# taz.de -- Mit dem E-Lastwagen durch Europa: Abschied vom Öltimer
> Die Spritpreise sind hoch, Spediteure klagen über hohe Kosten. Lkw-Fahrer
> Tobias Wagner hat damit keine Probleme, er ist elektrisch unterwegs.
(IMG) Bild: Tankt er noch oder lädt er schon? Ein LKW auf der Autobahn
Tobias Wagner steht auf einer Wiese vor seinem weißen Tesla, Solarpaneele
auf dem Dachgepäckträger, als er dem Internet erzählt: Er, 31, eigentlich
Start-up-Unternehmer aus München, wird jetzt Lkw-Fahrer. Ausschließlich für
elektrische Lastwagen. Und dabei will er sich in Zukunft filmen, um anderen
Fahrer:innen und Speditionen zu zeigen, wie das so klappt mit einem
E-Lkw im Fernverkehr.
Knapp 70.000 Aufrufe hat [1][Wagners Video auf YouTube], am 1. Juli 2024
ging es online. Seitdem hat er 200.000 Kilometer in E-Lkws gemacht und auf
seinem Kanal „Elektrotrucker“ mehr als 240 Videos geteilt. Als Co-Pilot
immer dabei: Dackelterrier Krümelix.
Als die taz Ende März mit Tobias Wagner telefoniert, fahren er und Krümelix
an der schwedischen Ostküste entlang zurück Richtung Ostfriesland zur
Spedition Nanno Janssen, für die Wagner unterwegs ist. Vorher hat er Güter
nach Lappland gebracht, ganz in den Norden Finnlands. Was er da eigentlich
transportiert? „Bunt gemischt“, sagt Wagner. Produkte für die
Autoindustrie, den Gartenbau, Teile für Windkraftanlagen, aber auch
Rettungsinseln für Schiffe.
Wenn er mit vollem Akku starte, schaffe sein Lastwagen 600 Kilometer. „Ich
kann mich mit meinem E-Lkw genauso schnell bewegen wie mit einem
Diesel-Lkw“, sagt Wagner, er schließe seinen Truck einfach in der Ruhepause
an die Ladesäule an. Seit 2024 seien in fast ganz Europa Ladeparks für
Lastwagen entstanden. Da, wo es keine gebe, „muss man auf die
Ladeinfrastruktur für Pkws zurückgreifen“, sagt er. Probleme mache nur,
wenn ein Ladepunkt mit Parkbuchten für Autos konstruiert worden sei. Da
passe ein Sattelzug nicht rein. Also sattelt Wagner seinen Auflieger ab,
fährt nur mit der Zugmaschine zum Ladepunkt und sattelt nach dem Laden
wieder auf.
## E-Lkws sind unabhängig von Ölpreisen und -krisen
Wagner spricht schnell und lacht viel. Seine Message ist klar: E-Lkw fahren
geht, hilft dem Klima – aus dem Auspuff eines Diesel-Lkws komme „so viel
Dreck“ – und lohnt sich auch finanziell. „Speditionen sind unabhängig vom
Öl und können sehr günstige Preise anbieten.“
Darüber, dass sie wegen hoher Rohstoffpreise kaum wirtschaftlich arbeiten
könnten, klagten in den letzten Wochen viele Speditionen. Die
[2][Regierungen der USA und Israels hatten einen Krieg gegen das iranische
Regime entfacht], das reagierte mit einer De-facto-Sperre der Straße von
Hormus. Rund ein Fünftel der globalen Öl- und Flüssiggastransporte gehen
normalerweise durch die Meerenge – der Ölpreis schnellte in die Höhe.
Obwohl Deutschland große Teile seines Öls aus anderen Regionen importiert,
haben die Mineralölkonzerne die Spritpreise auch an deutschen Tankstellen
deutlich nach oben getrieben. Besonders Diesel, der Kraftstoff für die
allermeisten fossil betriebenen Lastwagen, wurde verteuert. Am Ostersonntag
kostete der Liter in Deutschland 2,44 Euro, wie Daten des ADAC zeigen.
Infolge steigender Gaspreise steigen auch die Kosten für den Ladestrom
eines E-Lkws, allerdings 2,5-mal weniger als der Dieselpreis. Das hat der
Umweltverband Transport and Environment errechnet.
Angesichts dieser Lage schlugen die Speditionen Alarm. Die Preise
gefährdeten ihr Geschäft, Insolvenzen drohten. Warum sie nicht einfach
E-Lkws kaufen? Laut dem Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und
Entsorgung, dem führenden deutschen Lobbyverband für Lkw-Verkehr, sind
E-Lkws in der Anschaffung noch deutlich teurer als vergleichbare Diesel.
Und die Ladeinfrastruktur sei noch nicht so gut ausgebaut, dass sich der
Einsatz im Fernverkehr lohne.
„Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen“, sagt Tobias Wagner der taz, als er
nahe Sundsvall die schwedische Autobahn entlangfährt. Klar, nicht alle
Speditionen könnten ihre komplette Flotte elektrifizieren. Einige hätten es
probiert und zumindest ein paar E-Lkws angeschafft. Es gebe aber sehr viele
Unternehmen, meint Wagner, die gar nichts täten. „Und sie wissen ganz
genau, dass die Abhängigkeit von Öl ein Geschäftsrisiko mit sich bringt.“
In einem aktuellen Video nennt Wagner die Diesel-Lkws „Öltimer“. Die klare
Botschaft: Diese Karren sind von gestern.
## Aus Brüssel kommen gemischte Signale
Schon bevor er bei Nanno Janssen angeheuert hat, hatte Wagner mit
E-Mobilität zu tun. Das Start-up, das er 2018 mitgegründet hat, richtet
Ladepunkte ein. Einige Jahre nach der Gründung wurde es Wagner langweilig.
Ladeinfrastruktur für Pkws hatte er als persönliches Projekt abgehakt.
Jetzt wollte er bei der Elektrifizierung des Lastwagenverkehrs dabei sein.
Wenn er nicht am Steuer saß, bastelte er zusammen mit einem
Softwareentwickler die E-Trucker-App – auf Basis von Daten zu
Lkw-Ladeparks, die er ursprünglich für das Laden auf seinen Fahrten
sammelte.
Seit Oktober 2025 ist die ETM Elektrotrucker Media GmbH, der Wagner
vorsteht, ein eingetragenes Unternehmen zum Vertrieb der App. Die ist an
sich umsonst, ein Upgrade mit Managementangeboten lässt sich ETM bezahlen.
Wenn Wagner an Raststätten mit E-Lkw-Fahrern ins Gespräch kommt, macht er
Werbung für seine App. „Ich verrate meistens gar nicht, dass ich sie
entwickelt habe“, sagt er.
Im Jahr 2024 legten Lkws sieben von zehn aller Transportfahrten in
Deutschland zurück. Etwa ein Drittel der jährlich rund 144 Millionen Tonnen
CO₂-Emissionen des deutschen Verkehrs geht auf das Konto des
Straßengüterverkehrs. Elektrisch fuhren Ende 2025 laut Kraftfahrtbundesamt
2,6 Prozent aller Fahrzeuge im Straßengüterverkehr. Der Anteil spart
[3][nach Angaben des Stromversorgers Eon] beim Laden mit dem deutschen
Strommix schon knapp eine Million Tonnen CO₂ pro Jahr ein.
Einen Schub bekamen die Zulassungen von E-Lkws, als EU-weit CO₂-Ziele für
Lkw-Flotten in Kraft getreten sind. Zwischen 2023 und 2025 kletterten die
E-Neuzulassungen [4][laut Transport and Enviroment] um 68 Prozent nach
oben, die Nachfrage nach Diesel-Lkws sank im gleichen Zeitraum um 16
Prozent.
## „Ein klarer Wettbewerbsvorteil“
Ähnlich wie bei den Regeln für Verbrenner-Pkws wettern Konservative und
Lobbyverbände allerdings gegen die Klimavorgaben. Erst vor wenigen Tagen
stimmte der EU-Rat einer Abschwächung der bisherigen Regeln zu. Die
CO2-Ziele bleiben bestehen, die Hersteller haben aber mehr Spielraum, sie
zu erreichen. Wenn sie in einem Jahr zwischen 2025 und 2029 ihre
Emissionsziele unterschreiten, können sie damit spätere CO2-Werte
ausgleichen. Die EU-Kommission hatte die Änderung damit begründet, dass der
Ausbau der Schnellladeinfrastruktur für Lkws zu langsam vorankomme.
Tobias Wagner sieht das anders. „Einen Elektro-Lkw zu haben, ist heute
schon ein klarer Wettbewerbsvorteil.“ Die Technologie werde sich
durchsetzen – trotz der schwächeren EU-Regeln.
Europaweit [5][arbeiten viele Trucker unter prekären Bedingungen]. Wagner
sei „in einer luxuriösen Position“, sagt er. Er könne jederzeit aufhören,
als Lkw-Fahrer zu arbeiten. Die nächste Idee hat er schon im Hinterkopf.
Auf der IAA Transportation im September will er eine Weltumrundung mit
seinem E-Lkw starten, 45.000 Kilometer über fast alle Kontinente – „um auch
den letzten Kritiker zu überzeugen“.
14 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=pimLQPWmIQY
(DIR) [2] /Folgen-des-Irankriegs/!6168804
(DIR) [3] https://energieatlas.eon.de/e-mobility/e-lkw
(DIR) [4] https://www.transportenvironment.org/te-deutschland/articles/e-lkw-zulassungen-steigen-europaweit-deutlich-deutschland-im-mittelfeld
(DIR) [5] /Prekaer-beschaeftigte-Lkw-Fahrer/!5971064
## AUTOREN
(DIR) Nanja Boenisch
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