# taz.de -- „Marsch für das Leben“: Eine globale Allianz gegen Abtreibung
       
       > Beim „Marsch für das Leben“ demonstrieren am Wochenende
       > Fundamentalist*innen gegen Abtreibung. Eine Podiumsdiskussion
       > beleuchtet die transnationalen Netzwerke dahinter.
       
 (IMG) Bild: Marsch für das Leben Berlin 2025
       
       22 Millionen Dollar: So viel gibt die christliche Rechte in den USA seit
       2019 jährlich für europäische Organisationen aus, die gezielt Frauenrechte
       untergraben. „Die Professionalisierung der religiösen Rechten schreitet
       voran. Die transnationale Vernetzung wird stark ausgebaut“, sagt Lina Dahm.
       „Sie haben inzwischen einen großen Einfluss auf wichtige politische und
       gesellschaftliche Debatten.“
       
       Rund 200 Menschen lauschen am Dienstagabend der Journalistin und
       Antifeminismus-Expertin. Sie sitzen auf Bierbänken im SO36 in Kreuzberg,
       über ihnen funkelt eine Discokugel. Dahm diskutiert auf dem Podium
       „Gläubig. Antifeministisch. Extrem rechts“ vom Bündnis „What the Fuck?!“
       mit Annika Brockschmidt, Expertin für die christliche Rechte in den USA,
       über die transnationale Vernetzung von christlichem Fundamentalismus und
       extremer Rechter.
       
       Anlass für die Veranstaltung ist der anstehende [1][„Marsch für das Leben“
       (MfdL)]. Am 19. September versammeln sich in Berlin zum 16. Mal christliche
       Fundamentalist*innen, erzkonservative Kirchenvertreter*innen und
       extreme Rechte, um gemeinsam gegen das Recht auf Abtreibung zu
       demonstrieren. Das Bündnis „What the Fuck?!“ mobilisiert ab 11 Uhr zu einer
       Gegendemonstration auf dem Washingtonplatz.
       
       In diesem Jahr findet parallel zum MfdL erstmalig eine zweitägige Konferenz
       radikaler Abtreibungsgegner*innen statt. Veranstalter ist Heartbeat
       International, eine aus den USA stammende und weltweit agierende
       Anti-Abtreibungs-Organisation, die der MAGA-Bewegung nahesteht. Nach
       eigenen Angaben hat Heartbeat International 4.000 angeschlossene Zentren in
       über 100 Ländern.
       
       ## US-amerikanische Lobbyorganisationen unterstützen die deutsche
       „Lebensschutz“-Bewegung
       
       Die Organisation betreibt das weltweit größte Netzwerk von Zentren für
       Schwangerschaftskonfliktberatungen. Die Zentren geben vor, neutral über
       Schwangerschaftsabbrüche zu beraten. Recherchen zeigen jedoch, dass sie
       gegen Schwangerschaftsabbrüche gerichtet sind und falsche oder irreführende
       Informationen verbreiten, etwa dass Schwangerschaftsabbrüche psychische
       Krankheiten oder Krebs verursachen würden. Solche „Fake-Beratungsstellen“
       gibt es auch hierzulande, zum Beispiel „Profemina“.
       
       „Die Anti-Choice-Bewegung in Deutschland orientiert sich an der aus den
       USA“, erklärt Lina Dahm. Lobbyorganisationen unterstützen deutsche
       Abtreibungsgegner*innen mit Wissen, Erfahrung und Geldern. Viele
       US-Organisationen haben auch Dependancen in Europa und Deutschland.
       
       Hierzulande stagnieren die Teilnehmer*innenzahlen bei den Märschen
       für das Leben seit einigen Jahren. „Trotzdem bleibt die Bewegung als ganze
       aufgrund der internationalen Vernetzung und der Lobbyarbeit einflussreich“,
       so Dahm. Neben den Märschen besteht ihre Arbeit vor allem aus
       Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit, Gehsteigbelästigung und der Organisation
       von Kongressen.
       
       ## Der Fall Frauke Brosius-Gersdorf war nur der Anfang
       
       Wie erfolgreich die [2][hybride Kriegsführung der transnationalen
       Netzwerke] ist, zeigte sich zuletzt 2025 an der gescheiterten Wahl von
       Frauke Brosius-Gersdorf zur Bundesverfassungsrichterin. Maßgeblich an der
       Kampagne gegen Brosius-Gersdorf war CitizenGO beteiligt, eine
       Petitionsplattform gegen Abtreibungs- und Frauenrechte. Die Organisation
       mit Sitz in Spanien wird von konservativen Organisationen aus den USA sowie
       vom Kreml finanziert.
       
       „Mit dem Sturz von Brosius-Gersdorf hat die religiöse Rechte einen Sieg
       errungen“, sagt Brockschmidt. „Sie sind aber noch lange nicht fertig.“ Was
       konkret drohen könnte, zeigt ein Blick nach Sachsen-Anhalt. Der dortige
       Landesverband fordert, Schwangerschaftsabbrüche weiterhin im
       Strafgesetzbuch zu regeln. In Konfliktberatungen sollen Schwangeren zudem
       Ultraschallbilder des Embryos gezeigt werden, um sie von einem Abbruch
       abzuhalten.
       
       Die AfD und die „Lebensschutz“-Bewegung sind eng verbandelt. Auf dem MfdL
       laufen AfD-Funktionär*innen wie Beatrix von Storch oder Franz Schmid mit.
       Die AfD beruft prominente Anti-Choice-Akteure als Sachverständige in den
       Rechtsausschuss des Bundestags. Zudem macht die rechtsextreme Partei Druck,
       Beratungsstellen von Pro Familia von der gesetzlichen
       Schwangerschaftskonfliktberatung auszuschließen. Lina Dahm warnt: „Wir
       werden davon noch viel mehr sehen.“
       
       10 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Lilly Schröder
       
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