# taz.de -- Ein Jahr Heimwegtelefon in Hamburg: Sicher durch die Nacht
       
       > Das Heimwegtelefon begleitet Menschen, die sich auf dem nächtlichen Weg
       > nach Hause unsicher fühlen. Zur Not alarmiert der Telefondienst die
       > Polizei.
       
 (IMG) Bild: Möglicherweise ein Fall fürs Heimwegtelefon: nachts unterwegs auf einer dunklen Straße
       
       Der Weg nach Hause ist für viele mit Unbehagen verbunden. Fast jede*r
       kennt Situationen, in denen man ein mulmiges Gefühl hat – sei es auf dem
       Heimweg nach einer Partynacht oder auf dem Weg zur Nachtschicht. Was dann
       helfen kann, ist das Heimwegtelefon. Im vergangenen Jahr hat der Hamburger
       Verkehrsverbund (HVV) mit dem Verein Heimwegtelefon kooperiert. Das Motto:
       „Wir begleiten dich nachts am Telefon.“ Nun hat das Projekt Bilanz gezogen.
       
       „Nach einer Party wollte ich nach Hause, habe mich auf dem Heimweg aber
       sehr unsicher gefühlt“, erzählt Melina über ihren ersten Kontakt mit dem
       Heimwegtelefon. „Es waren viele alkoholisierte Menschen vor Ort und es war
       dunkel. Außerdem wusste ich, dass ich gerade keinen erreichen kann. Meine
       Eltern und Freundinnen haben alle schon geschlafen.“
       
       Den Anruf beim Heimwegtelefon beschreibt die 25-Jährige als eine positive
       Erfahrung. Kurz darauf bewirbt sich die Mediengestalterin, die auch ein
       Fernstudium macht, bei dem Verein. Nun ist sie ehrenamtliche Telefonistin
       und begleitet Menschen auf ihrem Heimweg – für mindestens acht Stunden im
       Monat. „Obwohl eigentlich, ich bin schon mehr als acht Stunden da“, sagt
       sie.
       
       Deutschlandweit sind Telefonist*innen für Anrufer*innen erreichbar
       – immer sonntags bis donnerstags von 21 bis 24 Uhr und am Freitag sowie
       Sonnabend von 21 bis 3 Uhr. Wer anruft, muss zunächst die Datenverarbeitung
       erlauben. Dann wird nach dem Namen, Alter, aktuellem Stand- und Zielort
       gefragt.
       
       ## Lauf in der Mitte des Gehwegs
       
       Virtuell wird die anrufende Person auf einer Karte begleitet. „Wir gehen
       online mit. So können wir im Notfall sofort Sicherheitskräfte an den
       exakten Standort der betroffenen Person schicken“, erklärt Melina. „Wir
       versuchen, den Menschen einfach ein sicheres Gefühl zu geben. In erster
       Linie sind wir für sie da.“
       
       Aber die Telefonist*innen vermitteln auch allgemeine Tipps. „Wir
       weisen immer wieder darauf hin: Lauf in der Mitte des Gehwegs, geh den gut
       beleuchteten Weg, achte auf dein Umfeld und wechsle die Straßenseite, wenn
       du dich verfolgt fühlst. Oder wenn du irgendwo warten musst, mache das an
       einem belebten Ort.“
       
       Eine zentrale Kompetenz für alle ehrenamtlichen Telefonist*innen sei
       es, erkennen zu können, wie lang ein Telefonat helfen und ab wann es die
       Sicherheit der Anrufenden nicht mehr gewährleisten kann.
       
       Melina nennt ein Beispiel: „Ich habe es am Telefon auch schon erlebt, dass
       jemand [1][nicht nur das Gefühl hatte, verfolgt zu werden], sondern
       tatsächlich verfolgt wird. Selbst als die Anruferin mehrmals abgebogen war,
       konnte sie den Verfolger nicht abwimmeln.“ Dann rufe sie die Polizei. „Das
       übersteigt die Kompetenz des Heimwegtelefons.“
       
       Polizei und Krankenwagen werden auch bei medizinischen Notfällen, in
       unübersichtlichen Situationen – etwa mit Geschrei oder Gruppenbildungen –
       oder in psychischen Ausnahmesituationen gerufen. „Fälle wie diese nehmen
       einen natürlich mit“, sagt Melina. „Aber zum Glück kommen die nur selten
       vor.“
       
       Während ihres Dienstes beobachtet die junge Telefonistin, dass weiblich
       gelesene Personen deutlich häufiger anrufen. Durch ihr Ehrenamt verändere
       sich auch ihr eigener Umgang als junge Frau mit nächtlichen Wegstrecken,
       sagt sie. „Ich bin nicht vorsichtiger geworden, sondern bewusster.“
       
       Das Telefon sei ja auch nicht nur ein Angebot zum Anrufen, sondern schaffe
       auch Aufklärung darüber, wie man sich allgemein in unsicheren Situationen
       verhalten kann. „Und es animiert vielleicht auch andere zur
       [2][Zivilcourage]“, sagt Melina. „Wir nennen uns Zivilcourage im
       Homeoffice.“ Sie schmunzelt.
       
       ## Deutschlandweit knapp 5.000 Anrufe im Jahr 2025
       
       Knapp 5.000 Anrufe nahmen Telefonist*innen des Heimwegtelefons
       deutschlandweit im vergangenen Jahr entgegen, sagt Melina. 271 waren es in
       Hamburg. Im Jahr zuvor waren es dort mit 117 Anrufen noch deutlich weniger
       Anrufe.
       
       Bei der Auswertung der Zahlen seien verschiedene Faktoren zu beachten.
       „Viele Menschen, die vom Heimwegtelefon erfahren, haben monatelang die
       Nummer abgespeichert, bevor sie diese dann tatsächlich auch nutzen“, sagt
       Melina. Und auch die Jahreszeiten würden das Anruferaufkommen beeinflussen.
       
       Dennoch liege es nahe, dass die steigenden Zahlen im vergangenen Jahr in
       Hamburg auf die Kooperation zwischen dem [3][HVV] und dem Heimwegtelefon
       zurückzuführen seien. „Das Anrufaufkommen im Februar und März 2025 hebt
       sich deutlich von den saisonal bedingten Schwankungen ab und kann daher auf
       die Kooperation zurückgeführt werden“, sagt Melina. Durch die HVV-Kampagne
       mit Social-Media-Auftritten, Plakaten und Presse steige die Bekanntheit des
       [4][Heimwegtelefons].
       
       30 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Stadtbild-Debatte/!6119202
 (DIR) [2] /Rassismus-im-Berliner-Umland/!6167325
 (DIR) [3] /Oeffentlicher-Nahverkehr-in-Hamburg/!6170169
 (DIR) [4] https://www.hvv.de/resource/blob/144870/ac11b953377316627bef1ae300fe2f6d/PM250213_Neue%20Angebote%20Sicher%20unterwegs%20im%20hvv.pdf
       
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