# taz.de -- Bettelverbot in deutschen Städten: Weit im Abseits
> Immer mehr Städte erlassen Bettelverbote. In Dortmund dürfen Menschen mit
> einem Becher nicht mal still vor Restaurants sitzen. Löst das die
> Probleme?
(IMG) Bild: Passives Betteln – still mit einem leeren Becher auf Geld hoffen – ist in Dortmund nur noch mit mindestens 5 Metern Abstand zur Außengastronomie erlaubt
Pudel und seine zwei Kumpels fallen sofort auf. Mit blondiertem
Irokesenschnitt sitzt er mit den anderen beiden Punks nicht weit entfernt
von „Bon'n Frietjes“, ein paar Becher stehen vor ihnen. Sie halten zehn
Meter Abstand von der Pommesbude, vielleicht 15. Auf jeden Fall mehr als
fünf – mittlerweile ist das entscheidend.
Es ist ein Samstag Mitte August in Dortmund. Der Westenhellweg, die große
Einkaufsstraße in der Stadt, ist gut frequentiert, aber nicht überlaufen.
Auch bei „Bon'n Frietjes“ mit seinem breiten Verkaufsfenster und den vier
Stehtischen davor läuft das Geschäft, wie es seit Jahren schon läuft.
Typisch Ruhrgebiet eben: Currywurst und Pommes gehören hier dazu.
Trotzdem müssen Pudel und die anderen Punks hier besonders vorsichtig sein.
Denn nachdem sich Gastronomen öffentlich über die Zustände in der Stadt
echauffiert haben, ist [1][das Betteln seit Anfang August im Umkreis von
fünf Metern um Außengastronomie verboten]. Was Pudel, so würden ihn alle
auf der Straße nennen, aus gut zehn Metern Entfernung aber erstaunlich
gelassen kommentiert: „Mir können die gar nichts.“ Seine Freunde schweigen.
Acht Becher haben die auf der Straße sitzenden Punks vor sich arrangiert,
davor acht Schilder mit acht „Spendenzwecken“: Essen, Bier, Tabak, Gras,
Schwarzfahren, Rente, Haftbefehl, Puff. Hinter ein neuntes Schild kann man
sein Geld praktischerweise für einen „neuen Becher“ legen. Ein Mann kommt
von der anderen Seite der Einkaufsstraße herübergelaufen, inspiziert die
Schilder mit einem Lächeln im Gesicht und wirft seine Münze in den Becher
fürs „Essen“.
„Gerade noch ist das Ordnungsamt hier vorbeigelaufen. Zivis, die erkenne
ich alle“, sagt Pudel. Seit Einführung des Verbots am 1. August sollen
Streifen in der Innenstadt verstärkt ein Auge auf bettelnde Personen in
Nähe von Gastronomien werfen, am Wochenende bis in den Abend hinein. In den
ersten zwei Wochen beließ es die Stadt bei Ermahnungen. Inzwischen drohen
Verwarngelder bis zu 50 Euro oder, bei Nichtzahlung, auch
Ersatzfreiheitsstrafe.
Bettelverbote gibt es inzwischen in vielen Städten, etwa in München,
[2][Köln] oder Düsseldorf. Auch in Hamburg und Bremen gelten Verbote – dort
allerdings nur in Bussen und Bahnen.
Mediale Aufmerksamkeit bekam Dortmund nun, weil es eine recht
einschneidende neue Verordnung erlassen hat: [3][Wie in München] ist hier
nicht mehr nur sogenanntes aggressives, sondern auch passives Betteln
verboten – also etwa, wenn jemand einfach still mit einem Becher auf dem
Boden sitzt. In München gilt das Verbot in der Altstadt-Fußgängerzone, in
Dortmund seit August sogar überall dort, wo Gastronomen draußen Stühle und
Tische vor ihre Restaurants und Cafés stellen.
## „Wir betteln nicht, wir schnorren“
Pudel ist bisher noch nichts passiert. „Wir betteln ja nicht, wir
schnorren“, erklärt er. Wo da der Unterschied sei? „Na, Betteln ist auf
Mitleid machen, wir schnorren.“ Von dem Verbot habe er natürlich gehört,
sagt Pudel. „Lächerlich“ sei das, wobei manche Bettler sich wirklich
danebenbenehmen würden. Die Wut der Gastronomen könne er verstehen, wenn
Kunden sich beschweren. Still zu schnorren sei aber weiterhin in Ordnung,
da ist er sich sicher. „Das ist ja auch Straßenkunst, was wir machen.“
Seine Freunde schweigen weiter und grinsen.
Bastian Pütter schmunzelt, als er von Pudel hört. „Natürlich können die
gegen ihn vorgehen.“ Ein paar Tage später steht der Redaktionsleiter von
[4][bodo], einem vor allem von obdachlosen Menschen verkauften
Straßenmagazin aus Bochum und Dortmund, vor dem Buchladen des Magazins am
Innenstadtring. Pütter, ein hochgewachsener Mann, redet und lacht oft
gleichzeitig. Beim Thema Bettelverbot bekommt sein Lachen allerdings etwas
Sarkastisches.
„Das ist der neue Dobrindt-Style“, sagt er gleich zu Beginn. Einfach mal
politisch hart durchgreifen, auch wenn zahlreiche Experten rechtliche
Bedenken äußern. So wie es der Innenminister von der CSU mit seiner
Grenzpolitik mache. Denn bis Gerichte gegen die Entscheidungen urteilten,
dauere es meistens sehr lange.
Dabei gibt es Gerichtsurteile zu Bettelverboten in Städten bereits. Der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte [5][erklärte im Jahr 2021 im
Fall einer bettelnden Frau in Genf, dass diese das Recht habe, auf ihre
finanzielle Notlage aufmerksam zu machen.] In der Stadt galt damals ein
generelles Verbot, das daraufhin abgemildert wurde. Doch nach wie vor ist
Betteln in Einkaufszonen oder an Bahnhöfen dort nicht erlaubt.
Auch in Deutschland lassen sich die Kommunen offenbar nicht von drohenden
Gerichtsurteilen beeindrucken. Die Stadt Dortmund teilt auf Nachfrage mit,
dass sie kein allgemeines Bettelverbot erlassen habe, sondern lediglich
eines, das vor Gastronomiebetrieben gilt. Ziel sei es, die Situation vor
Ort zu entspannen. Weder Armut noch Obdachlosigkeit würden kriminalisiert.
Bastian Pütter findet das rechtlich zweifelhaft. Ein Bettelverbot müsse mit
Gefahren für die öffentliche Sicherheit begründet werden, meint er. Das sei
hier nicht der Fall. Ein Problem für ihn und andere Helfende ist aber,
Personen zu finden, die wie in Genf dagegen klagen. „Die Lebenssituation
der Betroffenen ist meist so, dass sie sich das nicht zutrauen“, sagt er.
Für Pütter ist das Bettelverbot der nächste Versuch, arme Menschen aus dem
öffentlichen Raum zu verdrängen. Schon vor Jahren verbot die Stadt Dortmund
Obdachlosen, nachts draußen zu schlafen. Die Bußgelder dafür schaffte sie
2018 nach öffentlichem Druck wieder ab. Seit der Covid-Pandemie habe die
Repression jedoch zugenommen – etwa durch einen Weckdienst frühmorgens für
Obdachlose und höhere Bußgelder für das bereits verbotene aggressive
Betteln. Mit dem im vergangenen Jahr gewählten CDU-Oberbürgermeister, sagt
Pütter, werde der Ton noch schärfer.
Von der bodo-Redaktion ist es nicht weit bis zum Alten Markt. Der Platz im
Herzen der Stadt rückte im Zuge der Diskussion um das Bettelverbot
besonders in den Blick. Auf drei Seiten säumen Restaurants und Kneipen den
Platz, ihre Tische und Stühle machen aus der Fünf-Meter-Regel praktisch
eine große Verbotszone. Bettler sind zur Mittagszeit nicht zu sehen.
Zwei Frauen sitzen dort bei einem Steak. Eine von ihnen sagt: „Sonst saß
man hier, da kamen die alle zwei Minuten, das ist jetzt viel besser.“ Das
Verbot findet sie richtig: „In Deutschland muss doch auch niemand
verhungern.“
Im Juni wandten sich die Gastronomen am Alten Markt mit einem Brief an die
Stadt. Auch medial wurde er verbreitet, Pütter nennt ihn einen „Aufschrei“.
Darin beklagen sie jahrelange Störungen durch „verwahrloste Bettler
und/oder Drogenkonsumenten“. Mitarbeitende und Gäste würden täglich
hundertfach belästigt. Als Beispiele nennen sie Männer, die Drogenbesteck
auf dem Marktplatz auspackten oder nackt im Brunnen badeten. Polizei und
Ordnungsamt, beklagen sie, würden nicht durchgreifen. Es bleibe „ein Gefühl
der Frustration und Machtlosigkeit“.
## Recht der Gäste vs. Recht auf Bettelei
Und die Stadt, die seit vergangenem Jahr erstmals seit 80 Jahren von der
CDU geführt wird, wurde aktiv. „Die Menschen fühlen sich schon lange
unwohl“, sagte Oberbürgermeister Alexander Kalouti im Interview mit den
Ruhr Nachrichten. Und Rechtsdezernent Norbert Dahmen meinte: „Für mich ist
das Recht der Gäste und der Gastwirte höher zu bewerten als das Recht auf
Bettelei.“ Die Hoffnung offenbar: Wo Betteln verboten ist, bleiben
Drogenkonsumenten fern.
Anfang Juli beschloss der Rat das Bettelverbot mit großer Mehrheit. CDU,
AfD und FDP/Bürgerliste stimmten für den Entwurf der Stadtspitze. Auch die
SPD stimmte dafür, allerdings unter der Bedingung, das Verbot zunächst für
ein Jahr zu testen und anschließend zu evaluieren. Grüne, Linke und die
Satirepartei Die Partei stimmten dagegen.
Tatsächlich scheint das Verbot eine Wirkung zu zeigen. Rund um den Alten
Markt, wo früher Gäste im Minutentakt angesprochen wurden, ist Mitte August
kaum aktives Betteln zu beobachten. Nur wenige Menschen sitzen still mit
ihren Bechern da, in einigem Abstand zu den Lokalen. Auch die Stadt zieht
eine erste positive Bilanz: Im August stellten die Ordnungskräfte gerade
einmal drei Verwarnungsgelder wegen Bettelei vor Gastronomiebetrieben aus.
„Ich verstehe die Gastronomen schon, die wollen auch nur ihr Business
machen“, sagt Pütter. Ihn stören aber politische Heilsversprechen. „Die
Vorstellung ist immer: Wir wollen, dass das Problem weg ist.“ Auch wenn es
oberflächlich gerade so aussehen mag, werde das Problem, so sagt es Pütter,
nicht verschwinden.
Ohne die üblichen Klischees vom Ruhrgebiet als Strukturwandelverlierer
auszupacken: Armut ist natürlich etwas, das sich im Stadtbild – um auch mal
dieses verbrannte Wort zu benutzen – von Dortmund nicht leugnen lässt. Die
Arbeitslosenquote liegt hier seit den 1980er-Jahren fast immer über zehn
Prozent. 2018 und 2019 lag sie kurzzeitig darunter, doch die
Corona-Pandemie verschärfte die Lage wieder.
Und auch die Drogenprobleme in der Stadt sind deutlich sichtbar. Vom Alten
Markt zum Café Kick sind es nur knapp zehn Minuten zu Fuß. Der rot-braune
Klinkerbau am westlichen Rand der Innenstadt dient als Drogenkonsumraum. Er
soll Abhängigen einen geschützten, hygienischeren Ort bieten und den Konsum
von der Straße holen. Zur Einkaufsstraße Westenhellweg sind es nur wenige
Meter. Ein bisschen erinnert der Ort an eine TV-Serie im Drogenmilieu in
den USA. Sichtbar abhängige Menschen stehen und sitzen auf der Straße vor
dem Haus. Auch auf einer Treppe hinunter zum direkt angrenzenden
Einkaufszentrum lungern Menschen.
„Diese krasse räumliche Nähe ist definitiv ein Punkt“, sagt Pütter. Die
Stadt sucht seit Längerem nach alternativen Standorten. Im Herbst soll
vorerst ein zweiter Raum außerhalb der Innenstadt öffnen. Die CDU will das
Café Kick aber eigentlich perspektivisch schließen. Pütter hält das für
falsch: Hilfe müsse dort sein, wo die Klienten sind. Das Drogenproblem war
eines der zentralen Wahlkampfthemen im vergangenen Jahr.
## „Crackwelle“ in Nordrhein-Westfalen
Das hat mit Sicherheit auch mit Crack zu tun. Dieses Wort fällt in
Gesprächen zum Bettelverbot immer wieder. Crack ist Kokain, das mit Wasser
und Backpulver erhitzt wird, zu kleinen Steinchen erstarrt und mit einer
Pfeife geraucht wird. Es gehört zur Kategorie der Upper-Drogen, putscht
also auf – oder, wenn man es negativer formulieren will: kann impulsives
und enthemmtes Verhalten begünstigen. Weil die Wirkung schnell nachlässt,
ist auch der Suchtdruck groß – und damit die Not, schnell Nachschub zu
besorgen.
Von einer „Crackwelle“, die gerade in Nordrhein-Westfalen, aber auch in
anderen deutschen Großstädten Spuren hinterlässt, spricht auch Lea Fischer.
Sie forscht am Dortmunder Institut für Landes- und
Stadtentwicklungsforschung (ILS) zu marginalisierten Gruppen in
Innenstädten, aktuell besonders in Dortmund, Bochum und München. Sie sei
keine Drogenexpertin, betont Fischer. In Zusammenhang mit dem Suchtdruck
beobachtet sie aber, dass „aufdringliches Betteln oft die einzige
Möglichkeit ist, die abhängige Personen für sich sehen“.
Bastian Pütter nimmt einen jetzt mit auf einen „Spießrutenlauf“. Eigentlich
spaziert man nur vom Café Kick zurück auf den Westenhellweg, in Richtung
Zentrum. Aber so würden das Leute von außerhalb vielleicht empfinden, wenn
sie diesen Teil der Innenstadt betreten, meint Pütter. Denn hier, in
Schlagdistanz zum Drogenkonsumraum, scheint es an diesem Tag, als wäre nie
ein Bettelverbot erlassen worden.
Ein junger Mann, vielleicht Ende 20, schlurft mit verfilzten dunkelblonden
Haaren über die Straße. Trotz sommerlicher Temperaturen trägt er einen
dicken Baumwollpulli. Die Augen hat er weit geöffnet, der Körper
spindeldürr. „Habt ihr vielleicht einen Euro?“ Wahrscheinlich nicht
zufällig kreuzt er den Weg: Die Tische einer amerikanischen Kaffeehauskette
stehen rund fünf Meter entfernt.
Hatte er schon Stress wegen des neuen Bettelverbotes? „Ach, geht
eigentlich.“ Zweimal sei er schon kurzzeitig „in PG“ (Polizeigewahrsam, d.
Red.) gekommen, allerdings vor dem verschärften Bettelverbot,
Ersatzfreiheitsstrafe habe er aber noch nie bekommen. „War ja vorher schon
alles streng, ne.“ Von den Tischen bleibe er auf jeden Fall immer fünf
Meter weg. „Ok, ich hau dann ab, wa“, sagt er und verabschiedet sich
freundlich.
„Jetzt hast du einen dieser schrecklichen, aggressiv bettelnden
Crack-Zombies gesehen“, sagt Pütter mit erkennbar ironischem Unterton. „Das
sind die Leute, über die wir hier reden, aber klar, ein paar Unverschämte
gibt es auch.“
An eine langfristige Wirkung des Bettelverbots auf Crack-Konsumenten glaubt
Pütter nicht. Diese Menschen hätten ganz andere Probleme, da sei es „ihnen
eigentlich egal, was für Ordnungsstrafen sie bezahlen müssen“. Nun würden
sie „halt noch regelmäßiger eingesperrt“.
Innenstädte durchleben einen Funktionswandel, sagt die Stadtforscherin Lea
Fischer: weniger Besucher, mehr Leerstand. Kommunen müssten sich deshalb
fragen, womit sie Menschen in die Zentren locken können. Vor sechs Jahren
hat ihr Institut dazu eine Umfrage gemacht. Demnach halten Kommunen
Sauberkeit und Sicherheit mittlerweile für das wichtigste
Attraktivitätsmerkmal.
„Ich glaube, das spielt auch beim Bettelverbot eine Rolle“, sagt Fischer.
Ein Freiburger Soziologe hätte es mal so beschrieben, dass das
[6][Hausrecht von Geschäften immer mehr auf den öffentlichen Raum
ausgeweitet wird]. Die Forschung des ILS zum Bettelverbot in München zeigt
übrigens vor allem eines: Es kommt zu Verdrängungseffekten. Statt in der
Altstadt würden die Menschen nun am nahe gelegenen Isartor betteln und
campieren. „Die Probleme lassen sich so vielleicht kleinräumig verlagern,
aber bestimmt nicht lösen“, sagt Fischer.
Am Alten Markt sind sie damit aber vielleicht erst einmal zufrieden.
Wiederum ein anderer August-Tag, wieder zur Mittagszeit. Die Plätze draußen
sind zur Hälfte gefüllt. Menschen vom Teenageralter bis ins Rentenalter
genießen das perfekte Wetter zum Draußensitzen: nicht zu heiß, nicht zu
kalt.
Der Inhaber eines Restaurants hatte zugesagt, mit der taz zu sprechen. Eine
Bedingung: keine Namen, weder von ihm noch von seinem Lokal. Das Thema sei
einfach zu brisant. Auch Audioaufnahmen möchte er nicht. Zwischen den
Sätzen macht er oft lange Pausen. Zitiert werden will er im Nachhinein doch
nicht.
Im Gespräch zeichnet er das Bild von sich und den anderen Gastronomen als
Kämpfer für eine Stadt in einem miserablen Zustand. Das Bettelverbot sei
unvermeidbar gewesen, damit sich Gäste sicher fühlten und Gastronomie sowie
Ordnungsamt rechtliche Klarheit hätten. Ohne den Brandbrief hätte die
Politik wohl nicht reagiert. Vor allem die linken Parteien seien total
verbohrt bei dem Thema.
20 bis 40 drogenabhängige Personen verhielten sich problematisch, meint er.
Die restlichen Bettler völlig okay. Trotzdem sei die Belastung für die
Gäste zu hoch gewesen. Und auch für die Mitarbeiter: Er spricht unter
anderem von aufgekratzten Armen in Folge einer Auseinandersetzung. Beweise
liefert er nicht.
Die Situation sei nun deutlich besser, bereits seit der Ankündigung des
Verbots. Zugleich sei ihm bewusst, dass das Problem dadurch nur verdrängt
werde. Er hoffe deshalb auf eine umfassende Lösung der Stadt.
Tatsächlich beobachte der Gastronom, dass in seinem Bistro im Kreuzviertel,
einem studentisch geprägten Barviertel nördlich der Innenstadt, inzwischen
immer mehr Bettler auftauchten. Das berichten auch [7][weitere Gastronomen
aus dem Kreuzviertel] in den Ruhr Nachrichten.
Inzwischen wabert in der Diskussion um das Bettelverbot noch immer ein
anderer Begriff durch Dortmund: das Zürcher Modell. Eine Praxis, die
eigentlich aus den 1990er-Jahren stammt und mit der die Schweizer Stadt,
einst selbst eine Hochburg der Drogenszene, [8][bis heute erfolgreich
arbeitet].
## Zürcher Modell als Vorbild
Das Zürcher Modell besteht aus vier Säulen: Prävention, Therapie,
Schadensminderung und Repression. Dortmund hat mit dem Bettelverbot vor
allem bei der Repression angesetzt. Für die anderen Bereiche soll angeblich
bis Herbst ein Konzept entstehen. Eine Teillegalisierung des Drogenhandels
in Drogenkonsumräumen wie in Zürich ist in Dortmund allerdings nicht
geplant.
Für breitere Aufstellung, zum Beispiel mit Sozialarbeitern, und nicht
zuletzt die Versorgung mit Wohnraum plädiert auch die Stadtforscherin Lea
Fischer. Das könne dann vielleicht auch erfolgreich mit repressiveren
Maßnahmen kombiniert werden. Fischer glaubt, dass das vordergründige
Funktionieren des aktuellen Verbots mit einem kommunikativen Effekt zu tun
hat: „Als Ordnungskraft lässt sich dieser Fünf-Meter-Abstand viel leichter
vermitteln und auch für die Angesprochenen ist es greifbarer.“
Wichtig sei aber vor allem, dass man eher das Gespräch suche als zu
verbieten. In München, berichtet Fischer, gebe es zum Beispiel ein
Konfliktmanagement, bei dem Teams vor Ort aktiv werden, wenn Menschen sich
belästigt fühlen, und den Konflikt zunächst vor Ort aushandeln. Das sei
sicherlich nicht mit allen Bettlern möglich, keine Frage. Aber trotzdem:
„Einfach mehr miteinander reden, sagen, okay, du darfst zwei Meter vor
meinem Laden sitzen, benimmst dich aber. Und dann bringt man als Gastronom
auch mal einen Kaffee vorbei.“
Vielleicht, sagt auch Bastian Pütter zum Abschluss, „muss man akzeptieren,
dass manche Aspekte der Großstadt eben dazugehören“. Dazu gehörten auch
Armut und die Notwendigkeit, Gegensätze politisch zu moderieren. Und nicht
diese „Null-Toleranz-Schiene“, wie die Politik sie gerade fahre.
15 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.dortmund.de/newsroom/nachrichten-dortmund.de/rat-stimmt-fuer-ein-bettel-verbot-an-cafes-und-restaurants.html
(DIR) [2] https://www.parkweiher.koeln/site/assets/files/1204/koelner_stadtordnung_20180110.pdf
(DIR) [3] https://stadt.muenchen.de/service/info/hauptabteilung-i-sicherheit-und-ordnung-pravention/1083015/
(DIR) [4] https://bodoev.de/
(DIR) [5] https://www.srf.ch/news/international/klage-von-28-jaehriger-europaeischer-gerichtshof-kippt-bettelverbot-in-genf
(DIR) [6] https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-531-92035-1_26
(DIR) [7] https://www.ruhrnachrichten.de/dortmund/bettelverbot-dortmund-alter-markt-verbesserung-kreuzviertel-konflikte-frust-w1237723-2002197477/
(DIR) [8] /Geld-gegen-Crack/!6007704
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(DIR) Marvin Kalwa
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