# taz.de -- Wahlen in MeckPomm und Berlin: Schlechte Aussichten
> Wahlumfragen können täuschen. Und so könnten die anstehenden Wahlen in
> Mecklenburg-Vorpommern und Berlin anders ausgehen, als manche glauben.
(IMG) Bild: Da lang! Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und Spitzenkandidatin für die Landtagswahl
Nur weil etwas besser aussieht, ist es noch lange nicht gut. Das gilt für
die am 20. September anstehende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Und
das gilt für die zeitgleich stattfindende Wahl zum Berliner
Abgeordnetenhaus. Dass in beiden Ländern die Umfragen eine Mehrheit für ein
Mitte-links-Bündnis ausweisen, heißt zunächst gar nichts.
Die Wahlen in Sachsen-Anhalt haben einmal mehr gezeigt, dass Umfragen nur
bedingt zu trauen ist. Zwar zweifelte niemand ernsthaft daran, dass die AfD
das Rennen machen wird. Aber wer hatte die Wagenknecht-Partei BSW auf dem
Schirm? Um es deutlich zu sagen: Das Beben von Magdeburg könnte sich
zumindest in Mecklenburg-Vorpommern wiederholen. Auch hier droht die
Schwerregierbarkeit. Sicher, die SPD steuert ausnahmsweise auf ein starkes
Ergebnis zu. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ist populär. Dass sie in
Dauerschleife gegen die unbeliebten Reformen der unbeliebten
Bundesregierung holzt, trägt mit dazu bei. Es ändert nur nichts daran, dass
es trotzdem zu einem hässlichen Wahlausgang kommen kann.
Eine Möglichkeit: Vom Ergebnis in Sachsen-Anhalt gepusht, [1][fährt die
extreme Rechte ihren nächsten Triumph ein]. Eine weitere: Schwesigs SPD
holt auf den letzten Metern weiter auf, aber alle für eine stabile
Regierung links der Mitte nötigen Partner werden rasiert.
Die Sozis [2][plakatieren seit der Sachsen-Anhalt-Wahl im ganzen Land
Schwesig-Porträts] mit dem Slogan „Die Frau gegen Blau“. Schwesig selbst
sagt: „Ich bitte um die Stimmen von allen, die verhindern wollen, dass die
AfD die Macht in MV übernimmt.“ Ich, ich, ich. Schwesig almighty. Doch was
ist, wenn die Linke erneut schwächelt? Zudem könnten die Grünen an der
Fünfprozenthürde scheitern, zumal sie nicht wie in Sachsen-Anhalt durch
eine „Taktisch wählen“-Kampagne befeuert werden. Auch in
Mecklenburg-Vorpommern könnte überdies das BSW ins Parlament einziehen –
und dann nur [3][einen überparteilichen Ministerpräsidenten von Sahra
Wagenknechts Gnaden] akzeptieren. Dann war es das mit stabilen
Verhältnissen.
Im Stadtstaat Berlin sind die Dinge anders gelagert. In Umfragen liegen
CDU, Linke, AfD und Grüne so nah beieinander, dass die jeweils aufgeregt
vermeldeten aktuellen Wasserstände weitgehend unbrauchbar sind.
Nur zwei Ergebnisse scheinen halbwegs sicher. Zum einen wird die
ausgelaugte Dauerregierpartei SPD in diesem Fall wohl ordentlich
abschmieren. Zum anderen dürfte es trotzdem wie bei den vorangegangenen
Berlinwahlen wieder für eine rot-grün-rote Mehrheit reichen. Gut möglich
auch, dass die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp im Mitte-links-Lager
stärkste Kraft wird. Eralp lässt auch keinen Zweifel daran, dass sie
Berlins erste Linke-Regierungschefin werden will.
Dass es dazu kommt, ist mehr als unsicher. Das liegt nicht allein daran,
dass sich die SPD querstellt beim Lieblingsthema der Linken, der Enteignung
von Immobilienkonzernen. Schwerer wiegt schon, dass Eralps Partei gezeigt
hat, dass sie nicht in der Lage ist, ihr Antisemitismusproblem in den Griff
zu bekommen. Der bei einer Parteiveranstaltung von den Anwesenden
abgefeierte Auftritt [4][eines Vernichtungsfantasien gegenüber Israel
skandierenden Rappers] ist hier ja nur die Spitze des Eisbergs. Das größte
Problem mit der Linken ist nun mal die Linke selbst.
Teile des Landesverbands sind dabei von der Obsession beherrscht, alles
unter ihren Maximalforderungen sei Verrat. Und wer eine Koalition mit SPD
und Grünen eingehe, sei ein Verräter. Die Linke habe „die einzige
Opposition gegen Sozialstaatsabbau, Aufrüstung und Militarisierung“ zu
sein, [5][machte eine führende Vertreterin des Neuköllner Bezirksverbands
jüngst die Wagenknecht]. Wie durch Zetern auf der Oppositionsbank
„Sozialstaatsabbau, Aufrüstung und Militarisierung“ verhindert werden
können, sagte sie nicht. Aber offenkundig geht es auch nicht ums
Verhindern, sondern ums urdeutsche Rechthaben. Der Fundiflügel der
Hauptstadt-Linken ist an diesem Punkt dem BSW näher, als ihm bewusst ist.
Fehlt nur noch, dass auch von dieser Seite ein überparteilicher
Faschingsprinz gefordert wird.
Was bliebe: ein fragiles Bündnis aus einer rückwärtsgewandten CDU, den in
Berlin besonders linken und damit besonders inkompatiblen Grünen und einer
hadernden SPD. Danke für nichts.
13 Sep 2026
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## AUTOREN
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