# taz.de -- Frauenhaus Maison Baobab: Hier sind sie sicher
       
       > Im Maison Baobab im marokkanischen Rabat leben viele Migrantinnen, die
       > auf der Flucht Gewalt erlebt haben. Nun atmen sie durch. Doch es ist nur
       > ein Schutz auf Zeit.
       
 (IMG) Bild: Bsrat Hndya versucht, im Frauenhaus zur Ruhe zu kommen
       
       Lächelnd blickt Bsrat Hndya auf die kleinen Bilder ihrer Eltern, die sich
       nur noch schemenhaft auf den Fotokopien in ihrer Hand erkennen lassen. „Als
       die Raketen über mein Dorf flogen, bin ich gegangen“, erinnert sie sich.
       Damals, im Jahr 2020, begann ein Bürgerkrieg in der Region Tigray in
       Äthiopien, der Hunderttausenden das Leben kostete, [1][erst vergangene
       Woche ist er wieder voll entbrannt.] 
       
       Damals emigrierte Hndya jahrelang durch den afrikanischen Kontinent,
       durchquerte den Sudan, Libyen, Algerien, dann ging sie klammheimlich zu Fuß
       über die seit 1994 geschlossene Grenze [2][zum verfeindeten Königreich
       Marokko]. Obwohl das nordafrikanische Land an der schmalsten Stelle nur
       rund 15 Kilometer vom europäischen Kontinent entfernt liegt, gibt es für
       Hndya kein Weiterkommen: „Seit drei Jahren hänge ich hier in Marokko fest“,
       erzählt sie.
       
       Die junge Äthiopierin sitzt auf dem oberen Stockbett in ihrem Zimmer des
       Apartments II des Maison Baobab. Fünf Betten stehen in dem kleinen Raum,
       der von einer Glühbirne erleuchtet wird. Durch die angelehnten Fensterläden
       dringen Motorengeräusche von der Straße, die sich im Haus mit Babygeschrei
       mischen. Die Ankunft in Marokko sei hart gewesen, sagt sie.
       
       Anfangs lebte sie auf der Straße. Nachdem sie von einer Bekannten von dem
       Frauenhaus erfuhr, klopfte sie an dessen Tür und stellte sich beim Team der
       Organisation vor, das selbst aus Menschen mit Migrationserfahrung besteht.
       Im Maison Baobab wird sie verstanden. „Ich bin sehr froh, dass ich hier ein
       Bett bekommen habe“, sagt die 26-Jährige.
       
       In ihrem Zimmer, das sie mit vier Frauen und zwei Kindern teilt, hat sie
       sich eingerichtet. Am Fußende ihres Stockbetts liegt ihre gestapelte
       Kleidung, daneben eine Packung Reis und etwas Gemüse. Neben ihrem
       Kopfkissen hat sie ein laminiertes Bild des Heiligen Erzengels Michael an
       die Wand geheftet.
       
       „Meine Religion hat mir die Kraft gegeben, das alles zu überstehen“, sagt
       Hndya, die wie viele Äthiopier:innen christlich-orthodoxen Glaubens ist.
       Mit gesenktem Blick streift sie mit ihren Fingerspitzen über das Abbild des
       Engels, der in ihrer Religion für den Kampf gegen das Böse steht. „Er
       erinnert mich an meinen Vater“, sagt sie leise.
       
       Sorgfältig zieht Bsrat Hndya einige weitere Blätter Papier aus einer
       Klarsichtfolie. Langsam faltet sie die Dokumente auseinander, die mehr über
       ihre Herkunft verraten. In blasser Schrift zeichnen sich in den Zeilen die
       Namen, Wohnorte und Geburtsdaten ihrer Eltern ab.
       
       Die Familie lebte in einem abgeschotteten Dorf im Norden Äthiopiens, bevor
       Hndya – wie auch ihre acht Geschwister – ihre Heimat verließ. Wenn Hndya
       von ihrer Familie erzählen möchte, dann sammeln sich Tränen in ihren Augen.
       „Ich bin ganz allein hier“, flüstert sie mit bebender Stimme und
       gebrochenem Englisch. Über sechs Jahre ist es her, dass sie vor den Raketen
       floh. Und noch immer sucht sie eine sichere Zukunft.
       
       Ein breiter Flur eröffnet den Blick in die weiteren Zimmer des Maison
       Baobab, in denen metallene Stockbetten stehen und nur wenig Platz zur Decke
       lassen. Auf dem Boden spielen Kinder mit Knete oder malen auf Papier. In
       den Betten telefonieren die Bewohnerinnen in die Heimat, waschen im kleinen
       Innenhof Wäsche oder drängen sich um den lodernden Gasherd, von dem Dampf
       aus Reistöpfen emporsteigt.
       
       Seit 2015 stellt das Frauenhaus in Marokkos Hauptstadt Rabat Schlafplätze
       für rund 50 Migrantinnen und ihre Kinder aus verschiedensten Ländern
       Afrikas, etwa dem Sudan, der Elfenbeinküste oder Äthiopien, zur Verfügung.
       Rund drei Monate können sie dort kostenlos unterkommen, an
       Alphabetisierungs- oder Nähkursen teilnehmen, medizinische Unterstützung
       erfragen und versuchen, sich von den kräftezehrenden Wochen, Monaten oder
       gar Jahren, die hinter ihnen liegen, zu erholen.
       
       Mariama Diaby arbeitet für die Organisation Arcom, die das Maison Baobab
       eröffnete. Die Langfassung des Namens bedeutet übersetzt: Vereinigung der
       Flüchtlinge und Migrantengemeinschaften in Marokko. Diaby verbringt die
       Tage in den Appartements des Frauenhauses und kümmert sich um all jene, die
       Hilfe ersuchen.
       
       ## „Wir nehmen bei uns Frauen aller Nationalitäten und Hintergründe auf“
       
       Am kleinen Esstisch im Flur sitzt sie auf einem Plastikstuhl und wartet auf
       Frauen, die an die Haustür klopfen. Einige Bewohnerinnen des Maison Baobab
       flüchteten vor Krieg. Andere wiederum verließen ihre Heimat aus
       geschlechtsspezifischen Gründen, etwa um einer Kinderehe oder Gewalt durch
       den Partner zu entkommen. Wieder andere suchten schlicht ein besseres Leben
       in der Ferne. Die Wege der Frauen in das sichere Rasthaus waren
       unterschiedlich. Doch eint sie alle das Bedürfnis nach Sicherheit.
       
       „Wir nehmen bei uns Frauen aller Nationalitäten und Hintergründe auf“, sagt
       Mariama Diaby. Die Erfahrungen, die die Frauen auf ihrer Route nach Marokko
       machten, seien oft schwerwiegend: „Manche von ihnen wurden von ihren
       Partnern und Freunden zurückgelassen, andere erlebten schwere sexuelle
       Gewalt und sind ungewollt schwanger, wenn sie bei uns ankommen“, erklärt
       sie. [3][Geschlechtsspezifische Gewalt] ist entlang der gefährlichen
       Migrationsroute durch die Sahara weit verbreitet. „Frauen sind dabei
       besonderen Risiken ausgesetzt. Deshalb kümmern wir uns um sie“, sagt Diaby.
       
       Durch die Fensterläden fällt ein schmaler Lichtkegel in Bsrat Hndyas
       Zimmer. Im Apartment II des Maison Baobab fand sie ein warmes Bett,
       genügend Essen, dazu einige Freundinnen. Dass sie hier einziehen konnte,
       sei so etwas wie eine Rettung gewesen. Doch die vergangenen sechs Jahre auf
       der Flucht haben die junge Frau gezeichnet. Sie sitzt im Schneidersitz auf
       ihrem Bett, legt ihre Finger ineinander.
       
       „Dreimal habe ich versucht, mich umzubringen. Ich habe Bleichmittel
       getrunken“, sagt sie und senkt ihren Blick. Die Erinnerungen, die sie auf
       der Route quer durch Afrika machte, verfolgen sie noch immer: „Die Männer
       schliefen mit mir. Manchmal jeden Tag. Nachts wache ich auf, weil ich davon
       träume.“
       
       Die Gewalt, die Hndya auf ihrem Weg durch den afrikanischen Kontinent
       erlebte, ist alles andere als ein Einzelfall. [4][Über drei Viertel der
       Frauen, die durch den afrikanischen Kontinent nach Marokko emigrieren,
       erleben auf der Route sexualisierte Gewalt]. Besonders gefährlich sind
       dabei abgelegene Wüstenabschnitte und Grenzregionen, insbesondere in Libyen
       und den malischen Grenzregionen.
       
       Sexualisierte Gewalt hat auf der Route durch Afrika System. [5][Die Täter
       sind staatliche Akteure wie Grenzschutzbeamte oder Polizisten, aber auch
       Schleuser- und Menschenhändlerbanden oder Einzelpersonen, die die
       Schutzlosigkeit der Menschen auf der Migration ausnutzen].
       
       Die Marokkanerin Imane Echchikhi arbeitet als Fachberaterin für Migration
       und Entwicklung für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit
       (GIZ). In der Stadt Oujda, nahe der algerisch-marokkanischen Grenze,
       betreut sie Migrant:innen, die irregulär ins Land kommen.
       
       ## „Ohne die NGOs in Marokko würde das System nicht funktionieren“
       
       „Einige der Menschen, die bei uns ankommen, können nicht sprechen, weil sie
       zu traumatisiert sind“, sagt sie. Die Route durch die Sahara sei voller
       Gewalt. Kriminelle Banden überfielen die Migrant:innen-Gruppen, würden
       ihnen Smartphones, Papiere und Kleidung abnehmen. Selbst Kinder würden
       sexualisierte Gewalt auf der Route durch den Kontinent erleben.
       
       Diejenigen, die in Marokko ankommen, sind nicht automatisch in Sicherheit.
       Durch ihren illegalen Status im Land können Betroffene von Gewalt sich
       nicht problemlos in Krankenhäusern oder bei der Polizei melden. Zusätzlich
       mangele es im Land an psychologischer Hilfe für Migrantinnen.
       
       „Die wenigen Sozialarbeiter in Oujda sind selbst in einer schwierigen
       Situation, da sie täglich mit den schrecklichen Geschichten konfrontiert
       sind und nur wenig helfen können“, erklärt Echchikhi. Von Seiten der
       marokkanischen Regierung hingegen käme nur marginale Unterstützung. So
       liegt es an privaten Initiativen, die Probleme anzugehen. „Ohne die NGOs in
       Marokko würde das System nicht funktionieren“, erklärt die Beraterin.
       
       Im Land gibt es ein Netz an privaten Organisationen, die untereinander gute
       Kontakte pflegen, sich gegenseitig helfen. Einerseits seien internationale
       Verbände und auch marokkanische Organisationen – [6][wie etwa Ärzte ohne
       Grenzen] oder die „Association Marocaine des Droits Humains“ – für
       Migrant:innen und Geflüchteten ansprechbar. Zusätzlich gibt es im Land
       verstreut einige NGOs, die von Migrant:innen selbst gegründet wurden.
       [7][Der Ursprung dieser selbstverwalteten Initiativen geht mutmaßlich auf
       den Gründer des Maison Baobab, Emmanuel Mbolela, zurück].
       
       Denn als der Kongolese im Jahr 2005 selbst noch ohne Aussicht auf Besserung
       als politischer Geflüchteter in Rabat gestrandet war, gründete er mit einer
       Reihe von Mitstreitern die Geflüchtetenorganisation Arcom. „Mein Ziel war
       damals, die Grundrechte der Migranten in Marokko zu verteidigen“, erklärt
       er. Die Gründung der Organisation ermöglichte ihm und seinen
       Mitstreiter:innen, die Forderungen der migrantischen Community geschlossen
       in die Öffentlichkeit zu kommunizieren.
       
       ## Offiziell 111.000 Migrant:innen in Marokko
       
       Als Präsident von Arcom hörte man ihm zu, selbst mit politischen Akteuren
       habe er das Gespräch suchen können. Ungefährlich war das nicht. Mit seinen
       öffentlichen Kundgebungen im repressiven Marokko der Nullerjahre riskierte
       Mbolela mindestens seine Freiheit. Denn der seit 1999 herrschende König
       Mohammed VI. schränkte Kritik an seiner Person und der konstitutionellen
       Monarchie weitgehend ein.
       
       Wer sich dem widersetzte, riskierte eine Haftstrafe. Im Zuge des Arabischen
       Frühlings reformierte das Land die Verfassung, König Mohammed VI. gab
       weitere Teile seiner Macht an das Parlament ab. Doch ist er bis heute
       Marokkos Staatsoberhaupt und für viele eine paternalistische, unfehlbare
       Schutzfigur.
       
       Nach Jahren als Aktivist gründete Mbolela das Maison Baobab. Marokko ist
       Transit- und Zielland für viele Menschen aus Subsahara-Afrika.
       [8][Offiziell leben rund 111.000 Migrant:innen in Marokko], zusätzlich
       [9][sind mehr als 23.000 Geflüchtete und Asylsuchende beim UNHCR
       registriert]. Wie viele Menschen aber wirklich ohne Papiere im Land leben,
       weiß niemand. Schätzungen vermuten, [10][dass es bis zu 700.000 sein
       könnten].
       
       Alle paar Wochen reist Emmanuel Mbolela zurück in die Vororte von Marokkos
       Hauptstadt, wo der Grundstein seiner Organisation gelegt wurde. Nur wenige
       Straßen vom Maison Baobab entfernt liegt das unter Migrant:innen
       beliebte Viertel Takaddoum. „Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem
       ich hier ankam“, sagt er mit ernster Miene.
       
       Mbolela flüchtete im Jahr 2002 aus der Demokratischen Republik Kongo,
       durchquerte fast den gesamten afrikanischen Kontinent bis nach Marokko.
       Vier Jahre lang war er in dem Land gestrandet, bevor er Asyl in den
       Niederlanden erhielt. „Wenn ich nach Takaddoum komme, dann weiß ich, wo
       meine Wurzeln liegen“, sagt er.
       
       Mbolela kneift seine Augen zusammen und blickt über das weiße Meer aus
       Häusern. Wenn er heute durch den Vorort Rabats schlendert, seine Bekannten
       auf der Straße mit einem Handschlag und einem freundlichen „Hallo, meine
       Brüder“ begrüßt, muss er keine Repression der Polizei mehr fürchten.
       
       Doch das war nicht immer so. Damals, als er im Viertel ankam, habe er
       versteckt in einem sogenannten „Ghetto“ geschlafen – also einer geteilten
       Unterkunft, in der Migrant:innen unter meist prekären Bedingungen leben.
       Im Viertel existieren noch immer viele dieser Ghettos, in denen
       Migrant:innen zwar Wohnraum anmieten können, wegen ihrer Herkunft jedoch
       oft deutlich teurere Mieten für die meist prekären Unterkünfte zahlen
       müssen.
       
       Im Labyrinth der engen und undurchsichtigen Gassen finden sich migrantische
       Communitys zusammen und teilen ihre Zimmer teilweise mit Dutzenden anderer
       Migrant:innen. Unter Marokkaner:innen ist Takaddoum als „Viertel der
       Afrikaner“ bekannt – zwar liegt Marokko auch auf dem afrikanischen
       Kontinent, doch möchten viele arabischstämmige Marokkaner nicht mit dem
       Afrika südlich der Sahara gleichgesetzt werden.
       
       Expert:innen führen den verbreiteten anti-Schwarzen Rassismus in Marokko
       unter anderem auf den Sklavenhandel zurück, der zwar ab dem Jahr 1922
       abgeschafft wurde, doch noch Jahrzehnte fortbestand. Zusätzlich könnte auch
       Marokkos Rolle bei der Kontrolle der europäischen Außengrenze eine Ursache
       für die Ressentiments gegenüber Menschen aus Subsahara-Afrika sein.
       
       ## Wenige schaffen es über die Straße von Gibraltar
       
       Mbolela ist in der migrantischen Community gut vernetzt. Mit einer Tüte
       voller Reis, Öl und Tee tritt er durch eine unscheinbare Haustür, die ihn
       in eine dunkle Wohnung führen soll. Auf klapprigen Stühlen sitzen junge
       Männer mit fleckiger Kleidung, die zurückhaltend antworten, nachdem Mbolela
       sich nach ihrem Wohlbefinden erkundigt.
       
       „Die Polizei bereitet uns hier große Schwierigkeiten“, sagt einer der
       Bewohner des Ghettos. „Ohne Papiere riskiert man, inhaftiert und in eine
       andere Stadt gebracht oder sogar in der Wüste ausgesetzt zu werden“, fährt
       er fort. „Und selbst wenn man die Papiere hat, kann es einen treffen“,
       ergänzt ein anderer. Mbolela nickt. Auch er machte diese Erfahrungen, als
       er sich als junger Mann in einem der Ghettos der Stadt versteckte.
       
       Migrant:innen kommen nach Marokko, weil das Land bessere
       Lebensbedingungen als deren Heimatländer bietet und nah an Europa liegt.
       Doch nur wenige schaffen es über die Straße von Gibraltar. Damit das so
       bleibt, tun die marokkanischen Behörden ihr Übriges.
       
       Als Türsteher der EU erhält Marokko Gelder, um die Migrationsströme noch
       vor den europäischen Außengrenzen zu unterbinden. Zwischen 2021 und 2023
       [11][erhielt Marokko allein von der EU rund 193 Millionen Euro für
       migrationsbezogene Programme], auch Spanien hat nach Recherchen der Zeitung
       The Objective über die vergangenen Jahre über 100 Millionen Euro an Marokko
       überwiesen. Kritiker:innen werfen der EU vor, sie würde ihre
       Grenzkontrollen damit nach Afrika auslagern.
       
       Dabei steht das Vorgehen der marokkanischen Behörden immer wieder in der
       Kritik. In Berichten ist von Abschreckung durch gewaltvolle Inhaftierungen,
       Aussetzungen in der Wüste und [12][Erpressung durch Polizisten] die Rede.
       Mehrfach starben Migrant:innen, wie etwa im Jahr 2022, als bei einem
       Einsatz der Sicherheitsbehörden an den Grenzzäunen zur Exklave Melilla
       [13][laut Pro Asyl mindestens 27 Menschen ihr Leben verloren]. Bei Razzien
       in den Ghettos des Landes kommt immer wieder zu Schlägen, willkürlichen
       Festnahmen oder Diebstahl des wenigen Hab und Guts der Migranten und
       Geflüchteten durch die Sicherheitsbehörden.
       
       Dabei passt das Image des repressiven Polizeistaates ganz und gar nicht zur
       Zukunftsvision Marokkos. Denn im Jahr 2030 wird die
       Fußballweltmeisterschaft auch in dem Königreich stattfinden. Schon jetzt
       bereitet sich das Land darauf vor. Wenn die Weltöffentlichkeit auf das Land
       blickt, soll es sicher, schön und erschlossen sein. Dafür investiert
       Marokko in Infrastruktur, baut 3.000 Kilometer neue Autobahn.
       
       Dazu entsteht aktuell rund eine Autostunde von der Hauptstadt [14][entfernt
       das größte Fußballstadion der Welt], in dem im Jahr 2030 bis zu 115.000
       Menschen gebannt Spiele der Weltmeisterschaft bestaunen sollen. Was nicht
       zur ambitionierten Agenda 2030 passt, muss weichen.
       
       In Casablanca etwa wurde für die neue, prunkvolle „Avenue Royale“ ein Teil
       der historischen Altstadt abgerissen. In Rabat rückten Bulldozer an, um
       unter dem Vorwand der Modernisierung ganze Straßenzüge dem Erdboden
       gleichzumachen. Die Bewohner:innen der Migrantenviertel sind besorgt.
       In den Gängen Takaddoums sprechen sie über den möglichen Abriss ihres
       Viertels. Offiziell gibt es keine Verlautbarungen dazu.
       
       Die Politik Marokkos verärgert aber auch junge Marokkaner:innen. Proteste
       der Generation Z sorgten Ende des vergangenen Jahres für internationale
       Aufmerksamkeit. Mit Plakaten, auf denen Slogan wie „Invest in Brains, not
       just Games“ standen, demonstrierten Zehntausende junge Marokkaner gegen die
       Fußball-WM und für eine Kehrtwende in der Politik. Marokkos Behörden
       reagierten hart: Drei Demonstranten starben durch Schüsse der Polizei,
       andere wurden für bis zu 15 Jahren ins Gefängnis gesteckt.
       
       Auch die jüngsten Vorfälle an den Grenzzäunen der Exklave Ceuta zeigten,
       wie viele junge Marokkaner:innen unzufrieden mit der Situation in
       ihrem Land sind. Noch immer harren dort Hunderte ohne jede Perspektive aus.
       
       Bei den Parlamentswahlen am 23. September – [15][bei der nur 22 Prozent der
       Wahlberechtigten] den Weg zur Wahlkabine bestritten – konnte die Partei PAM
       die Mehrheit erlangen. Sie will 500.000 Arbeitsplätze für junge Menschen
       schaffen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.
       
       ## Übergriffe durch Männer aus der eigenen migrantischen Gemeinschaft
       
       In seinem autobiografischen Buch „Mein Weg vom Kongo nach Europa“ schreibt
       Mbolela über seine Flucht und über die prägenden Jahre in den Vororten
       Rabats. In den Kapiteln, die von Mbolelas Route durch Afrika, seiner
       schweren Zeit im Ghetto und dem Befreiungskampf der Migranten und
       Migrantinnen in Marokko handeln, beschreibt Mbolela immer wieder die
       Repression, der sie ausgesetzt sind.
       
       Insbesondere widmet er sich den Schicksalen der Frauen, die mit ihm durch
       die Sahara reisten: „Die Frauen in meiner Gruppe wurden systematisch
       misshandelt. Die Schmugglerringe nutzen sie als Tauschmittel gegenüber
       Polizisten oder Grenzbeamten, um ihre Macht zu sichern“, führt Mbolela aus.
       Doch auch in Marokko sind Frauen auf der Flucht keinesfalls sicher: „In dem
       Ghetto, in dem ich schlief, kam es zu sexuellen Übergriffen durch Männer
       aus der eigenen migrantischen Gemeinschaft“, erinnert er sich.
       
       Im Jahr 2008 konnte Mbolela Marokko verlassen. Mit einem sogenannten
       Resettlement – also einer Umsiedlung in einen aufnahmebereiten Drittstaat –
       erhielt er Asyl in den Niederlanden. Damals wie heute war dafür das Büro
       des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR in Rabat zuständig.
       
       Dass Mbolela ausreisen durfte, lag vielleicht auch daran, dass er mit
       seiner Organisation zu einem einflussreichen Kritiker staatlicher Systeme
       wurde. Marokko ganz hinter sich zu lassen, sei aber nie eine Option
       gewesen. „Als ich in Europa ankam, war mir klar, dass ich etwas an der
       Situation der Migranten und Migrantinnen in Marokko ändern muss“, sagt
       Mbolela.
       
       Also schrieb er seine Autobiografie, veranstaltete Lesungen, besuchte
       Schulklassen, sprach auf Podien und baute sich so ein Netzwerk aus
       Unterstützern in Europa auf. Mittels Spenden konnte er das Maison Baobab
       anmieten und ab dem Jahr 2015 die ersten Frauen darin unterbringen.
       
       Seitdem wuchs das Haus auf inzwischen drei Apartments mit je drei bis vier
       Zimmern. In den vergangenen zehn Jahren beherbergte das Maison Baobab nach
       Angaben von Arcom rund 1.500 Frauen und deren Kinder.
       
       ## Geheimer Standort
       
       Finanziert wird das Haus durch die Unterstützung des Vereins Medico
       International und des Netzwerks Afrique-Europe-Interact. Zusätzlich gebe es
       einige Privatpersonen, die regelmäßig größere Beträge spenden würden. Nach
       Angaben von Arcom kostet die Unterbringung monatlich durchschnittlich 75
       Euro pro Person.
       
       Arcom bietet neben der Wohnung Lebensmittel, Unterricht und medizinische
       Betreuung. Den Namen des Hauses wählte Mbolela als Referenz an seine
       Heimat, die Demokratische Republik Kongo: „In meinem Heimatdorf treffen
       sich die Menschen im Schatten unter den Blättern der Baobab-Bäume, um sich
       auszutauschen und Gemeinschaft zu spüren. So auch in unserem Frauenhaus.“
       
       Der genaue Standort des Maison Baobab ist geheim, über Hilfsangebote
       erfahren die Frauen von dem Standort. Das Team des Hauses rät den Frauen,
       nicht zu viel Zeit vor der Eingangstür zu verbringen, um keine ungewollte
       Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – zu unsicher sei es, als migrantische
       Initiative Platz im öffentlichen Raum einzunehmen. Arcom will unter dem
       Radar bleiben, um kein Ziel von Razzien zu werden.
       
       Viele Frauen, die im Maison Baobab unterkommen, haben nie eine Schule
       besucht. Um ihnen auch nach ihrer Zeit im Maison Baobab eine Perspektive zu
       bieten, können sie in Räumlichkeiten der Organisation Französisch, Englisch
       und Arabisch lernen, Näh- und Informatikkurse besuchen oder etwas über
       wirtschaftliche Grundlagen erfahren.
       
       Und auch die Kinder der Frauen werden unterrichtet. In einem Klassenzimmer
       sitzen Schüler:innen jeglichen Alters auf kleinen Stühlen und schreiben
       Vokabeln in ihre Hefte. „Die Kurse sollen den Frauen und Kindern
       ermöglichen, nach ihrer Zeit im Maison Baobab eigenständig leben zu
       können“, erklärt Mbolela. Ein Zimmer weiter sitzen fünf Frauen vor
       klackernden Nähmaschinen und unterhalten sich.
       
       Die Gabunerin Fleure erzählt, dass sie nach Marokko gekommen sei, um
       Erbstreitigkeiten in der Familie zu entgehen. Sie wollte ein neues,
       konfliktfreies Leben beginnen. Doch es kam anders. „Weil ich keine
       Aufenthaltsgenehmigung bekommen habe, verlor ich meinen Job in einem
       Krankenhaus hier in Rabat. Dann bin ich auf der Straße gelandet“, erzählt
       sie. Das Maison Baobab nahm sie auf. Sie möchte in Marokko bleiben, ihr
       Ziel ist ein Arbeitsvertrag und eine eigene Wohnung.
       
       Doch das sei nicht ohne Weiteres möglich: „Ohne Arbeit bekommt man keinen
       Aufenthaltstitel“, sagt sie. Und eine reguläre Festanstellung zu erhalten,
       ist komplex. Denn selbst unter marokkanischen [16][Hochschulabsolventen
       liegt die Arbeitslosenquote bei 20 Prozent]. Rund 45.000 Marokkaner
       [17][verlassen das Land jährlich, ein Großteil aus wirtschaftlichen
       Gründen]. Während Marokko also längst nicht mehr nur Transit-, sondern auch
       Zielland für Migrant:innen ist, möchten große Teile der jungen
       marokkanischen Bevölkerung selbst das Land verlassen.
       
       Diese Dualität ist ein weiterer Grund für die weit verbreitete ablehnende
       Haltung gegenüber Migranti:nnen aus Subsahara-Afrika. „Viele Marokkaner
       sagen: Wir haben unsere eigenen Probleme. Wir können uns nicht auch noch um
       andere kümmern“, erklärt GIZ-Beraterin Imane Echchikhi. Klar sei aber auch,
       dass die Feindseligkeit noch einen weiteren Ursprung habe: „Ein Problem ist
       schwerwiegender Rassismus in weiten Teilen der nordafrikanischen
       Bevölkerung gegenüber Migranten aus Subsahara-Afrika.“
       
       Diese Ressentiments erfuhr auch Bsrat Hndya. Die Äthiopierin ist eine von
       nur rund 3.000 Menschen mit christlich-orthodoxem Glauben im Land, hat
       schwarze Haut und ist noch dazu eine Frau im patriarchalen Marokko. Das
       mache sie gleich mehrfach zur Zielscheibe. „Viele Marokkaner haben ein
       Problem mit mir“, sagt sie und zeigt mit ihrem Zeigefinger auf die Narbe in
       Kreuzform, die – seit sie ein Kleinkind ist – auf ihrer Stirn prangt.
       
       ## 150 Menschen kommen täglich zum UNHCR-Büro
       
       „Teilweise lassen mich Taxifahrer nicht mitfahren, weil ich Christin bin“,
       fügt sie hinzu. Bei potenziellen Chefs habe sie versucht zu lügen, also
       ihren christlichen Glauben zu verschweigen, da sie dringend einen Job
       brauchte. Inzwischen könne sie zwar einige Tage im Monat in der Spülküche
       eines Restaurants aushelfen, doch habe sie noch immer weder einen
       Arbeitsvertrag noch eine Aufenthaltsgenehmigung. Pro Tag verdiene sie
       weniger als 10 Euro.
       
       Hndya versucht sich unauffällig zu verhalten, um keine ungewollte
       Aufmerksamkeit auf sich und das Maison Baobab zu ziehen. Sobald es dunkel
       wird, hält sie sich nicht mehr auf der Straße auf, tagsüber versucht sie in
       der Menge an Menschen unterzugehen. Nicht zuletzt wegen der
       allgegenwärtigen Repression sieht Hndya in Marokko keine Zukunft für sich.
       Wie ein Großteil der Migrant:innen träumt sie von einem Leben in Europa.
       
       Unzählige Male habe Hndya bereits vor den Türen des UNHCR angestanden, um
       über den Status ihres Asylantrags zu sprechen. Nach Diskussionen mit den
       Sicherheitsbeamten blieben die Türen meist verschlossen, sie habe gehen
       müssen, ohne über ihre Zukunft sprechen zu können. Zwar ist sie offiziell
       als Geflüchtete registriert, doch bietet das Blatt Papier, auf dem das
       UNHCR ihren Flüchtlingsstatus bestätigt, keine echte Sicherheit im Fall
       einer Polizeikontrolle.
       
       Rabab Talal arbeitet für das UNHCR in Rabat. Sie versucht, zukunftssichere
       Lösungen für Geflüchtete zu finden. „Auch das Geschlecht kann für das
       Verständnis des Schutzbedürfnisses einer Person von Bedeutung sein“,
       erklärt Talal. In der Genfer Flüchtlingskonvention ist
       geschlechtsspezifische Gewalt aber nicht als Fluchtgrund festgehalten.
       „Rund 150 Menschen kommen täglich zu uns ins Büro“, erklärt Talal.
       
       Die Mitarbeiter des UNHCR registrieren Asylsuchende, stellen ihren
       Flüchtlingsstatus fest, kümmern sich um Rechtsbeistand und helfen beim
       Zugang zu Bildung oder einer ärztlichen Versorgung. Dafür erhielt das UNHCR
       das Mandat von der marokkanischen Regierung. Denn diese etablierte bis
       heute kein eigenständiges, funktionsfähiges Asylsystem [18][für die
       Registrierung und Anerkennung von Geflüchteten]. Dabei hat sich die Zahl
       der Asylsuchenden in Marokko in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht.
       
       Bsrat Hndya träumt vom Leben in Europa. Doch von den rund 23.000
       registrierten Geflüchteten und Asylsuchenden wird jährlich nur „eine
       niedrige dreistellige Zahl an Personen“ mittels eines Resettlements an
       andere Länder ausgewiesen, sagt Talal. Wahrscheinlicher sei es für
       Asylsuchende, in Marokkos nationale Systeme integriert zu werden. Doch das
       sei einerseits ein langwieriger und unsicherer Prozess, andererseits für
       viele Menschen keine zufriedenstellende Situation – zu sehr würden sie den
       Groll und Rassismus ihnen gegenüber durch die marokkanische Bevölkerung
       spüren.
       
       So bleibt Hndya nur der illegale und gefährliche Weg über das Meer.
       Mehrfach habe sie bereits versucht, mit einem Boot auf spanischen Boden
       überzusetzen. Nie gelang es ihr. Aus Mangel an Alternativen möchte sie
       jedoch wieder die Fahrt über das Meer wagen. Schwimmen kann die 26-Jährige
       nicht.
       
       Das Team von Arcom möchte vermeiden, dass die Bewohnerinnen sich diesem
       Risiko aussetzen. [19][Denn allein im Jahr 2025 sind allein 483 Menschen in
       der Straße von Gibraltar gestorben oder vermisst.] 
       
       Emmanuel Mbolela sitzt an einem Frühlingstag an seinem Schreibtisch im Büro
       der Organisation, die er vor zwanzig Jahren gründete. Er blickt zu einem
       Regal zu seiner Rechten. Darauf steht sein Buch in vier verschiedenen
       Sprachen. Mbolela hat sein Leben dem Kampf für die Rechte von
       Migrant:innen gewidmet. Das Resultat ist eine Organisation, die das
       Leben Tausender beeinflusste, doch das System nicht ändern konnte.
       
       ## Kehrtwende in der globalen Migrationspolitik
       
       „Die Mehrheit der Frauen, die im Maison Baobab unterkommen, werden nicht
       resettelt und finden auch keine Arbeit hier in Marokko. Am Ende ihres
       Aufenthalts in der Maison Baobab wissen sie nicht, wohin sie gehen sollen“,
       erklärt er. Einige Frauen würden in ihre Heimatländer zurückkehren, andere
       erneut in prekäre Lebensumstände geraten.
       
       Um einen wirklichen Unterschied zu machen, die Situation der
       Migrant:innen und Geflüchteten in Marokko nachhaltig zu verbessern,
       brauche es eine Kehrtwende in der globalen Migrationspolitik: „Einerseits
       müsste das marokkanische Migrationsrecht reformiert, aber auch die
       Externalisierung der europäischen Grenzen beendet werden“, sagt Emmanuel
       Mbolela sachlich.
       
       Marokko habe bereits in der Vergangenheit zwei große
       „Regularisierungskampagnen“ durchgeführt, dabei auf einen Schlag
       Zehntausenden Migrant:innen Papiere gegeben. Weitere Kampagnen würden
       gebraucht, seien aber nicht geplant. Wenn Mbolela über die Repression
       spricht, unter der seine Kameraden bis heute leiden, lässt sich der Frust
       in seinen Augen erkennen.
       
       Die Leidtragenden der europäischen Abschottungspolitik sind
       Kriegsflüchtlinge wie Bsrat Hndya, die trotz ihres Fluchtgrundes nicht die
       Hilfe erfahren, die sie brauchen. Wann sie Marokko verlassen wird oder ob
       sie ihre Eltern bald wieder in die Arme schließen kann, weiß sie nicht.
       Klar ist Hndya aber, dass sie in Zukunft anderen Frauen unter die Arme
       greifen möchte, die eine Krise durchleben: „Ich habe zwar nicht viel Zeit
       in der Schule verbracht, aber ich habe viele Länder gesehen und einiges
       erlebt. Irgendwann will ich den Mädchen, denen es so geht wie mir, helfen“,
       sagt die 26-Jährige entschlossen.
       
       Bald wird sie aus dem Maison Baobab ausziehen müssen, um Platz für eine
       Frau zu machen, deren Notlage akuter ist als ihre. Eine neue Wohnung hat
       sie noch nicht.
       
       Leon Scheffold lebt als freier Journalist, Fotograf und Filmemacher in
       Baden-Württemberg. Er hat unter anderem zu den Themenfeldern Migration,
       Inklusion und Kirchen gearbeitet und gerade auch einen dokumentarischen
       Kurzfilm über das Maison Baobab fertiggestellt.
       
       9 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Neuer-Buergerkrieg-in-Aethiopien/!6217009
 (DIR) [2] /Ansturm-auf-Ceuta/!6211147
 (DIR) [3] /Sexualisierte-Gewalt/!t5009660
 (DIR) [4] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10091612/
 (DIR) [5] https://www.aerzte-ohne-grenzen.at/article/aerzte-ohne-grenzen-ist-beunruhigt-ueber-die-medizinische-lage-von-migranten--nach-vertreibung-durch-die-marokkanische-polizei
 (DIR) [6] https://www.un.org/development/desa/pd/sites/www.un.org.development.desa.pd/files/undesa_pd_2025_intlmigstock_2024_key_facts_and_figures_advance-unedited.pdf
 (DIR) [7] /Debatte-EU-Migrationspolitik-im-Maghreb/!5366611
 (DIR) [8] https://www.unhcr.org/where-we-work/countries/morocco?dataset=POP&yearsMode=range&selectedYears=%5B2012%2C2026%5D&level=OPR&category=PTY&fundingSource=ALS&compareBy=%5B%22category%22%5D&levelCompare=%5B%5B%22OMAR_ABC%22%5D%5D&viewType=chart&chartType=bar&contextualDataset=BUD&tableDataView=absolute
 (DIR) [9] https://reliefweb.int/report/morocco/unhcr-morocco-fact-sheet-july-202
 (DIR) [10] https://www.researchgate.net/publication/387771823_Antiblack_racism_as_a_slavery's_afterlife_Sub-Saharan_African_migrants_in_the_marginalized_neighbourhoods_of_Rabat
 (DIR) [11] https://enlargement.ec.europa.eu/document/download/c2fcd575-3239-4adc-ab30-0b7a7d2146d6_en
 (DIR) [12] https://www.tagesschau.de/investigativ/report-muenchen/eu-asylsuchende-nordafrika-100.html
 (DIR) [13] https://www.proasyl.de/pressemitteilung/zwei-jahre-nach-melilla-nador-neue-beweise-fuer-verantwortung-marokkanischer-und-spanischer-behoerden-an-gewaltexzessen-gegen-schutzsuchende/
 (DIR) [14] https://fr.le360.ma/economie/mondial-2030-200-milliards-de-dirhams-engages-et-26-millions-de-touristes-vises_XQSMMCB73BC3TNBUGHY3ZY4WWE/
 (DIR) [15] https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/niedrige-wahlbeteiligung-bei-marokkos-parmanetswahl-201258840.html
 (DIR) [16] https://www.hcp.ma/Activite-emploi-et-chomage-resultats-annuels-2025_a4310.html
 (DIR) [17] https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2024/09/oecd-economic-surveys-morocco-2024_d4786047/80777ea7-en.pdf
 (DIR) [18] https://www.ohchr.org/sites/default/files/lib-docs/HRBodies/UPR/Documents/session13/MA/UNHCR_UPR_MAR_S13_2012_UNHCR_E.pdf
 (DIR) [19] https://news.az/news/spain-frontex-search-for-missing-migrant-boat-off-balearic-islands
       
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