# taz.de -- Wahlen in Marokko: Wirtschaftsliberale gewinnen Parlamentswahlen
> Die Partei PAM geht als Sieger aus den Wahlen in Marokko hervor. Die
> Wahlbeteiligung war historisch niedrig. Ein Fußballmanager könnte jetzt
> Premier werden.
(IMG) Bild: Der Chef des nationalen Fußballverbands, Faouzi Lekjaa, gilt als Favorit auf das Amt des Premierministers
Aus den Parlamentswahlen in Marokko geht die wirtschaftsliberale Partei PAM
als Wahlsieger hervor. Die Bewegung für „Authentizität- und Modernität“ war
bisher Juniorpartner der Regierungskoalition und hat 97 der 395 Sitze
gewonnen. Während die PAM bei der Wahl am Mittwoch 11 Prozentpunkte
dazugewann im Vergleich zur letzten Wahl, verloren ihre Partner RNI 36
Prozentpunkte und die Istiqlal-Partei 16 Prozentpunkte.
Politiker der PAM lehnten nach dem Sieg ein zukünftiges Bündnis mit der
ebenfalls sehr marktliberalen und mit Geschäftsleuten verbandelten RNI
wegen persönlicher Streitereien ab. Die Wahlergebnisse sind vorläufig und
wurden am Donnerstag von Innenminister Abdelouafi Laftit bekannt gegeben.
Die Islamisten der PJD wurden viertstärkste Kraft mit 54 Sitzen. Sie hatten
bis 2021 eine Regierungskoalition angeführt, dann aber 90 Prozent ihrer
Sitze verloren. Sowohl der Abstieg als auch der aktuelle Zugewinn der PJD
wird mit der israelkritischen Haltung vieler Marokkaner in Verbindung
gebracht.
## Islamisten im Aufwind
2020 unterzeichnete Marokko, ohne das Parlament zu befragen, mit Israel das
sogenannte Abraham-Abkommen. Im Gegenzug für die Aufnahme diplomatischer
Beziehungen erhält die marokkanische Armee seitdem israelische Waffen und
Geheimdiensttechnologie. Damals wurde der PJD von den eigenen Wählern
Untätigkeit vorgeworfen, nun sehen sie in ihr die einzige israelkritische
Kraft.
Zugpferd des Wahlkampfes der PAM war Faouzi Lekjaa. Der für das
Staatsbudget zuständige Minister ist auch Chef des nationalen
Fußballverbands und wird von vielen Beobachtern als Favorit auf das Amt des
Premierministers gesehen. Der bisherige Ministerpräsident Aziz Akhannouch
will nicht mehr antreten. Traditionell ernennt [1][König Mohamed VI.] einen
Premierminister aus den Reihen der stärksten Partei. Auch die Minister für
Verteidigung, Inneres, Außenpolitik und Religion werden von ihm nominiert.
Viele junge Marokkaner blieben der Wahl fern. Im Herbst waren Zehntausende
im Rahmen der [2][Gen-Z-212-Proteste für höhere Löhne und Investitionen in
Bildung und Gesundheitswesen auf die Straßen] gegangen. 2.480 Demonstranten
wurden verhaftet. Die Zahl 212 bezieht sich auf die Landesvorwahl Marokkos,
doch die Forderungen der marokkanischen Jugend teilen viele ihrer
Altersgenossen in anderen Ländern des Maghreb.
## Führende Wirtschaftsnation des Kontinents
Mit einer Wachstumsrate von 5 Prozent und der Ansiedlung mehrerer großer
europäischer Hersteller aus der Automobil- und Luftfahrtbranche ist Marokko
im letzten Jahr zur führenden Wirtschaftsnation des Kontinents
aufgestiegen. Doch laut eines kürzlich veröffentlichten Berichtes der
Weltgesundheitsorganisation WHO entsprechen nur 2 Prozent der
Gesundheitseinrichtungen internationalen Standards.
Seit der Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung, der „Assurance
Maladie Obligatoire“, ist die Zahl der gesetzlich Versicherten von 42
Prozent auf 88 Prozent gestiegen. Dennoch können viele Marokkaner mit einem
durchschnittlichen Nettogehalt von 410 Euro sich die oft nötigen
Zuzahlungen nicht leisten. Der mögliche nächste Premier Lekjaa hat nun auch
bereits prompt versprochen, den Mindestlohn auf umgerechnet 458 Euro
anheben.
24 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mirco Keilberth
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