# taz.de -- Geflüchtete in Ceuta: Vom Strand an den Hafen
> Seit Wochen harren Hunderte Migranten in provisorischen Unterkünften am
> Strand von Ceuta aus. Madrid greift durch und verlegt die Menschen in
> neue Lager.
(IMG) Bild: Chaotische Zustände bei der Verlegung der Geflüchteten in den Hafen von Ceuta
[1][Die improvisierten Unterkünfte], die die Migranten in den letzten
Wochen an den zwei Stränden Trampolín und Benítez in Ceuta errichtet
hatten, wurden am Freitag geräumt. Die Polizei geleitete die Migranten in
ein Auffanglager im Hafen. Die meisten hatten am 30. und 31. Juli bei einem
Ansturm auf die spanische Exklave, aus Marokko kommend, die Grenzanlagen
umschwommen. Am Hafen hat die Regierung Zelte errichten lassen. Mindestens
1.800 Menschen sollen dort unterkommen.
Ob dies reicht, ist nicht klar. Medienberichten zufolge sollen sich
[2][zwischen 3.000 und 4.000 Migranten] seit rund einem Monat in Ceuta
befinden. Unter denjenigen, die übergeführt werden sollen, befinden sich
auch Minderjährige. Diese sollen in gesonderte, spezielle Unterkünfte
gebracht werden.
Die Polizei teilte die Migranten in Gruppen ein und brachte sie zu Fuß in
den zwei Kilometer entfernten Hafen, wie im staatlichen Fernsehen TVE zu
sehen war. Es blieb nicht immer friedlich. Bei den ersten Gruppen am Morgen
kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Dutzende Migranten
versuchten das neu errichtete Auffanglager zu stürmen, um sich einen Platz
zu sichern. Die Polizei stoppte sie. Dabei wurden einige Personen verletzt,
wie Videos der Regionalzeitung El Faro de Ceuta zeigen. Einmal im
Auffanglager angekommen, werden die Migranten identifiziert und müssen
durch einen Metalldetektor. Im Innern der Zelte warten Etagenbetten auf
sie.
## Sánchez will Normalität zurück
Schon drei Stunden vor der Überführung hatte die paramilitärische Polizei
Guardia Civil Stellung an beiden Stränden bezogen. Sie versammelte die
Migranten, um sie später dann in Gruppen aufzuteilen und der Polizei zu
übergeben. Insgesamt sind laut offiziellen Angaben rund 240 Polizeibeamte
im Einsatz.
Mit der Verlegung der Migranten in den Hafen will die Zentralregierung
[3][unter Ministerpräsident Pedro Sánchez wieder Normalität in Ceuta
schaffen]. Immer wieder waren Versuche, provisorische Lager in
leerstehenden Gebäuden einzurichten, am Widerstand der konservativen
Regionalregierung gescheitert. Madrid beklagt sich zudem über mangelnde
Zusammenarbeit. Der Hafen war so etwas wie die letzte Lösung, denn er
untersteht dem Madrider Verkehrsministerium. Erst einen Tag vor der
Verlegung hatte die Audiencia Nacional in Madrid die Klage einer
Polizeigewerkschaft gegen die Errichtung eines Lagers am Hafen
zurückgewiesen. Der Hafen zähle zur kritischen Infrastruktur, so die
Begründung der Gewerkschaft.
Alberto Núñez Feijóo, der Vorsitzende der stärksten Oppositionspartei
Partido Popular (PP), nutzte die Zwischenfälle bei der Verlegung einmal
mehr für Kritik an der Regierung. Es handle sich nicht Migranten, sondern
um Personen, die „gegen die öffentliche Ordnung und die Sicherheitskräfte“
vorgingen. Die Regierung sei „nicht in der Lage, die öffentliche Ordnung in
einer spanischen Stadt aufrechtzuerhalten“, fügte er hinzu und forderte
erneut die sofortige Abschiebung aller Migranten, auch von minderjährigen.
Die Regierung hingegen verweist darauf, dass Abschiebungen erst nach
individueller Prüfung durchgeführt werden können. Und dass Minderjährige
davon ausgenommen sind, solange ihre Eltern nicht gefunden werden können.
Seit dem Ansturm wurden bereits 1.800 Abschiebeverfahren eingeleitet.
18 Sep 2026
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(DIR) Reiner Wandler
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