# taz.de -- Ceuta-Krise: Spanische Regierung gibt Dokumente frei
> Sicherheitsbehörden warnten wohl vor einem Ansturm auf die Exklave Ceuta.
> Die spanische Regierung und Opposition interpretieren dies verschieden.
(IMG) Bild: Pedro Sánchez, spanischer Ministerpräsident, spricht vor dem Plenum des Abgeordnetenhauses
Die spanische Regierung hat am Mittwochnachmittag [1][40 Dokumente] der
Polizei und der Geheimdienste aus dem Monat vor dem [2][Ansturm auf die
Exklave Ceuta] freigegeben. Die Linkskoalition unter Pedro Sánchez will
damit allerlei Falschinformationen seitens der rechten Opposition über die
Vorfälle am 30. und 31. Juli entgegentreten. Das gelingt nur teilweise,
denn in den Papieren ist für jeden etwas dabei. Sie lassen – je nach
politischem Interesse – unterschiedliche Interpretationen zu.
Die Sicherheitsbehörden warnten tatsächlich im Vorhinein vor dem Ansturm,
bei dem über 70.000 Menschen aus Marokko kommend die Grenzanlagen
umschwammen. Unter anderen zeigt dies eine Mitteilung des Geheimdienstes
CNI. Dieser informierte neben der Regierungsdelegation in Ceuta und der
paramilitärischen Polizei Guardia Civil, der die Grenze untersteht, auch
Marokko über kursierende Aufrufe in den sozialen Medien.
„Es gibt zwei Gruppen mit insgesamt 180.000 Followern. Damit du dir eine
Vorstellung von der Reichweite der Verbreitung machst“, schreibt ein
Vertreter des CNI in einer Whatsapp-Konversation am 29. Juli. Allerdings
machte der CNI keine exakten Vorhersagen, ob und was passieren würde. Die
Einwanderungspolizei Cenif machte im Juli bis zum Ansturm – auch das ist
den Dokumenten zu entnehmen – 1.000 illegale Einwanderer aus. „Ein
drastischer Anstieg im Vergleich zum Vorjahr“, erklärte die Behörde. Aber
auch der Einwanderungspolizei war nicht klar, was da kommen sollte.
Die Frage, ob Marokko direkt an der Organisation der Aktion beteiligt war,
lässt sich auch nach der Veröffentlichung der Dokumente nicht beantworten.
Die Geheimdienste warnten – als die Grenze unter Druck geriet – vor der
„Passivität“ der marokkanischen Sicherheitskräfte, allerdings gebe es keine
Hinweise darauf, dass Marokko den Ansturm „aktiv begünstigt“ hätte.
Vielmehr seien die Sicherheitskräfte ganz einfach überfordert gewesen.
## Sánchez unter Druck
Ministerpräsident Pedro Sánchez sieht durch die Dokumente seine Version der
Dinge bestätigt. „Zu keinem Zeitpunkt übermittelte das CNI eine formelle
Mitteilung an seine Befehlskette oder an ein Mitglied der Regierung. Es gab
weder Telefonanrufe noch Bitten um persönliche Treffen. Eine Behörde, die
davon ausgeht, dass es am nächsten Tag zu einem massenhaften Eindringen
kommen wird, teilt dies nicht per Messengerdienst mit, sondern meldet es
auf dem Dienstweg nach oben. Das liegt in ihrer Verantwortung und
Zuständigkeit“, hieß es am Mittwoch seitens der Regierung.
Somit hätte niemand die Krise vorhersehen können, „weder in Spanien noch in
der EU“, schreibt Sánchez auf X. Das ist nicht zuletzt eine scharfe Kritik
an Verteidigungsministerin Margarita Robles, der der CNI untersteht, die
immer wieder behauptet hatte, die Geheimdienste hätte hervorragend
gearbeitet.
Sánchez nimmt einmal mehr Marokko aus der Schusslinie. Er habe keine
Dokumente erhalten die „handfeste Beweise dafür lieferten, dass Marokko den
Vorfall geplant oder herbeigeführt“ habe.
Die Hoffnung, die Veröffentlichung könne die Lage beruhigen, sollte sich
nicht erfüllen. Auch der rechte Partido Popular (PP) und die
[3][rechtsextreme] Vox sehen sich durch die Dokumente bestätigt. „Die
Regierung wusste über alles Bescheid“, erklärt PP-Sprecherin Ester Muñoz.
Sie wirft Sánchez einmal mehr „Untätigkeit“ vor und sieht die Verantwortung
bei ihm. Sánchez würde Marokko schützen, weil die dortigen Geheimdienste
ihn mit Informationen aus Abhöraktionen in der Hand hätten, lautet ein
weiterer Vorwurf, der sich nicht belegen lässt.
Vox geht noch einen Schritt weiter. „Die freigegebenen Berichte bestätigen
lediglich, was wir bereits wussten: dass der CNI seiner Pflicht nachkam und
die Regierung warnte, und dass diese Regierung sowie Sánchez erneut gelogen
haben“, erklärt Pepa Millán, Vox-Sprecherin im Parlament. Sie wirft Sánchez
deshalb einen „Akt des Verrats“ vor. Der Regierungschef müsse vor Gericht
zur Verantwortung gezogen werden.
10 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.lamoncloa.gob.es/consejodeministros/paginas/informes-y-comunicaciones-situacion-ceuta.aspx
(DIR) [2] /Gefluechtete-in-Ceuta/!6211994
(DIR) [3] /Vier-Wochen-nach-Massenansturm/!6208784
## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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