihr schon füreinander da.“
       
       Doch diese Kampagne ist seltsam. Sicher ist es sinnvoll, für Zivilcourage
       zu werben. Auch die auf [4][HHV.de publizierten Hinweise] für
       Krisensituationen wie Blickkontakt halten, gezieltes freundliches
       Ansprechen und im Zweifel den Notruf oder die 110 zu drücken, um zu helfen,
       ohne sich selbst zu gefährden, sind wichtig.
       
       Etwas zu bemüht scheinen die Appelle an Hilfsbereitschaft im Allgemeinen.
       Würden sich alle permanent angrinsen und anlächeln, könnte so eine Fahrt in
       der U-Bahn auch anstrengend sein. In einem Massenverkehrsmittel ist
       gegenseitiges Nicht-Angucken eine gesunde Reaktion. Und wie bitte soll dem
       Fahrgast geholfen werden, der sich [5][am Bettler stört]? Wo doch der
       Bettler auch gerade mit seiner Frage nach Kleingeld nur um Hilfe bittet.
       
       Kritisch wird es, wenn hier der Begriff „Haltung“ verwandt wird. Der ist
       politisch belegt. Es gilt oft „Haltung zu zeigen“ für viele Dinge, zum
       Beispiel gegen rechts. Aber die Haltung der Fahrgäste sollte deren
       Privatsache sein. Auch Reaktionäre haben das Recht, in Bus und Bahn zu
       sitzen. Denn der HVV ist ein öffentliches Unternehmen, sein
       Beförderungsangebot ein Teil der Daseinsvorsoge. Es hätte gereicht, wenn
       der HVV von seinen Fahrgästen Respekt und Hilfsbereitschaft eingefordert
       hätte, statt so schwammig zu werden.
       
       Und dass diese roten Linien den echten Kontroll-Linien zum Verwechseln
       ähnlich sehen, ist ein Gag, aber kein guter. Denn die Linien erzeugen auch
       Angst. Das „Zugang nur“ darauf bedeutet im echten Leben, dass Menschen, die
       diese Linien ohne Fahrkarte passieren und bei einer Kontrolle erwischt
       werden, 60 Euro zahlen müssen und eine Strafanzeige wegen
       Beförderungserschleichung riskieren.
       
       Verwunderlich eigentlich, dass diese Aktion nur an den Bahnhöfen
       Jungfernstieg, Dammtor, Landungsbrücken, Sternschanze und Altona gezeigt
       wird, also an touristischen und akademisch geprägten Orten. Vielleicht,
       weil man dort eben Fahrgäste mit Haltung vermutet.
       
       18 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Wohlfuehlen-am-Hamburger-Hauptbahnhof/!6000895
 (DIR) [2] https://www.abendblatt.de/hamburg/politik/article413173134/hvv-zieht-zum-tag-der-zivilcourage-rote-linien-an-fuenf-haltestellen-in-hamburg.html
 (DIR) [3] /Bettelverbot-in-deutschen-Staedten/!6210291
 (DIR) [4] https://www.hvv.de/de/zivilcourage
 (DIR) [5] /Bettelverbot-im-Hamburger-Nahverkehr/!6168939
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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