# taz.de -- Protest gegen christliche Rechte: Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat, kein Verfahren
> Wegen Blockaden kamen Evangelikale zu spät zu einer Demo gegen
> Abtreibungen. Sie zeigten die Aktivist*innen an, das Verfahren wurde
> eingestellt.
(IMG) Bild: Konnten einige Abtreibungsgegner*innen nicht sehen: Plakate von Gegendemonstrant*innen beim „Marsch für das Leben“
Die Bremer Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen mehrere feministische
Aktivist*innen eingestellt. Diese hatten im September einen Bus von
christlichen Fundamentalist*innen auf seinem Weg zu einer
Anti-Abtreibungsdemo blockiert. Die Fundamentalist*innen hatten die
Aktivist*innen wegen Nötigung, Bedrohung, Beleidigung und
Volksverhetzung angezeigt.
Am 20. September 2025 demonstrierten rund 2.000 Menschen in Berlin gegen
die körperliche Selbstbestimmung. Auf dem sogenannten [1][„Marsch fürs
Leben“] gehen jedes Jahr christliche Fundamentalist*innen gemeinsam
mit weiteren antifeministischen Akteur*innen aus konservativen,
rechtsklerikalen und [2][teils extrem rechten Milieus] aus ganz Deutschland
auf die Straße, um gegen Schwangerschaftsabbrüche und Sterbehilfe zu
protestieren.
Auch Mitglieder der [3][evangelikalen Bremer St. Martini-Gemeinde] wollten
an der Demonstration in Berlin teilnehmen – sie trafen jedoch bereits vor
ihrer Abfahrt aus Bremen auf Gegenprotest. [4][Der Weser-Kurier hatte
zuerst berichtet]. Rund 30 feministische Aktivist*innen blockierten in
den Morgenstunden den Reisebus der Fundamentalist*innen und
verzögerten damit die Abfahrt um anderthalb Stunden. Die Gemeindemitglieder
riefen noch vor Ort die Polizei, welche mehrere der Aktivist*innen
festnahm.
Tina Simons von der Basisgruppe Antifaschismus Bremen, die in den
vergangenen Jahren zu den Protesten aufgerufen hatte, betont, dass der
Protest gegen Abtreibungsgegner*innen ein wichtiger Teil im Kampf
gegen Rechts sei. Religiöse Rechte wie die der Bremer St. Martini-Gemeinde
seien schließlich eine „gut vernetzte Struktur und wichtige politische
Akteure im aktuellen gesellschaftlichen antifeministischen Rollback“.
## Pastor der Gemeinde wegen Volksverhetzung angeklagt
Die evangelikale St. Martini-Gemeinde steht seit Jahren [5][aufgrund ihrer
erzkonservativen und antifeministischen Positionen in der Kritik]. Der
Pastor der Gemeinde, Olaf Latzel, wurde 2019 bereits [6][wegen
Volksverhetzung angeklagt], nachdem er von einer „teuflischen Homo-Lobby“
gesprochen und Homosexualität als „todeswürdig“ bezeichnet hatte. [7][In
seinen Ansprachen] beklagte er, dass „überall diese Verbrecher vom CSD“
rumlaufen und Partys feiern würden.
Das Verfahren gegen ihn ging durch mehrere Instanzen, bis es schließlich
[8][gegen eine Geldauflage] eingestellt wurde: Latzel musste 5.000 Euro an
das queere Rat-und-Tat-Zentrum in Bremen spenden.
Nun ist es Latzels Gemeinde selbst, die den Vorwurf der Beleidigung,
Bedrohung und Volksverhetzung erhebt. Die feministischen Aktivist*innen
hätten im September „menschenfeindliche, beleidigende, blasphemische und
antisemitische Hassparolen“ skandiert – so wird Jürgen Fischer, der
Vorsitzende der Gemeinde, in einem Artikel des Weser-Kuriers zitiert.
Die Staatsanwaltschaft spricht gegenüber der taz dagegen lediglich von
„öffentlichen Meinungsbekundungen in Gestalt von Parolen und Sprechchören“.
Das Verfahren wurde aufgrund seiner Unverhältnismäßigkeit eingestellt, ein
Straftatbestand sei nicht ersichtlich. Fischer bezeichnet diese
Entscheidung im Weser-Kurier als „geradezu haarsträubend, ein Skandal“.
Eigentlich müssten die Evangelikal*innen die Proteste bereits gewohnt
sein, schließlich hatte es in den vergangenen Jahren so einige davon
gegeben: auf einen Schaukasten der Kirche wurde beispielsweise [9][„God is
gay“] geschrieben, die Kirchenmauern mit dem zehn Meter großem Schriftzug
„Fight Queerphobia“ versehen. Mehrmals hatten feministische
Aktivist*innen vor der Kirche einen Infostand aufgebaut und die
gemeinsame Anreise der Gemeinde zum „Marsch fürs Leben“ wurde auch 2024
bereits aufgrund von Protest und Blockadeaktionen verzögert.
Auch diesen September wird der „Marsch fürs Leben“ in Berlin und Köln
stattfinden, die Gemeindemitglieder hatten angekündigt, wieder gemeinsam
hinzufahren. Obwohl sie mit einer verschärften Kriminalisierung
feministischer und antifaschistischer Proteste rechnet, ist Simons von der
Basisgruppe Antifaschismus überzeugt: „Auch zukünftig haben die rechten
Jesusfreaks mit entschlossenem Protest zu rechnen.“
Sollte der Straftatbestand der Nötigung, der diesmal nicht nachgewiesen
werden konnte, beim nächsten Mal erfüllt werden, müssten die
Aktivist*innen mit einer Geldstrafe oder sogar einer Freiheitsstrafe
von bis zu drei Jahren rechnen.
20 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Marsch-fuer-das-Leben-in-Berlin/!6111325
(DIR) [2] /Marsch-fuer-das-Leben-/!6113745
(DIR) [3] /Queerfeindlicher-Pastor-in-Bremen/!6033062
(DIR) [4] https://www.weser-kurier.de/bremen/bremer-kirchengemeinde-empoert-staatsanwaltschaft-stellt-verfahren-ein-doc86qmv62nfro1c7cvwjwb
(DIR) [5] /Christliche-Fundamentalisten-in-Bremen/!6169446
(DIR) [6] /Christliche-Fundamentalisten-in-Bremen/!6169446
(DIR) [7] /Prozess-gegen-Pastor/!5727679
(DIR) [8] /Queerfeindlicher-Hassprediger-aus-Bremen/!6029959
(DIR) [9] /Prozess-gegen-Pastor/!5727679
## AUTOREN
(DIR) Amanda Böhm
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