# taz.de -- Katherina Reiches umstrittene Reform: Im neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz kommt Biomasse gut weg
       
       > Das neue Gesetz für erneuerbare Energien soll die Stromproduktion aus
       > Wind und Solar zurückfahren. Holz, Gülle und Mais aber werden gefördert.
       
 (IMG) Bild: Was soll Holz sein: Lebensraum und CO₂-Speicher, Baumaterial, Energieträger zum Heizen – oder geht auch alles?
       
       [1][Während die Branchen der Wind- und Solarenergie in den Verhandlungen um
       das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gegen schlechtere Rahmenbedingungen
       kämpfen müssen], sieht es für die Bioenergie vergleichsweise gut aus. So
       sieht das Gesetz aus dem Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche
       (CDU), das derzeit von den Fraktionen im Bundestag und von Experten
       diskutiert wird, neue Ausbauziele für Biomasse vor.
       
       Ihre installierte Leistung soll 2030 auf 9,5 Gigawatt ansteigen und dort
       bis 2035 festgeschrieben werden. Das alte EEG sah eine installierte
       Leistung von 8,4 Gigawatt vor. Biomasse umfasst Holz, aber etwa auch Biogas
       aus Gülle oder Mais. Zweites Beispiel: Künftig sollen Betreiber von
       Windkraft- und Solaranlagen in Zeiten hoher Strommarktpreise Gewinne
       zurückzahlen müssen. Für Betreiber von Biomasseanlagen soll das nicht
       gelten.
       
       Die Rolle von Bioenergie im künftigen Strommix ist umstritten: Der
       Naturschutzbund Nabu etwa fordert, Holz generell aus dem EEG auszuschließen
       und seine energetische Nutzung nicht mehr zu fördern. „Holz ist in den
       allermeisten Fällen zu wertvoll zum Verfeuern“, [2][heißt es in einem
       entsprechenden Positionspapier], „die weitere Förderung von Holzverbrennung
       schadet Wäldern, Klima und Wirtschaft.“ Die Grundlage für die Förderung von
       Holz als Energieträger im EEG ist die Biomasseverordnung, die derzeit
       ebenfalls überarbeitet wird. Sie legt fest, welche Holzsortimente gefördert
       werden dürfen – also etwa Säge- und Furnierholz, aus dem etwa auch Möbel
       gebaut werden können, oder Industrierestholz.
       
       Dahinter steht die Vorgabe der EU, den wertvollen Rohstoff Holz in Kaskaden
       zu nutzen – also erst als Möbel- oder Bauholz und erst danach als Pellet
       oder Hackschnitzel. Unterstütze der Gesetzgeber etwa Holzheizkraftwerke,
       sorge er dafür, „dass auch Holz verbrannt wird, das grundsätzlich stofflich
       genutzt werden könnte“, sagt Eric Häublein, Referent für Bioenergie beim
       Nabu. Zudem entstünden bei der Verbrennung unmittelbar CO2-Emissionen,
       während Wälder als Kohlenstoffspeicher und -senken wirken können – aber
       unter Druck stehen.
       
       ## Holz als Energieträger hat auch Fürsprecher
       
       Rubert Röder, Professor für Nachhaltige Betriebswirtschaft an der
       Hochschule Weihenstephan, verweist hingegen darauf, dass die Nachfrage der
       Möbel-, Bau- und Papierindustrie nach Holz seit Jahren zurückgehe. So habe
       die Verwendung von Laubholz zwischen 2010 und 2024 um insgesamt 4,6
       Millionen Kubikmeter abgenommen. In diesem Zeitraum sind in Deutschland
       zwischen 10 und 14 Millionen Kubikmeter Laubholz geerntet worden.
       
       „Holz ist ein guter Energieträger zur regionalen Wärmeversorgung“, sagt
       Röder. „Er ersetzt Heizöl und Erdgas und trägt damit wesentlich zum
       Klimaschutz bei.“ Auf Kaskadennutzung zu bestehen, wenn die vorgelagerte
       Verarbeitung immer weiter abnehme, sei nicht sinnvoll. Vielmehr solle die
       Verwendung von Holz in vielen Bereichen gefördert werden – etwa mit einer
       Holzbauoffensive, aber auch mit der energetischen Nutzung.
       
       Einig sind sich sowohl die Befürworter einer verstärkten Holznutzung als
       auch ihre Gegner darin, dass Holzkraftwerke zur Stromerzeugung kein
       sinnvoller Beitrag zum Erneuerbare-Energien-System sind, weil ihr
       Wirkungsgrad mit 30 bis 40 Prozent sehr niedrig ist.
       
       28 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /UN-Vollversammlung/!6215919
 (DIR) [2] https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/energie/biomasse/260831_nabu_policybrief_biomassev.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Heike Holdinghausen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Wald
 (DIR) Energie
 (DIR) Erneuerbare Energien
 (DIR) GNS
 (DIR) Bundesregierung
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Problemfall Fischerei: Nur Bruchteil der Meere ist effektiv geschützt
       
       Schutzgebiete sollen die Artenvielfalt der Ozeane erhalten. Doch nicht
       immer helfen sie der Tierwelt und den Ökosystemen, sagt eine neue Studie.
       
 (DIR) Pläne der EU-Kommission: Mit Strom gegen den Klimawandel
       
       Europa soll unabhängiger von fossilen Energieträgern werden und damit
       Emissionen reduzieren. Die EU-Kommission sieht dafür Strom als Schlüssel.
       
 (DIR) Job-Rekord bei erneuerbaren Energien: So viele Beschäftigte wie noch nie in Erneuerbaren-Branche
       
       Der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie bringt viele Jobs, so eine Studie.
       Das energiepolitische Rollback der Bundesregierung gefährdet Arbeitsplätze.