# taz.de -- Marsch für das Leben in Berlin: Exportknaller Anti-Choice
       
       > Radikale Abtreibungsgegner sind international bestens vernetzt. Am
       > Wochenende kommen Frauenfeinde aus Europa und den USA in Berlin zusammen.
       
 (IMG) Bild: Your Body, My Choice: Abtreibungsgegner beim Marsch für das Leben in Berlin
       
       Berlin, ein Wochenende, zwei Veranstaltungen radikaler
       Abtreibungsgegner*innen. Zufall oder hybride Kriegsführung? Reine
       Koinzidenz, fragt man Heartbeat International, Veranstalter der anstehenden
       Anti-Choice-Konferenz in Berlin. Annika Brockschmidt vermutet das
       Gegenteil: „Es wäre ein massiver Fehler, zu glauben, dass radikale
       Abtreibungsgegner*innen nur in den USA tätig sind und dass das Ganze
       mit uns hier nichts zu tun hat“, warnt die [1][Expertin für die christliche
       Rechte in den USA.]
       
       In Berlin findet am Wochenende erstmals das „Gipfeltreffen der Leiter
       europäischer Schwangerschaftshilfseinrichtungen“ von Heartbeat
       International statt. Zeitgleich versammeln sich am Samstag in Berlin wie
       auch in Köln und Zürich christliche Fundamentalist*innen, erzkonservative
       Kirchenvertreter*innen und extreme Rechte, um beim [2][„Marsch für
       das Leben“ gegen das Recht auf Abtreibung] zu demonstrieren.
       
       Organisiert wird der Marsch in Deutschland vom Bundesverband Lebensrecht.
       In Berlin mobilisieren wie in den Vorjahren das [3][Bündnis „What the
       Fuck?!“] und das [4][Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung] zu
       Gegendemonstrationen. Auch [5][in Köln] und Zürich sind Gegendemos
       angekündigt.
       
       Bei Heartbeat International handelt es sich um eine aus den USA stammende,
       weltweit agierende Anti-Abtreibungs-Organisation, die der MAGA-Bewegung
       nahesteht. Ihre Vision: „Eine Welt, in der jedes neue Leben willkommen ist
       und Kinder gemäß Gottes Plan in starken Familien aufwachsen, sodass
       Abtreibung undenkbar ist.“ Auf dem diesjährigen Gipfeltreffen wird sich
       über Themen wie Klientenbetreuung, Spendenbeschaffung und „geistliche
       Ermutigung“ ausgetauscht. „Letztendlich geht es darum, Frauen bestmöglich
       zu unterstützen“, sagt eine Sprecherin zur taz.
       
       Ella Nowak vom Bündnis „What the Fuck?!“ widerspricht dieser Darstellung:
       „Die Konferenz bietet einer zutiefst gefährlichen Ideologie eine Bühne und
       richtet sich offen gegen den Grundsatz körperlicher Selbstbestimmung“, so
       die Aktivistin.
       
       ## Schwangere sollen sich für das Kind entscheiden
       
       Heartbeat International hat nach eigenen Angaben 4.000 angeschlossene
       Zentren in über 100 Ländern. Die Organisation betreibt das weltweit größte
       Netzwerk an Zentren für Schwangerschaftskonfliktberatungen. Dabei handelt
       es sich um Zentren, die vorgeben, neutral über Schwangerschaftsabbrüche zu
       beraten. [6][Recherchen zeigen jedoch], dass in den Beratungen falsche oder
       irreführende Informationen verbreitet werden, etwa dass
       Schwangerschaftsabbrüche psychische Krankheiten oder Krebs verursachen
       würden.
       
       „Die Beratung hat von vorneherein nur ein Ziel“, sagt Annika Brockschmidt:
       „Die Schwangere dazu zu bringen, sich gegen den Abbruch zu entscheiden.“
       Die Konferenz in Berlin verdeutliche einmal mehr, wovor Expert*innen und
       Aktivist*innen seit Jahren warnen: dass [7][radikale
       Abtreibungsgegner*innen weltweit vernetzt sind].
       
       ## 22 Millionen Dollar jährlich zur Untergrabung von Frauenrechten
       
       Heartbeat International veranstaltet ihre Gipfeltreffen alle zwei Jahre an
       einem anderen Ort, „um die Teilnehmerzahl zu maximieren und so mit
       möglichst vielen Menschen in Kontakt zu treten“, so die Sprecherin. Die
       christliche Rechte in den USA gibt seit 2019 22 Millionen Dollar jährlich
       für europäische Organisationen aus, die gezielt Frauenrechte untergraben.
       
       Lobbyorganisationen wie Heartbeat International oder auch Alliance
       Defending Freedom unterstützen deutsche Abtreibungsgegner*innen mit
       Wissen, Erfahrung und Geldern. Viele US-amerikanische Organisationen haben
       auch Dependancen in Europa und Deutschland.
       
       „Die Bewegung hierzulande schaut interessiert in die USA, um sich
       inspirieren zu lassen“, sagt Brockschmidt. Dort verschlechtern sich die
       Zustände für ungewollt Schwangere seit der Aufhebung des Grundsatzurteils
       Roe v. Wade über den Zugang zu Abbrüchen zunehmend.
       
       Und die „Wunschliste“ radikaler Abtreibungsgegner*innen in den USA
       sei lang: Sie fordern ein Versandverbot von Mitteln für
       Schwangerschaftsabbrüche, wollen Abbruchmedikamenten die Zulassung
       entziehen und Zugänge zu Telemedizin einschränken. Schwangerschaftsabbruch
       soll als Mord gelten und sogar mit der Todesstrafe bestraft werden können.
       Zudem solle das Scheidungsrecht erschwert, staatliche Förderung von
       Enthaltsamkeit ausgeweitet und der Zugang zu Verhütungsmitteln und
       Sexualaufklärung beschnitten werden, so Brockschmidt.
       
       ## Kampagne gegen Frauke Brosius-Gersdorf
       
       Derweil stagnieren hierzulande die Teilnehmer*innenzahlen bei den
       Märschen seit einigen Jahren. 2025 demonstrierten in Köln rund 1.200
       sogenannte Lebensschützer*innen, [8][in Berlin etwas mehr als 2.000 – so
       wenige wie zuletzt 2004]. Trotzdem ist die Bewegung enorm einflussreich,
       wie sich zuletzt 2025 an der gescheiterten Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf
       zur Bundesverfassungsrichterin zeigte.
       
       An der Kampagne gegen sie war neben rechtspopulistischen Medien
       [9][maßgeblich CitizenGO beteiligt], eine Petitionsplattform gegen
       Abtreibungs- und Frauenrechte. Die konservative Pro-Life-Organisation mit
       Sitz in Spanien wird von konservativen Organisationen aus den USA sowie vom
       Kreml finanziert.
       
       „Die transnationale Vernetzung dieser Bewegung zeigt auch die enge
       Verzahnung der extremen politischen Rechten mit
       fundamentalistisch-christlichen Milieus“, sagt Brockschmidt. „Das sehen wir
       auch in Deutschland schon lange.“ Christfluencer wie Leonard Jäger
       (@KetzerderNeuzeit, 338.000 Follower) inszenieren sich händeschüttelnd mit
       Donald Trump und posieren mit AfD-Abgeordneten wie Alice Weidel. Auf dem
       Marsch für das Leben laufen seit Jahren AfD-Funktionär*innen mit, etwa
       Beatrix von Storch oder Franz Schmid.
       
       Darüber hinaus beruft die AfD prominente Anti-Choice-Akteure als
       Sachverständige in den Rechtsausschuss des Bundestags und macht Druck,
       Beratungsstellen wie Pro Familia von der gesetzlichen
       Schwangerschaftskonfliktberatung auszuschließen. [10][Der Landesverband in
       Sachsen-Anhalt fordert], Schwangeren in Konfliktberatungen
       Ultraschallbilder des Embryos zu zeigen, um sie von einem Abbruch
       abzuhalten.
       
       Wie lässt sich der Bewegung etwas entgegensetzen? „Besonders wichtig ist
       es, darüber aufzuklären, dass diese Bewegung keinesfalls, wie sie
       behauptet, dem ‚Kinderschutz‘ oder ‚Lebensschutz‘ verschrieben ist, sondern
       dass es um die patriarchale Kontrolle Schwangerer geht“, sagt Brockschmidt.
       Es sei wichtig, aufzuklären, wofür diese Menschen stehen: „Pro forced
       birth“, nicht „pro life“.
       
       18 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Marsch-fuer-das-Leben/!6212094
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 (DIR) [4] https://www.sexuelle-selbstbestimmung.de/termine/aktionstag-2026/
 (DIR) [5] https://www.demokrateam.org/aktionen/gegen-den-marsch-fuer-das-leben/
 (DIR) [6] https://www.opendemocracy.net/en/trump-linked-religious-extremists-global-disinformation-pregnant-women/
 (DIR) [7] /Rechte-Hetze-gegen-Brosius-Gersdorf/!6097369
 (DIR) [8] /Marsch-fuer-das-Leben-in-Berlin/!6111325
 (DIR) [9] /Richterinnenwahl/!6099888
 (DIR) [10] /Vor-der-Wahl-in-Sachsen-Anhalt/!6206930
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilly Schröder
       
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