# taz.de -- Effekte der Bezahlkarte: Nichts Genaues weiß die Bundesregierung nicht
> Die Bezahlkarte für Asylbewerber sollte Bürokratie reduzieren und
> Flüchtlinge abschrecken. Ihre Auswirkungen kann die Regierung aber nicht
> beziffern.
(IMG) Bild: Die Bezahlkarte sollte ein Problem bekämpfen, das es nicht gab
Vor etwas mehr als zwei Jahren änderte die Ampelkoalition das
Asylbewerberleistungsgesetz. Sie schuf die Rechtsgrundlage dafür, dass
Asylsuchende ihr Geld nicht mehr in bar ausgezahlt oder aufs Konto
überwiesen bekommen, sondern auf eine Bezahlkarte mit eingeschränkten
Funktionen. Die Regierung begründete das mit weniger Verwaltungsaufwand und
der Hoffnung, Deutschland als Ziel für Flucht unattraktiver zu machen, weil
Sozialleistungen nicht mehr ins Ausland oder an Schleuser fließen können.
Zwei Jahre später ist die Karte [1][in allen 16 Bundesländern im Einsatz],
wenn auch nicht in allen Kommunen. Was ihre Einführung gebracht hat, kann
die Bundesregierung allerdings nicht beziffern. Der
Grünen-Bundestagsabgeordnete Timon Dzienus wollte vom zuständigen
Bundessozialministerium wissen, welche Kenntnisse über den Umfang der
Auslandsüberweisungen vor und nach der Reform vorliegen. Die Antwort auf
seine schriftliche Frage: „Keine“. Auch bezüglich der Entwicklung des
Verwaltungsaufwands bekam Dzienus keine Antwort: Da die Ausführung des
Gesetzes den Ländern und Kommunen obliege, lägen der Bundesregierung keine
Erkenntnisse vor.
„Die Bezahlkarte sollte Bargeldzahlungen und Überweisungen begrenzen, hat
aber nur Menschen von der Integration abgehalten und aus dem Alltag
ausgegrenzt“, sagte der Abgeordnete dazu der taz. „Heute wissen wir, dass
die Bundesregierung gar nicht belegen kann, ob es vor oder nach ihrer
Einführung überhaupt zu Missbrauch gekommen ist. Die Bezahlkarte sollte ein
Problem bekämpfen, das es nicht gab, nur um Bürokratie zu schaffen, die
keiner brauchte. Sie ist faktenfreier Blödsinn.“
Die Bezahlkarte funktioniert als Debitkarte, auf die monatlich neues
Guthaben geladen wird. Die genaue Ausgestaltung ist regional
unterschiedlich. In vielen Bundesländern können höchstens 50 Euro pro Monat
in bar von der Karte abgehoben werden. Überweisungen sind teils gar nicht
und teils nur mit Genehmigung möglich.
In der Ampelkoalition hatte sich die Bundestagsfraktion der Grünen zunächst
gegen die Änderung im Asylbewerberleistungsgesetz ausgesprochen. Zugestimmt
haben sie am Ende unter anderem wegen der Zugeständnisse, dass Ländern
beziehungsweise Kommunen die Verwendung freigestellt wird [2][und
Bargeldabhebungen nicht kategorisch ausgeschlossen werden.]
11 Sep 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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